Deutschland

Geheimdienste schlafen: Drogensüchtiger stürmt Merkel-Flugzeug

Lesezeit: 3 min
28.07.2013 20:15
Der moderne Überwachungsstaat kann in jeder Email lesen, ob Franz morgen Bratwürstchen essen wird. Der aufgeblasene Sicherheitsapparat kann jedoch offenbar nicht verhindern, dass ein kaum zurechnungsfähiger Drogensüchtiger eine Regierungsmaschine kapert und sich stundenlang darin verschanzt – wie am Donnerstag in Köln geschehen. Die Behörden sind entsetzt.
Geheimdienste schlafen: Drogensüchtiger stürmt Merkel-Flugzeug

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Am Donnerstagsabend hat es ein offenbar unter Drogeneinfluss stehender Mann geschafft, bis in einen Flieger der Bundesregierung vorzudringen. Wie der 24-Jährige den Airbus 319 CJ, der auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln/Bonn stand, erklimmen konnte, ist völlig unklar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Bundeswehr tappt im Dunklen. Die Geheimdienste haben Hitze-Ferien.

Eigentlich ist der militärische Teil des Flughafens Köln/Bonn ein hoch gesicherter Bereich. Nur Personen, die bei der Bundeswehr in diesem Areal arbeiten, oder sonstige Befugte mit speziellen Ausweisen haben hier Zugang. Dennoch gelangte gegen 22 Uhr am vergangenen Donnerstagabend ein junger Mann bis ins Cockpit eines Fliegers der Bundesregierung. Dieser Jet wird auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel genutzt.

Wie es der Eindringling auf das Areal in Porz-Wahn schaffte, ist bisher nicht bekannt. Weder die Bundeswehr noch Bundes- und Landespolizei haben derzeit eine Erklärung. Der Mann soll unter Drogen gestanden haben. Zu dem Zeitpunkt des Vorfalls soll auf dem Flughafen eine Hochzeit stattgefunden haben. Bei dieser soll sich der Mann eingeschlichen haben.

Silvio Schmidt, Sprecher der Luftwaffe Köln, konnten auf Anfrage der Deutschen Wirtschafts Nachrichten nicht bestätigen, dass es sich tatsächlich um einen Deutsch-Türken handle. Dies hatte die Bild-Zeitung gemeldet und dem Mann den Namen Volkan gegeben.

Der Fall liege jetzt bei der Staatsanwaltschaft, die Bundeswehr kooperiere mit den Behörden. Nach Abschluss der Ermittlungen werde jedoch auch die Bundeswehr den Fall intern aufarbeiten. Sollte es tatsächlich Versäumnisse bei den Wachen gegeben haben, werde die Bundeswehr reagieren. Die so genannten internen Disziplinarmaßnahmen, so Schmidt, könnten „vom Verweis bis zur Entlassung“ reichen.

Auf dem Gelände in Köln/Bonn befindet sich die Flugbereitschaft des Bundesverteidigungsministeriums. Tag und Nacht stehen hier sechs Flugzeuge für Regierungsmitglieder zur Verfügung.

Im Schutze der Dunkelheit, so die Kölnische Rundschau, soll der Mann, der vermutlich unter Drogeneinfluss stand, zunächst um den Airbus herum gegangen sein und sich dann ins Innere begeben haben. Danach hätte er sich regelrecht im Cockpit „verschanzt“ und sich auf Aufforderung der Beamten von Bundes- und Landespolizei geweigert, dieses zu verlassen. Bei seinem Versuch, den Flieger zu starten, soll er versehentlich den Knopf für das Alarmsignal in Notfällen (ELT) gedrückt haben. Nachdem die Tür von den Einsatzkräften geöffnet wurde, sei der Mann schließlich in Polizeigewahrsam genommen worden.

Das betroffene Flugzeug, das zum Zeitpunkt der Kaperung nicht an der Stromversorgung angeschlossen war, wurde von der Kölner Polizei zur Spurensicherung beschlagnahmt. Die internen Untersuchungen laufen. Gegen den 24-Jährigen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Ihm wird gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung vorgeworfen. Wie es an diesem Sonntag heißt, sei er vorläufig in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht worden.

Derzeit wird  von einer verminderten Schuldfähigkeit des Mannes ausgegangen. Klar sei jedoch, so die Staatsanwaltschaft in der Kölnischen Rundschau, dass sich der Eindringling offenbar mit Flugzeugen ausgekannt habe. Ein Indiz dafür sei, dass er das Cockpit erklommen und „zwischen Schaltern und Hebeln ausgerechnet den Alarmknopf“ gefunden habe.

Der Vorfall zeigt, wie hilflos der Überwachungssaat gegen wirkliche Bedrohungen ist.

Zwar wird für jede Verletzung der Bürgerrechte die Terror-Abwehr als Totschlag-Argument ins Treffen geführt. Doch gegen wirkliche Bedrohungen scheint der auf die totale Kontrolle ausgerichtete Staat hilflos wie eine Kindertagesstätte.

Die Schlapphüte vor den Computer-Bildschirmen sind offenbar durch die Datenfülle so abgelenkt, dass sie mit den einfachsten archaischen Mitteln auszutricksen sind.

