Politik

Die gefährliche Rückkehr der Psychose in die deutsche Politik

Die jahrzehntelang bestehende Phase der Verdrängung unliebsamer Wahrheiten in der deutschen Politik nähert sich ihrem Ende. Abgelöst wird diese durch ein viel gefährlicheres Phänomen – der Rückkehr der Massenpsychose – zu beobachten etwa beim Thema Klimawandel. Ein Kommentar von Hans-Joachim Dübel.
16.10.2019 07:00
Lesezeit: 4 min

Die Phase kognitiver Dissonanz

In den 90er Jahren sprachen wir in der Denkfabrik, in der ich damals angestellt war, viel von Realitätsverweigerung der deutschen Politik.

Damals gab es in Bundestag und Bundesregierung ein Spannungsverhältnis zwischen unterschwelliger Zurkenntnisnahme von Daten und tatsächlichem Handeln. Wir Ökonomen schrieben laufend empirische Studien und entwarfen Handlungsempfehlungen. Die Politik ignorierte sie beharrlich. Ein solches Verhalten setzte immerhin voraus, dass man sich dort irgendwie mit Daten und Schlussfolgerungen auseinandersetzte, sie aber nicht rational wahrnahm und in Aktion umsetzte.

Ein gutes Beispiel ist die schon damals klar ersichtliche demographische Krise. Die erwarteten Kinder der westdeutschen Babyboomer waren bis Mitte der 90er Jahre nicht in ausreichender Zahl geboren worden, ein Datenpunkt, der nach einer Politik der kontrollierten Zuwanderung verlangte. Das dafür notwendige Zuwanderungsgesetz wurde jahrzehntelang blockiert, mit dem bekannten Ergebnis: anstatt kontrolliert über Jahre Fachkräfte anzuwerben, kommen heute in Schüben massenhaft Ungelernte, die das Sozialsystem und damit das politische System sprengen.

Oder nehmen wir die aus der demographischen Krise folgende Pensionskrise, zu der alles vorhergesagt wurde, unter anderem, dass sich die Bevölkerung am Realkapital der Wirtschaft beteiligen musste, um ausreichend geschützt zu sein, z.B. vor Mieterhöhungen und um am Produktivitätswachstum ausreichend teilzunehmen. Mieter und Sparer bei Banken waren schon damals vorhersehbar die Verlierer und Wohneigentümer und Aktionäre die Gewinner. Trotzdem wurde die Bevölkerung von der Politik über Jahrzehnte systematisch aus Wohneigentum und Aktienbesitz ferngehalten. Dieses Kapital wird heute in hohem Umfang von ausländischen Investoren gehalten und die politischen Repräsentanten der Verlierer schimpfen über Deutsche Wohnen und die europäische Zentralbank.

Es war Ludwig Erhard, der sagte, dass Wirtschaft zu 50% aus Psychologie besteht. So hoch ist das Verhältnis wenigstens auch in der Politik, wenn nicht höher. Die Psychologie nennt das beschriebene Spannungsverhältnis zwischen einfliessenden Daten und Wahrnehmung bzw. Umsetzung kognitive Dissonanz. Kognitive Dissonanz führt zu vermeidbaren Verlusten, ihre Ergebnisse sind aber immerhin korrigierbar.

Die Rückkehr der Psychose

Beim Thema Klimawandel muss man dagegen angesichts der offiziell von weiten Teilen der Politik und angeschlossenen Medien verbreiteten Phantasien zum Weltuntergang von Psychosen, dh. Realitätsverlust und Wahnvorstellungen, reden. Gesammelte Einzelpsychosen der politischen Akteure und gezielte Propaganda erzeugen in der Bevölkerung, und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, eine Massenpsychose.

Als Beispiel sei ein Blick auf die Verzweiflung und Aggression sprühende 16-jährige Greta Thunberg vor der UN empfohlen. Am besten sollte man erst einmal nur die Bilder ansehen und den Ton ausstellen, und dann umgekehrt vorgehen. Der Auftritt ist erschreckend. Eine ganze Generation droht mit der schwedischen Jugendlichen abzudriften.

In einer Psychose werden Daten und gegenteilige Analysen, die die Realität erklären, nicht mehr nur temporär ins Unterbewusste weggedrückt, wie in der kognitiven Dissonanz, sondern aggressiv für ungültig erklärt, bis hin zur Kriminalisierung: als Beispiel Thunberg’s aggressive Anklage ‚How dare you‘. Der formale Denkablauf, der eine Überprüfung von Denkvorstellungen an der Realität fordert, wird ausser Kraft gesetzt. Auf die Massenpsychologie übertragen wird die Bevölkerung in einem konstanten medialen Trommelfeuer zur bedingungslosen Akzeptanz einer alternativen Realität aufgefordert.

