China militarisiert das Südchinesische Meer, um Handelswege zu sichern

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 4 min
14.07.2019 16:35
China ist der größte handelspolitische Nutznießer des Südchinesischen Meers. Um die Handelswege zu sichern, setzt das Land auf eine militärische Expansion in den umstrittenen Gewässern.
China militarisiert das Südchinesische Meer, um Handelswege zu sichern
Chinas territoriale Ansprüche im Südchinesischen Meer gemäß der "Neun-Strich-Linie". (Grafik: GPF)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Das Südchinesische Meer, eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt, steht im Mittelpunkt mehrerer sich überschneidender territorialer Streitigkeiten, an denen China, Vietnam, die Philippinen, Taiwan, Malaysia und Brunei beteiligt sind.

Der seit Jahrzehnten andauernde Konflikt hat sich auch zu einem Brennpunkt der chinesisch-amerikanischen Beziehungen in Asien entwickelt. China beansprucht mehr als 80 Prozent des Südchinesischen Meers, während Vietnam die Souveränität über die Paracel-Inseln und die Spratly-Inseln beansprucht. Die Philippinen erheben Anspruch auf die Spratly-Inseln und den Scarborough-Riff, während Brunei und Malaysia die Souveränität über südliche Teile des Südchinesischen Meers und einige der Spratly-Inseln beanspruchen.

Im Jahr 2009 veröffentlichte China eine Landkarte mit der sogenannten “Neun-Strich-Linie”, um Ansprüche im Südchinesischen Meer geltend zu machen. Die geografische Markierung der “Neun-Strich-Linie” erstreckt sich bis zu 2.000 Kilometer vom chinesischen Festland entfernt und erreicht die Gewässer in der Nähe von Indonesien und Malaysia.

Das Südchinesische Meer ist eine wichtige Handelsstraße, die Asien mit Europa und Afrika verbindet,  sein Meeresboden ist reich an natürlichen Ressourcen. Der US-Energieagentur EIA zufolge befinden sich im Südchinesischen Meer mindestens elf Milliarden Barrel Öl und 190 Billionen Kubikfuß Erdgas. Ein Drittel des weltweiten internationalen Handels  - insgesamt 3,37 Billionen US-Dollar - wurden 2016 über das Südchinesische Meer abgewickelt, berichtet das Center for Strategic and International Studies (CSIS). Davon entfielen 874 Milliarden US-Dollar auf China, 249 Milliarden US-Dollar auf Südkorea, 214 Milliarden US-Dollar auf Singapur, 170 Milliarden US-Dollar auf Thailand, 158 Milliarden US-Dollar auf Vietnam, 141 Milliarden US-Dollar auf Japan, 140 Milliarden US-Dollar auf Hongkong, 121 Milliarden US-Dollar auf Indonesien, 117 Milliarden US-Dollar auf Deutschland und 106 Milliarden US-Dollar Malaysia.

Ungefähr 80 Prozent der chinesischen Ölimporte kommen über die Straße von Malakka in Indonesien an und verlaufen dann über das Südchinesische Meer nach China. Der  Welthandels- und Entwicklungskonferenz (United Nations Conference on Trade and Development, UNCTAD) zufolge werden 60 Prozent des weltweiten Seehandels über Asien abgewickelt, wobei ein Drittel davon auf das Südchinesische Meer entfällt. Die Gewässer Chinas, Taiwans, Japans und Südkoreas sind von besonderer Bedeutung. Die Straße von Malakka verbindet das Südchinesische Meer und im weiteren Sinne den Pazifischen Ozean mit dem Indischen Ozean. 

Da China offenkundig ein großes handelspolitisches Interesse am Südchinesischen Meer hat, baut das Land auch seine militärische Präsenz aus, um die Seewege zu sichern. 

China militarisiert das Südchinesische Meer

China hat zahlreiche militärische Einrichtungen im Südchinesischen Meer errichtet, vor allem auf den Spratly- und Paracel-Inseln. Auf den Spratlys hat China Flugplätze in Subi, Mischief und Fiery Cross  sowie eine potenzielle Infrastruktur für Raketen, Radargeräte und Hubschrauber errichtet, führt der US-Informationsdienst GPF aus. Auf den Paracels hat China auf Woody Island eine bedeutende militärische Einrichtung errichtet sowie Radar- und Hubschraubereinrichtungen in mehreren anderen Gebieten.