Statt Steuergelder in die Überwachungen von Emails oder Telefondaten zu stecken sollten sich die Politiker lieber dazu entschließen, ein paar Mann mehr als Wache zu den Flughäfen abzukommandieren. Der BND sollte zur Kenntnis nehmen, dass die Welt weniger kompliziert ist, als sich der BND das gerne so zusammenreimen möchte.

Dies bedeutet, dass zum Schutz der Politiker und staatlicher Einrichtungen nicht aufgeblähte Apparate, sondern die vorschriftsmäßige Verwendung des Hausverstands die wirkungsvolle Terror-Abwehr am ehesten garantiert.

Denn es kann ja eigentlich nicht sein, dass es im 21. Jahrhundert einem offenbar unter Drogen nur bedingt Zurechnungsfähigen mühelos gelingt, an die Flugzeuge der Regierung zu gelangen.

Wenn das so einfach ist, kann auch jeder potentielle Gewalttäter an die Maschinen gelangen und gegebenenfalls die Technik manipulieren.

Alternativ empfiehlt sich die Abschaffung der ganzen Regierungs-Airline. Bahnreisen und Linienflüge sind die sicherste Form der Fortbewegung für Politiker und stellen die geringste Belastung für die Steuerzahler dar.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



DWN
Finanzen
Finanzen Es wird knallen: In der Euro-Zone erhebt sich ein großer Berg aus faulen Krediten

In der Euro-Zone werden zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen aufgrund der Corona-Krise untergehen. Das Problem ist nur, dass...

DWN
Politik
Politik Corona-Lockdown: Wie aus einer angeblichen „Fake News“ bittere Realität wurde

Am 14. März 2020 teilte das Bundesgesundheitsministerium mit: „! Achtung Fake News ! Es wird behauptet und rasch verbreitet, das...

DWN
Deutschland
Deutschland Wirtschaftsweise: Gefahr von Insolvenzen mit Dominoeffekten ist groß

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm sieht die Pläne der Bundesregierung kritisch, die Insolvenzmeldepflichten für coronageplagte Betriebe...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Nicht normal: Am Tag des „Sturms auf das Kapitol“ gab es Kursgewinne an den US-Börsen

Wenn von einem „Sturm auf das Parlament“, einem „Sturm auf das Kapitol“ oder einem „Putschversuch“ die Rede ist, krachen die...

DWN
Finanzen
Finanzen „Jeder vierte Selbstständige von Berufsunfähigkeit betroffen“

Selbstständige müssen noch mehr als Angestellte eine Berufsunfähigkeit fürchten, da sie in der Regel wenig Anspruch auf staatliche...

DWN
Politik
Politik Ursprung des Corona-Virus: China zeigt mit dem Finger auf „Fort Detrick“ in den USA

Das chinesische Außenministerium fordert, dass das US-Biolabor „Fort Detrick“ geöffnet wird, um den Ursprung des Corona-Virus...

DWN
Technologie
Technologie Durchbruch: Uni Bayreuth entwickelt neue Theorie zur Entstehung des Sonnensystems

Forscher der Uni Bayreuth haben gemeinsamen mit Forschern der University of Oxford, der LMU München, der ETH und der Universität Zürich...

DWN
Politik
Politik Ost-Ukraine: Kriegsparteien werfen sich gegenseitig Bruch der Waffenruhe vor

Im Osten der Ukraine kommt es zum Bruch des Waffenstillstands. Die Ukraine und pro-russische Kräfte werfen sich gegenseitig vor, den...

DWN
Politik
Politik Russischer Sicherheitsdienst FSB verhindert Anschlag auf Polizeibeamte

Der russische Bundessicherheitsdienst (FSB) hat einen Terroranschlag auf Polizeibeamte vereitelt und einen russischen Staatsbürger...

DWN
Politik
Politik Handlanger fremder Interessen: Die Wissenschaften auf Irrwegen

Nicht nur die Geisteswissenschaften, sondern längst auch die Naturwissenschaften bringen der Menschheit keine Fortschritte mehr, sondern...

DWN
Technologie
Technologie Wissenschaftler von Elite-Uni warnen vor Lockdown: Massive Folgeschäden wahrscheinlich - doch Studie wird ignoriert

Eine Gruppe von Professoren einer der weltbesten Universitäten kommt in einer am 5. Januar dieses Jahres veröffentlichten Studie zu dem...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Großkonzerne profitieren von Corona-Krise, während der Mittelstand ausblutet

Während der Mittelstand in Deutschland vor dem Aus steht, haben Großkonzerne während der Corona-Krise sogar profitiert.

DWN
Deutschland
Deutschland Chaos am BER: Angestellte bekommen seit Wochen Stromschläge

Drei Monate nach der Eröffnung des Chaos-Flughafens wird von sonderbaren Defekten berichtet.

DWN
Politik
Politik Jetzt geht's wieder los: Syrien-Krieg nimmt an Fahrt auf

In Syrien kommt es erneut zu beunruhigenden Entwicklungen. Die Terror-Milizen IS und HTS sind wieder zurück. Die Lage in Idlib steht vor...