Politik

Deutschlands Amateur-Fußball hat ein ernstes Gewalt-Problem

In den unteren Spielklassen kommt es inzwischen vermehrt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Jüngster Höhepunkt: Die Berliner Verbände sagten am Wochenende alle Spiele aus Protest gegen die zunehmende Gewalt gegen ihre Schiedsrichter ab.
28.10.2019 11:37
Aktualisiert: 28.10.2019 11:51
Lesezeit: 2 min

Der Berliner Schiedsrichter-Sprecher Ralf Kisting hat vor einer weiteren Eskalation der Gewalt auf den Fußballplätzen im Amateurbereich gewarnt und ein sofortiges Umdenken gefordert. „Es darf nicht den ersten toten Schiedsrichter in Deutschland geben“, bevor sich etwas ändere, sagte Kisting am Sonntag dem Deutschlandfunk.

Die Gewalt gegen die Referees sei im Fußball ein bundesweites Problem, betonte Kisting - im Saarland hatten Schiedsrichter im vergangenen Monat gestreikt. „Wir brauchen einen Neustart“, betonte Berlins Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses, Jörg Wehling, in einem Interview der Süddeutschen Zeitung.

Der Berliner Verband hatte am Freitag nach der Streikankündigung alle Spiele ab einschließlich der Berlin-Liga abgesagt. Bis jetzt wurden in dieser Spielzeit bereits 109 Vorfälle von Gewalt und Diskriminierung auf den Berliner Fußballplätzen registriert. 53 Mal richteten sich die Aggressionen direkt gegen den Schiedsrichter.

Im Frühjahr habe der Schiedsrichterausschuss bereits auf Nachwuchsprobleme aufgrund der anhaltenden Gewalt hingewiesen. „Wir haben damit jedoch bei Funktionären und Verbänden nicht das Gehör gefunden, dass wir uns erhofft haben“, erklärte Kisting. Die Forderungen der Schiedsrichter: Unter anderem bei jedem Spiel zwei Ordner, die vom Verein gestellt werden, an die sich der Schiedsrichter wenden kann. „Und wir brauchen hauptamtliche Kräfte im Sportgericht, damit die Urteile, die Auflagen und Bewährungsstrafen ein Maß erreichen, bei dem man sagt: Ja, das ist eine professionelle Aufarbeitung.“ Zudem sollten Spieler eine Schulung in Regelkunde bekommen.

Nach einem weiteren Fall von Gewalt gegen Schiedsrichter im Amateurfußball hält die Diskussion über ein Umdenken und Konsequenzen an. Bei einem Kreisliga-Spiel zwischen der FSV Münster und dem TV Semd hat ein Spieler den Unparteiischen bewusstlos geschlagen. Der Referee habe ihm während der Partie im hessischen Münster die Gelb-Rote-Karte gezeigt, teilte die Polizei am Sonntagabend mit.

Daraufhin habe der 28-jährige Spieler der FSV Münster den 22 Jahre alten Schiedsrichter niedergeschlagen. Nachdem er wieder bei Bewusstsein war, wurde er mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen. Das Fußballspiel wurde abgebrochen. Wie ein Sprecher des Hessischen Fußball-Verbandes am Montag der Deutschen Presse-Agentur erklärte, könnte in diesem Fall das Sportgericht des Kreises den Fall übernehmen, möglich sei aber auch, dass sich das Verbandssportgericht dieser Sache annehme. „Das ist absolut inakzeptabel und natürlich extrem bedauerlich“, sagte der Fußball-Klassenleiter Theo Greiner dem Darmstädter Echo. „Das macht mich wirklich sehr betroffen.“ Der Spieler müsse nun mit einer „massiven Strafe“ rechnen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Cartier Tank oder Santos – welche ist zeitloser?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht: Design-Kenner sehen in der klar reduzierten Tank das zeitlosere Statement, während die vielseitigere...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Pontes: So will die EZB den Finanzmarkt beschleunigen
24.09.2026

Die EZB macht ernst mit der Digitalisierung des Finanzmarkts. Mit Pontes können Wertpapiergeschäfte auf digitalen Plattformen erstmals...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: US-Aktien schließen nach Tech-Rücksetzer im Minus
23.09.2026

Welche geopolitischen und wirtschaftlichen Faktoren die Wall Street zur Wochenmitte aus der Bahn warfen.

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: Starker Dollar und Zinssorgen belasten Goldkurs
23.09.2026

Der Goldpreis fällt am Mittwoch deutlich. Ein stärkerer US-Dollar und die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed...

DWN
Politik
Politik Spritpreise: Deutschland plant den Deckel, Kroatien begrenzt schon heute
23.09.2026

Die Spritpreise steigen, und Europas Regierungen greifen immer stärker in den Markt ein. Deutschland senkt die Energiesteuer und plant...

DWN
Politik
Politik Protest gegen EU-Bürokratie: 13 EU-Staaten wollen Brüssel einbremsen
23.09.2026

Österreich macht gemeinsam mit zwölf weiteren EU-Staaten Druck auf Brüssel: Ein Jahr lang soll bei neuen EU-Gesetzen weitgehend auf die...

DWN
Politik
Politik Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt – BSW als Zünglein an der Waage?
23.09.2026

Die Atmosphäre sei gut, die Gespräche konstruktiv: In Sachsen-Anhalt tasten sich AfD und BSW langsam heran. Ein Patt im Landtag könnte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Henkel-Aktie unbeeindruckt: Grünes Licht für Stahl Parent-Übernahme
23.09.2026

Der Konsumgüterkonzern Henkel darf den niederländischen Spezialbeschichtungshersteller Stahl Parent für 2,1 Milliarden Euro übernehmen....

DWN
Politik
Politik Drohnenhersteller Stark Defence: Bundeswehr erhält bald Virtus-Kamikazedrohnen
23.09.2026

Der Drohnenhersteller Stark Defence steht bei einer Bundeswehr-Großbestellung von Kampfdrohnen in den Startlöchern: Die an...