Diese militärischen Einrichtungen erweitern die Reichweite des chinesischen Militärs über die gesamte Breite des Südchinesischen Meeres.

Mehrere der Inseln dienen als Basis für Luftabwehrraketen-Systeme (SAMs) - einschließlich der HQ-9 mit einer Reichweite von 125 Kilometern - und bodengestützte Marschflugkörper (GLCMs). Diese Raketen dienen dazu, das Südchinesische Meer für US-amerikanische Schiffe und Flugzeuge, die keine Stealth-Fähigkeiten oder die kein geschichtetes Luftverteidigungssystem besitzen, unsicher zu machen. Die GLCMs können dem chinesischen A2/AD-Netzwerk (Anti-Access Area Denial) weitere Trägerraketen hinzufügen. Doch nicht unbedingt mit größerer Effizienz als Raketen, die von U-Booten, Schiffen oder Flugzeugen abgefeuert werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Konfliktfall hängt die Nutzungsdauer eines Flugplatzes von der Verfügbarkeit von Material und Ausrüstung ab, um Reparaturen nach einem Angriff durchzuführen. Es ist nicht klar, ob die von China im Südchinesischen Meer geschaffenen Inseln robust genug sind, um nach US-Raketen- und Bombenangriffen weiter in Betrieb zu bleiben. Obwohl die größeren Inseln über Flugzeugunterstände verfügen, bleibt auch unklar, ob diese Unterstände einen konzertierten US-Angriff durchstehen könnten.

Landgestützte Raketen überdauern Luftangriffe, da sie zwischen Hügeln, Wäldern und anderer natürlicher Deckung versteckt werden können. Es gibt keine wirkungsvolle natürliche Deckung auf den Inseln, die China geschaffen hat, und selbst von Menschenhand geschaffene Verteidigungsanlagen können konzertierte Angriffe nicht überleben. Darüber hinaus sind Raketenwerfer auf ein zumindest einigermaßen robustes logistisches Netzwerk für Treibstoff, Energie und Munition angewiesen, das China möglicherweise während eines Konflikts nicht zuverlässig bereitstellen kann.

SAMs, GLCMs und Kampfflugzeuge sind für ihre Wirksamkeit auf genaue Zieldaten angewiesen. Den wichtigsten Beitrag können die Radaranlagen leisten. China hat mehrere davon auf den Inseln des Südchinesischen Meeres errichtet. Diese Installationen sind zwar individuell verwundbare Einrichtungen. Sie bieten jedoch ein umfassenderes Bild des Schlachtfelds - zumindest solange sie nicht zerstört werden. 

Denn die Radarsysteme selbst sind für eine Vielzahl von US-amerikanischen Angriffen anfällig. Dazu gehören kinetische Angriffe, elektronische Kriegsführung, Cyberangriffe und sogar Überfälle von Spezialeinheiten. In einem Konflikt könnte China schnell den Zugang zu dem von ihm eingerichteten Radarnetz verlieren. 

Die gesamten militärischen Fähigkeiten des chinesischen Militärs im Südchinesischen Meer hängen davon ab, ob die Kommunikation und die logistische Verbindung zum Festland gesichert ist. Die meisten der von China künstlich errichteten Inseln können keine umfangreichen logistischen Vorräte aufnehmen oder diese Vorräte vor Angriffen schützen. Im Konfliktfall würde die Notwendigkeit, die Inseln mit Treibstoff, Ausrüstung und Munition zu versorgen, schnell zu einer Belastung für vermutlich stark beanspruchte chinesische Transportgüter werden.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektromobilität: In jedem Wandel stecken Chancen

Emissionen verringern, Kosten sparen und Imagegewinne erzielen – die Gründe für Unternehmen, in der Flotte auf Fahrzeuge mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Blackrock: Mastermind hinter der globalen Anti-Corona-Strategie

Im August 2019 stellte Blackrock eine Strategie vor, wie auf eine neue Krise zu reagieren sei. Rund ein Jahr später werden zahlreiche der...

