Finanzen

Europas Banken-Chefs fordern von EZB Abkehr von Negativzinsen

Die Chefs von Europas Banken haben die EZB eindringlich vor der erwarteten Absenkung des Leitzinses in den negativen Bereich gewarnt.
06.09.2019 08:12
Aktualisiert: 06.09.2019 09:14
Lesezeit: 2 min
Europas Banken-Chefs fordern von EZB Abkehr von Negativzinsen
Laut UBS-Chef Sergio Ermotti sind negative Zinsen unter anderem eine Gefahr für die Pensionskassen. (Foto: dpa) Foto: Georgios Kefalas

Sergio Ermotti, Chef der Schweizer Großbank UBS, hat die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank scharf kritisiert. Denn Insidern zufolge wird die EZB bei ihrem Treffen am 12. September ein Maßnahmenbündel beschließen, darunter wahrscheinlich eine weitere Absenkung des Einlagensatzes in den negativen Bereich sowie nicht näher spezifizierte Erleichterungen für Banken. Auch neue Anleihenkäufe stehen offenbar zur Diskussion.

"Die negativen Zinsen führen zu einer absurden Situation für Banken, in der sie die Einlagen von Kunden gar nicht mehr haben wollen", sagte Ermotti am Mittwoch beim Bankengipfel des Handelsblatts in Frankfurt. Kürzlich hat die UBS wie andere Banken auch angekündigt, von ihren Kunden mit Kontoständen von mehr als zwei Millionen Franken künftig eine "Gebühr auf Barbestände", also Strafzinsen für Bankeinlagen, zu erheben.

Wie sein Vorredner, Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, demzufolge Negativzinsen die "Spaltung der Gesellschaft" vorantreiben und das "Finanzsystem ruinieren", warnte auch Ermotti vor den sozialen Folgen negativer Zinsen. Früher habe man sich von den Zinsen einen Urlaub leisten können, wenn man 50.000 oder 100.000 Euro auf dem Konto gespart hatte. "Heute geht das nicht mehr", so der UBS-Chef.

Zudem würden die niedrigen Zinsen zu einer Gefahr für die Pensionskassen. Diese sind gesetzlich verpflichtet, erhebliche Teile ihrer Anlagen in Form von Staatsanleihen zu halten. Doch wenn die Renditen negativ werden, wie es derzeit für deutsche Bundesanleihen aller Laufzeiten der Fall ist, machen die Pensionskassen mit diesen Anlagen irgendwann garantierte Verlusten.

Sergio Ermotti sagt, dass die Geldpolitik kein Ersatz für strukturelle und fiskalpolitische Reformen sein dürfe. "Wenn die Menschen glauben, dass sie Probleme lösen können, indem sie Geld in das Finanzsystem pumpen, dann wird die künftige Generation dafür einen hohen Preis zahlen", zitiert ihn das Handelsblatt.

Auch von Commerzbank-Chef Martin Zielke kam Kritik: "Ich halte das auch für keine nachhaltige, verantwortungsvolle Politik." Der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, Larry Fink, blies ins selbe Horn: "Die negativen Zinsen schaden der großen Mehrheit der Verbraucher, weil sie ihr Geld auf Bankkonten liegen haben."

Yngve Slyngstad, der CEO von Norwegens Staatlichem Pensionsfonds, dem größten Staatsfonds der Welt mit einem verwalteten Vermögen von über 1 Billion Dollar, sagte laut einem Bericht von Bloomberg, dass negative Zinsen derzeit die Hauptsorge seines Fonds seien.

Trotz der Warnungen aus der Finanzbranche spricht sich die künftige EZB-Chefin Christine Lagarde für eine Fortsetzung der Zinspolitik von Notenbankchef Mario Draghi aus, dessen Amtszeit im November nach acht Jahren enden wird. "Die Wirtschaft in der Eurozone ist auf kurze Sicht mit einigen Risiken konfrontiert", sagte sie am Mittwoch im Wirtschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments. Die Inflation im Währungsraum sei anhaltend zu niedrig und liege unter der Zielmarke. Sie stimme daher mit der EZB überein, "dass eine hochgradig konjunkturstützende Geldpolitik für eine längere Zeit gerechtfertigt ist." Die Französin ließ offen, ob sie zur Stützung der Wirtschaft auch zu drastischen geldpolitischen Mitteln bereit ist.

Die EZB hält ihren Leitzins bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0 Prozent. Banken müssen zudem seit 2014 Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der Notenbank über Nacht überschüssige Liquidität parken. Der sogenannte Einlagensatz liegt aktuell bei minus 0,4 Prozent.

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