Politik

Wegen angeblicher Spionage: Belgien erteilt Forscher aus China Einreiseverbot

Belgien hat dem Direktor des Konfuzius-Instituts in Brüssel ein Einreiseverbot erteilt. Dem Mann wird Spionage für die Volksrepublik China vorgeworfen.
29.10.2019 12:41
Aktualisiert: 29.10.2019 12:55
Lesezeit: 2 min

Der chinesische Direktor des Konfuzius-Instituts der Vrije Universiteit Brussel (VUB), Xinning Song, darf nicht mehr nach Belgien einreisen. Ihm wird Spionage für die Volksrepublik China vorgeworfen. Der Verdacht, dass China über das Konfuzius-Institut Spionage betreibt, kam erstmals im vergangenen Jahr auf. Das Konfuzius-Institut ist in vielen Ländern vertreten und unterliegt der weitgehenden Kontrolle des chinesischen Bildungsministeriums. Ein Konfuzius-Institut wird immer von einem lokalen und einem chinesischen Direktor geleitet.

“Je schwächer Europa in den Augen Chinas erscheint, desto leichter nähern sie sich an und beeinflussen uns”, zitiert die belgische Zeitung De Morgen Zsuzsa-Anna Ferenczy, VUB-Forscherin und Beraterin des Europäischen Parlaments.

2007 landete Song in Belgien für eine Stelle bei UNU-CRIS, einer UN-Forschungsinstitution in Brügge. Als die VUB 2016 in Zusammenarbeit mit der Renmin-Universität ein Konfuzius-Institut gründete, wurde Song zum Direktor ernannt.

In den vergangenen zwei Jahren hat Song insgesamt sechs Vorträge am Egmont-Institut gehalten - dem königlichen Institut für internationale Beziehungen im Herzen von Brüssel, das an das belgische Außenministerium angegliedert ist. Diese Vorträge fanden immer zusammen mit Professor Sven Biscop statt. Biscop arbeitet für das Egmont Institute und UGent, hat aber auch eine Forschungsstelle am Centre of European Studies der Renmin-Universität inne.

“Es ist auch unsere Aufgabe, eine Debatte mit Rednern aus undemokratischen Regimen zu führen, solange es eine Gegenstory gibt", erklärt Biscop seine Position in einem Meinungsbeitrag von De Morgen. “China ist ein autoritäres Land, aber man muss sich immer noch austauschen, denke ich. Darüber hinaus ist es eine Gelegenheit, sich auch informell mit diesen Menschen zu unterhalten”, meint er.

Doch nach Angaben des belgischen Blatts soll es Hinweise darauf geben, dass Song auch als Recruiter für chinesische Geheimdienste tätig war und Informanten unter chinesischen Studenten und in der Geschäftswelt engagierte.

Am 3. Oktober 2019 wurde Song erneut zu einem Vortrag im Egmont-Institut über die Beziehungen zwischen der EU und China erwartet, den er selbst organisiert hatte. Er versuchte mit einem Schengen-Visum über die österreichische Botschaft in Peking zu reisen und entdeckte dann sein Einreiseverbot. "Ich habe Berufung eingelegt. Ich weiß nicht, wo Leute mit chinesischen Geheimdiensten Kontakt aufnehmen. Ich habe ein gutes Verhältnis zu Geng Huichang, dem ehemaligen Minister für Staatssicherheit in China, der als Gastprofessor an der Renmin-Universität unterrichtet. Geht es darum?”, so Song.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Politik
Politik Handwerkerbonus wird gekappt: Bis zu 300 Euro weniger – Fiskus profitiert
04.10.2026

Mehr Geld im Portemonnaie – das verspricht die Einkommensteuerreform 2027. Beim Handwerkerbonus passiert das Gegenteil: Statt 1.200 Euro...

DWN
Finanzen
Finanzen 800 Milliarden Dollar für KI: Was passiert mit der Börse, wenn das größte Technologierennen langsamer wird?
04.10.2026

Die größten US-Techkonzerne investieren in diesem Jahr fast 800 Milliarden Dollar, vor allem in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur...

DWN
Politik
Politik „Auf dünnem Eis“: Weltenergie-Chef warnt, drei neue Schocks könnten Europas Preise in die Höhe treiben
04.10.2026

Europa könnte vor einem schwierigen Winter stehen. Nach Einschätzung von IEA-Chef Fatih Birol laufen gleich drei Faktoren aus, die die...

DWN
Panorama
Panorama Sie bezahlte ein Croissant mit Karte und tippte ihre PIN ins Trinkgeldfeld
04.10.2026

Ein gewöhnlicher Einkauf in einer Bäckerei am Bahnhof von Winterthur endete für eine Seniorin mit einer Abbuchung von rund 1.707 Euro....

DWN
Politik
Politik Bundesregierung sucht Erfolgsgeschichten: Klingbeils schwierige Mission
04.10.2026

Lars Klingbeil will zeigen, dass die milliardenschweren Investitionen der Bundesregierung inzwischen auf Baustellen oder in der Forschung...

DWN
Panorama
Panorama In Polen wächst die Zahl der Ultrareichen weltweit am schnellsten. Wie lässt sich dieses Phänomen erklären?
04.10.2026

In keinem anderen untersuchten Land ist die Zahl der Ultrareichen zuletzt so stark gestiegen wie in Polen. Dahinter stehen ein stärkerer...

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO: Geleakter Prospekt enthüllt die Milliardenrisiken hinter Claude
03.10.2026

Anthropic gilt als einer der heißesten Kandidaten für den nächsten großen KI-Börsengang. Doch ein geleakter Prospekt zeigt, welchen...

DWN
Panorama
Panorama Notstromversorgung: Warum ein Generator im Ernstfall nicht reicht
03.10.2026

Ein Stromausfall von wenigen Minuten ist lästig. Dauert er mehrere Tage, kann er für Unternehmen existenzbedrohend werden. Erfahrungen...