Finanzen
Massive Kritik an EZB-Geldpolitik

Sparkassen: „Altersvorsorge von Millionen schmilzt wie Schnee in der Sonne“

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband übt scharfe Kritik an der ultraexpansiven Geldpolitik der EZB. Diese habe das Finanzsystem kurzfristig stabilisiert – langfristig drohen weiten Bevölkerungsschichten jedoch Armut.
15.08.2019 09:51
Lesezeit: 1 min

Die deutschen Sparkassen haben abermals scharfe Kritik an der Geldpolitik von EZB-Chef Mario Draghi geübt. Er habe zwar "viel Respekt vor Ihrer schwierigen Aufgabe, den Euro stabil und Europa zusammenzuhalten", schrieb der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Helmut Schleweis, am Donnerstag in einem in der "Bild"-Zeitung veröffentlichten offenen Brieg an Draghi. "Was Sie aber machen ist falsch. Seit Jahren werfen Sie immer mehr Geld auf den Markt. Sie haben den Zins abgeschafft. Und Sie haben in unvorstellbaren Größenordnungen hoch verschuldeten Staaten Geld geliehen."

Damit ändere Draghi, so Schleweis, "schrittweise Europa, Deutschland und das Leben von Millionen Menschen – nicht zum Guten, sondern langfristig zum Schlechten." Die jahrelange Politik der ultraniedrigen Zinsen stelle die Regeln der Wirtschaft auf den Kopf. "Wer kann, flüchtet mit seinem Geld in Immobilien. Deren Preise und Mieten steigen. Die Altersvorsorge für Millionen Menschen schmilzt wie Schnee in der Sonne. Sozialversicherungen, Pensionskassen und Stiftungen verlieren jeden Tag viel Geld und damit Leistungsfähigkeit."

Die Nullzinspolitik der EZB verschärft damit eine bereits bestehende Entwicklung. Beobachter erwarten aufgrund der demografischen Schieflage ohnehin, dass es zu einer Welle der Altersarmut in Deutschland kommen dürfte.

Draghi wird den Chefposten bei der Europäischen Zentralbank Ende Oktober nach acht Jahren turnusmäßig verlassen. Für September wird eine abermalige Lockerung der Geldpolitik durch die Währungshüter erwartet. Designierte Nachfolgerin des Italieners ist die Französin Christine Lagarde, die bisherige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Ökonomen gehen davon aus, dass sie die Geldpolitik ihres Vorgängers fortsetzen dürfte.

 

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg eskaliert weiter
10.03.2026

Die Angriffe im Iran eskalieren weiter, während Trump ein baldiges Kriegsende signalisiert. Gleichzeitig spitzt sich die Lage für die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Boom der Abnehmmedikamente: Trend verstärkt soziale Ungleichheit in der Gesundheitsbranche
10.03.2026

Abnehmmedikamente wie Ozempic verändern die Behandlung von Adipositas und verschärfen zugleich die Debatte über soziale Ungleichheit im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Die Elektroauto-Euphorie ist vorbei: Jetzt kommt die Rechnung
10.03.2026

Abschreibungen in Höhe von rund 50 Milliarden Euro, gestoppte Projekte und eine strategische Kehrtwende zurück zum Verbrennungsmotor: Die...

DWN
Technologie
Technologie Von der Leyen kündigt Strategie für Kernenergie-Ausbau an
10.03.2026

Europa will bei der Kernenergie aufholen: Eine neue Strategie für kleine Reaktoren soll Innovationen vorantreiben und die Stromversorgung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spannungen im Persischen Golf: Wie der Iran-Krieg die Energiemärkte belastet
10.03.2026

Der Iran-Krieg erhöht den Druck auf Energiepreise, Finanzmärkte und globale Kapitalströme. Welche Märkte, Branchen und Regionen sind...

DWN
Finanzen
Finanzen Biontech-Aktie: Gründer Sahin und Türeci verlassen Konzern, Aktie stürzt ab
10.03.2026

Die Gründer von Biontech treten ab und starten ein neues Biotech-Unternehmen. Für die Biontech-Aktie beginnt eine neue Phase, geprägt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kreditvergabe: Banken werden strenger – wie Unternehmen dennoch an Geld kommen
10.03.2026

Banken verschärfen derzeit die Kreditvergabe – und ausgerechnet innovative Unternehmen geraten dabei nicht selten ungewollt ins...

DWN
Panorama
Panorama Evakuierungsflüge: Vollkasko oder staatliche Pflicht?
10.03.2026

Nach dem US-israelischen Angriff auf Iran sitzen tausende Urlauber in der Krisenregion Nahost fest. Nicht wenige hoffen auf staatliche...