Finanzen

Liquiditätskrise: Federal Reserve kündigt dritte Kapital-Injektion innerhalb weniger Tage an

Am Donnerstag wird die US-Zentralbank den Banken erneut bis zu 75 Milliarden Dollar an Liquidität zur Verfügung stellen.
19.09.2019 10:16
Aktualisiert: 19.09.2019 10:20
Lesezeit: 1 min
Liquiditätskrise: Federal Reserve kündigt dritte Kapital-Injektion innerhalb weniger Tage an
Jerome Powell, Vorsitzender der US-Notenbank Fed, am Mittwochabend in Washington bei einer Pressekonferenz. (Foto: dpa) Foto: Patrick Semansky

Die US-Notenbank hat angekündigt, dass sie den Banken am Donnerstag weitere Liquidität zur Verfügung stellen wird. Bereits am Dienstag und Mittwoch hatte die Federal Reserve über sogenannte Overnight-Repo-Geschäfte Milliarden in den Geldmarkt gepumpt. Dabei leihen sich Banken für kurze Zeit Geld von der Zentralbank, wobei sie Staatsanleihen und andere Wertpapiere als Sicherheiten hinterlegen müssen.

Doch die ersten derartigen Injektionen in den Geldmarkt seit der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren waren mit 53 Milliarden Dollar am Dienstag und 75 Milliarden Dollar am Mittwoch nicht ausreichend, um die Liquiditätskrise in den Griff zu bekommen.

Am Mittwoch landete der Effektivzinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen, zum ersten Mal seit zehn Jahren bei 2,30 Prozent und somit 5 Basispunkte oberhalb der oberen Schranke des Fed-Zielbandes von 2 bis 2,25 Prozent. Vorübergehend verlangten die Banken in den letzten Tagen aufgrund fehlender Liquidität voneinander sogar bis zu 10 Prozent und somit ein Vielfaches der von der Fed festgelegten Leitzinsen.

Zudem senkte die Federal Reserve das Zielband für den Leitzins am Mittwochabend um 25 Basispunkte auf 1,75 bis 2 Prozent. Zuletzt hatte sie die Zinsen bereits Ende Juli gesenkt.

Um den Effektivzinssatz wieder in das von ihr vorgegebene Zielband zu bringen, hat die Fed für Donnerstag 8:15 Uhr bis 8:30 Uhr New Yorker Zeit ein drittes Overnight-Repo-Geschäft in Folge angekündigt. Die Geldspritze wird erneut einen Umfang von bis zu 75 Milliarden Dollar haben und soll "dazu beizutragen, den Leitzins (federal funds rate) innerhalb des Zielbandes von 1,75 bis 2 Prozent zu halten".

Investoren werden am Donnerstag darauf achten, ob das Liquiditätsangebot der Fed erneut überzeichnet ist, wie es am Mittwoch der Fall war, als mehr als 5 Milliarden Dollar an Geboten der Banken nicht die angestrebte Liquidität erhielten.

Wenn die Fed die Zinsen mithilfe von Overnight-Repo-Geschäften nicht in den Griff bekommt, wird sie voraussichtlich eine vierte Serie von Wertpapierkäufen starten (QE4), wie Fed-Chef Jerome Powell am Mittwoch andeutete. Die Europäische Zentralbank ist hier schon einen Schritt weiter. Sie hat letzte Woche gegen starken internen Widerstand entschieden, ihre Anleihenkäufe wiederaufzunehmen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen 800 Milliarden Dollar für KI: Was passiert mit der Börse, wenn das größte Technologierennen langsamer wird?
04.10.2026

Die größten US-Techkonzerne investieren in diesem Jahr fast 800 Milliarden Dollar, vor allem in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur...

DWN
Politik
Politik „Auf dünnem Eis“: Weltenergie-Chef warnt, drei neue Schocks könnten Europas Preise in die Höhe treiben
04.10.2026

Europa könnte vor einem schwierigen Winter stehen. Nach Einschätzung von IEA-Chef Fatih Birol laufen gleich drei Faktoren aus, die die...

DWN
Panorama
Panorama Sie bezahlte ein Croissant mit Karte und tippte ihre PIN ins Trinkgeldfeld
04.10.2026

Ein gewöhnlicher Einkauf in einer Bäckerei am Bahnhof von Winterthur endete für eine Seniorin mit einer Abbuchung von rund 1.707 Euro....

DWN
Politik
Politik Bundesregierung sucht Erfolgsgeschichten: Klingbeils schwierige Mission
04.10.2026

Lars Klingbeil will zeigen, dass die milliardenschweren Investitionen der Bundesregierung inzwischen auf Baustellen oder in der Forschung...

DWN
Panorama
Panorama In Polen wächst die Zahl der Ultrareichen weltweit am schnellsten. Wie lässt sich dieses Phänomen erklären?
04.10.2026

In keinem anderen untersuchten Land ist die Zahl der Ultrareichen zuletzt so stark gestiegen wie in Polen. Dahinter stehen ein stärkerer...

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO: Geleakter Prospekt enthüllt die Milliardenrisiken hinter Claude
03.10.2026

Anthropic gilt als einer der heißesten Kandidaten für den nächsten großen KI-Börsengang. Doch ein geleakter Prospekt zeigt, welchen...

DWN
Panorama
Panorama Notstromversorgung: Warum ein Generator im Ernstfall nicht reicht
03.10.2026

Ein Stromausfall von wenigen Minuten ist lästig. Dauert er mehrere Tage, kann er für Unternehmen existenzbedrohend werden. Erfahrungen...

DWN
Immobilien
Immobilien Hitzeschutz: So bewahren Sie auch ohne Klimaanlage einen kühlen Kopf 
03.10.2026

Deutschland hat einen der heißesten Sommer hinter sich - und es wird nicht der letzte gewesen sein. Um sich in Gegenwart und Zukunft gegen...