Politik

Immer mehr Sprengstoff-Anschläge: Schwedischer Staat hat organisierter Kriminalität nichts entgegenzusetzen

Schwedens Regierung hat die Kontrolle über die innere Sicherheit verloren. Bombenanschläge und Tötungen auf offener Straße gehören inzwischen zum Alltagsbild. Urheber der Gewalt sollen Banden sein, deren Mitglieder Migrationshintergründe aufweisen. Der schwedische Premier meint: "Man sollte zur Arbeit gehen und seinen Teil zur Gesellschaft beitragen."
20.09.2019 11:58
Aktualisiert: 20.09.2019 12:04
Lesezeit: 2 min

Seit einigen Jahren ereignen sich in schwedischen Großstädten zunehmend Auseinandersetzungen zwischen Banden, bei denen neben Schusswaffen auch Sprengstoff zum Einsatz kommt. So soll zwischen Januar und Juli 2019 die Zahl der Vorfälle von Explosionen und Bombenanschlägen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45 Prozent gestiegen sein. Dazu liegen verschiedene Angaben vor. Den Angaben der Behörden zufolge gab es in Schweden 120 Explosionsereignisse, während im Jahr 2018 nur 83 Explosionen zu verzeichnen waren. Die Zeitung Dagens Nyheter berichtet, dass im Jahr 2018 157 Explosionen stattfanden. Der Verbrechensverhütungsrat BRÅ meldete im vergangenen Jahr 108 Fälle von Zerstörung durch Explosion. Die Zahlen sind unterschiedlich, aber alle sind sich einig, dass die Bombenanschläge im Jahr 2019 in Schweden deutlich zugenommen haben.

Nach Angaben der Polizei hat sich zudem die Art der Explosionen in den letzten Jahren verändert. Früher waren Handgranaten üblich, heute ist Dynamit, das von Baustellen gestohlen wird, zur Norm geworden. Die Explosionen hängen offenbar direkt mit der organisierten Kriminalität zusammen. Die südschwedische Stadt Malmö war in den letzten Jahren mit einer hohen Anzahl von Explosionsfällen konfrontiert. Im Jahr 2017 waren es 58, im vergangenen Jahr 45 und in diesem Jahr bislang 23 Fälle. Bemerkenswert ist, dass die Stadt Anfang dieses Jahres innerhalb von nur 24 Stunden drei Explosionen verzeichnete.

Ende August 2019 äußerte sich der schwedische Premier Stefan Löfven über die Zunahme von Gewalt und Attacken mit Sprengstoff. “Es ist klar, dass Schießereien und Bombenangriffe eines unserer wirklich großen gesellschaftlichen Probleme sind. Die Gleichgültigkeit gegenüber dem menschlichen Leben und eine Rücksichtslosigkeit, die absolut schrecklich ist, treffen uns. Wir sind entschlossen, diese Banden zurückzudrängen und zu stoppen. Schweden sollte in Sicherheit sein. Wir befinden uns in einer Situation, in der Banden ein großes Problem in der Gesellschaft darstellen”, zitiert die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua Löfven.

Eine Woche vor den Äußerungen Löfvens wurden in Schweden zwei Frauen auf offener Straße erschossen. Die Opfer waren eine 18-Jährige aus Stockholm und eine 31-Jährige aus Malmö. Letztere wurde erschossen, als sie ein Säugling in den Armen hielt. Zwischen Januar und Juli 2019 wurden in Schweden 25 Menschen erschossen oder sind bei Bombenanschlägen ums Leben gekommen. Seit Seit Anfang August sind drei weitere Menschen an den Folgen von Waffengewalt gestorben, berichtet der schwedische Fernsehsender SVT.

Nach Ansicht von Löfven wird die zunehmende Kriminalität der Banden durch ineffektive Integration, Menschen, die nicht zur Schule und zur Arbeit gehen, sowie durch den Verkauf von Drogen auf dem Schwarzmarkt, die die Taschen der Banden füllen, angeheizt.

Löfven wörtlich: “Wenn Menschen nicht arbeiten, ist dies sowohl für diese Person als auch für die Gesellschaft schädlich. Jobs, Jobs, Jobs (...) Man sollte zur Arbeit gehen und seinen Teil zur Gesellschaft beitragen. Und das gleiche gilt für Schulen. Wie stellen wir sicher, dass Jungen nicht den kriminellen Weg wählen? Erstens sollten sie sehen, dass ihre Eltern zur Arbeit gehen. Es gibt zu wenige Menschen in diesen Bereichen, die arbeiten. Jeder, der heute Abend über Partydrogen nachdenkt, sollte wissen, dass sie diese Banden finanzieren. Oder wenn Sie ein Produkt kaufen, das so billig ist, dass Sie vermuten, dass etwas nicht stimmt - tun Sie es nicht, das kommt diesen kriminellen Banden zugute.”

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