Man muss in diesem Zusammenhang auf die besondere Anfälligkeit Deutschlands hinweisen. Die Nationalsozialisten hatten für die alternativen Realitäten ihrer Ideologie den Kant’schen Begriff Weltanschauung missbraucht. Ihre ‚Weltanschauung‘ resultierte aus von durch Propaganda erzeugten Zwangsvorstellungen bei denen der Weltuntergang als Szenario eine wichtige Rolle spielte. Neben der dauerhaften Unterjochung durch das ‚Finanzjudentum‘ wurde als Ergebnis der falschen Darstellung der Ereignisse und Ergebnisse des russischen Bürgerkriegs von 1917 bis 1922 vor allem die Gefahr einer Übernahme Europas durch den ‚Bolschewismus‘ zum Untergangsszenario hoch propagandisiert.

Die daraus resultierende Psychose motivierte nicht nur den bisher brutalsten Krieg der Weltgeschichte, sie gipfelte 1945 in der grössten Massenflucht einer Zivilbevölkerung aller Zeiten, einschliesslich Massenselbstmorden (z.B. Demmin). Sie wirkt bis heute nach, wie das Mitlaufen weiter Teile von Politik und Medien in der aktuellen Konfrontation der USA mit Russland seit 2014 zeigt.

Was wir heute in Deutschland in Sachen Klimawandel sehen, muss von der massenpsychologischen Dynamik her ähnlich beurteilt werden. Kritische Auseinandersetzung mit Daten und wissenschaftlichen Argumenten spielen schon lange keine Rolle mehr. Dabei wäre sie dringend geboten, zum Beispiel mit den politisierten veröffentlichten Zusammenfassungen der Berichte des Weltklimarats IPCC, die regelmässig dessen Inhalten widersprechen, oder mit vielen veröffentlichten Klimazeitreihen, bei denen die Anfangszeitpunkte willkürlich gewählt werden, um die Entwicklung zu dramatisieren. Der Zweck – hier in Deutschland die Rettung der durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz geschaffenen Industrie vor Entlassungen und Bankrott - heiligt offenbar inzwischen auch das Mittel des Einsatzes von Kindern für Propagandazwecke.

Zu beobachten ist die Wiederkehr der Psychose als politisches Hilfsmittel zum Zweck der Erzeugung der Unterstützung der Massen für bisher nicht vorstellbare Brutalitäten. Beispiele mit Bezug auf die Energiewende sind massiv gestiegene Stromkosten, die die Ärmsten überproportional belasten, Vertreibung der energieintensiven Industrie und deren Arbeitsplätze, Entwertung von Immobilien, für die Menschen ihr Leben lang gespart haben, Zerstörung von Umwelt und Kulturlandschaften durch Totalindustrialisierung und über allem die Einengung des öffentlich zugelassenen Meinungsspektrums.

Wenn Frau Merkel vom Ende des ‚Pillepalle‘ in der Klimapolitik spricht, meint sie noch viel mehr dieser Brutalitäten, die grosse Teile, wenn nicht die Mehrheit, der Bevölkerung bisher ablehnen – direkte Abstimmungen gibt es praktischerweise zu keiner der Massnahmen. Die Psychose tritt hier neben dem Massenphänomen als Phänomen des einzelnen politischen Akteurs auf, der sich mit den Daten nicht mehr auseinandersetzen will bzw. kann, weil der Propagandadruck auf ihn zu hoch ist, oder aber, weil er selbst Propagandist ist, oder aber am schlimmsten, weil er an die eigene Propaganda glaubt.

Das Ergebnis des Übergangs der Politik von der Phase der kognitiven Dissonanz in die neue Phase der Psychose, samt Spitzenpersonal, ist eine schlimme Entwicklung für Deutschland. Es ist ein Rückfall eines Wiederholungstäters bzw. -opfers, je nach Sichtweise und gewähltem Zeitraum. Im Gegensatz zur kognitiven Dissonanz, der die Einsicht in die Realität durch Verlust folgt, sind die von Psychosen ausgelösten politischen Prozesse kaum durch unmittelbares Lernverhalten zu kontrollieren und verstärken sich zum Extremismus in Wort und Tat. Auch wenn die Ergebnisse der heute angefachten Weltuntergangspsychosen in Punkto Klimawandel nicht die Dimensionen der damaligen erreichen werden: es steht zu befürchten, dass heute wie damals eine zunehmend extreme politische Entwicklung ausgelöst wird, an deren Ende ein umfassender wirtschaftlicher, kultureller und politischer Ruin des Landes, sowie paradoxerweise grösste Umweltzerstörungen, stehen wird.

Dringend geboten wäre dagegen, dass sich die deutsche Politik auf das Gebot einer rationalen Staatsführung durch propagandafreie Auseinandersetzung mit den verfügbaren Daten und wissenschaftlichen Analysen zurückbesinnt und gleichzeitig die Betroffenheit grosser Teile der Bevölkerung durch die bisherige Politik ernstnimmt, anstatt es zu unternehmen, diese massenpsychologisch in ihrem Sinne zu manipulieren.

Hans-Joachim Dübel ist Finanzexperte und Gründer der Denkfabrik Finpolconsult. Der Vater des Autors war ausgebildeter Psychologe mit Schwerpunkt Jugendpsychologie (mehrere Buchveröffentlichungen). Er nimmt für sich keine tieferen Kenntnisse in diesem Bereich in Anspruch und sieht dies als politischen Kommentar.

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