DWN
Deutschland
Deutschland Aktuelle Studie: Große Mehrheit der Deutschen erwartet sinkenden Lebensstandard

Einer aktuellen Forsa-Umfrage zum Start des Forum New Economy in Berlin zufolge befürchtet eine deutliche Mehrheit der Deutschen, sozial...

DWN
Finanzen
Finanzen Lagarde öffnet einer höheren Inflation die Tür - auf Sparer kommen schwere Zeiten zu

Die Europäische Zentralbank folgt der Federal Reserve und kündigt eine Tolerierung höherer Inflationswerte an. Da die Geldentwertung...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volkswagen: US-Aufpassern wird der rote Teppich ausgerollt, deutsche Prüfer werden ausgesperrt

Während ein vom US-Justizministerium eingesetzter Sonderkontrolleur in Wolfsburg mit seinem Team alles durchleuchtet, was er möchte,...

DWN
Politik
Politik US-Wahlkampf: Erstes TV-Duell zwischen Trump und Biden verläuft chaotisch, Märkte werden nervös

Der US-Präsident fällt seinem Herausforderer ständig ins Wort, Biden wiederum bezeichnet den Amtsinhaber als „Clown“, "Putins...

DWN
Politik
Politik Berlins rot-rot-grüne Sprachpolizei: Beamte sollen künftig „gendergerecht“ sprechen

Statt sich auf die drängenden Probleme der Hauptstadt wie das BER-Desaster oder die Wirtschaftskrise zu fokussieren, stellt Berlins linke...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Glasindustrie kommt in der Krise mit blauem Auge davon, Corona-Produkt könnte Umsätze sogar explodieren lassen

Die Glashersteller verzeichneten zwar bis Ende Juni insgesamt Umsatzeinbußen, doch fallen die Rückgänge einigermaßen moderat aus. Die...

DWN
Marktbericht
Marktbericht Gewinnmitnahmen drücken Aktienmärkte ins Minus - heute Tag der Arbeitsmarkt-Daten

Nach dem kleinen Kursfeuerwerk, das es noch zum Wochenstart gegeben hat, haben sich die deutschen Handelsplätze nun wieder beruhigt. Der...

DWN
Politik
Politik Merkel lobt Demonstranten in Weißrussland in höchsten Tönen

Kanzlerin Merkel hat die oppositionellen Demonstranten in Weißrussland, die gegen die Regierung auf die Straßen gehen, gelobt. Eine...

DWN
Deutschland
Deutschland „Aale Dieter“ boykottiert Corona-Wahnsinn auf dem Hamburger Fischmarkt

Wegen des Coronavirus wird der Hamburger Fischmarkt bis zur Unkenntlichkeit verändert. Ein Urgestein boykottiert nun das Schauspiel.

DWN
Finanzen
Finanzen Insider: Neuer Richtungsstreit an der Spitze der EZB ausgebrochen

Im Führungsgremium der Europäischen Zentralbank sollen namentlich nicht bekannten Insidern zufolge neue Grabenkämpfe ausgebrochen sein.

DWN
Politik
Politik Demos in Weißrussland: Für die EU spielen Corona-Regeln plötzlich keine Rolle mehr

Die EU und Kanzlerin Merkel machen keinen Hehl aus ihrer Unterstützung für die Demos in Weißrussland. Doch die Massendemos verlaufen...

DWN
Politik
Politik „The Great Decline“: Es gibt Anzeichen für das Ende der USA als Weltmacht

Der frühere Bürochef von US-Außenminister Colin Powell sieht in der Militär-Struktur der USA Anzeichen dafür, dass das Land als...

DWN
Politik
Politik EU beginnt mit Entwicklung von Kampf-Drohnen – ohne die USA

Deutschland, Frankreich und zwei weitere EU-Staaten werden im aktuellen Jahr mit der Entwicklung von europäischen Kampf-Drohnen beginnen,...

celtra_fin_Interscroller