Wirtschaft

Boom-Branche im Rückwärtsgang: Zahl der Fracking-Bohrstellen in den USA nimmt deutlich ab

Die Zahl der Ölbohrstellen in den USA ist auf den niedrigsten Stand seit März 2017 gesunken. Aufgrund des Preisverfalls sind zahlreiche Produzenten nicht mehr profitabel.
26.11.2019 15:00
Lesezeit: 2 min
Boom-Branche im Rückwärtsgang: Zahl der Fracking-Bohrstellen in den USA nimmt deutlich ab
Ein Mitarbeiter auf einer Bohranlage in Colorado Springs. (Foto: dpa) Foto: Deutsche Rohstoff

In der vergangenen Woche ist die Zahl der Öl- und Gasbohrstellen in den USA um drei weitere Ölbohrstellen auf nur noch 803 gesunken, wie aktuelle Daten des großen Ölfelddienstleisters Baker Hughes zeigen. Das sind insgesamt nun schon 276 Öl- und Gasbohrinseln weniger als noch vor einem Jahr.

Die Zahl der Ölbohrstellen verzeichnete den neusten Daten zufolge den zwölften Wochen-Rückgang innerhalb der vergangenen vierzehn Wochen und liegt jetzt bei 671 - das sind 214 weniger als noch vor einem Jahr. Das letzte Mal, dass es in den USA so wenige Ölplattformen gab, war im März 2017. Die Zahl der Gasbohrstellen liegt derzeit bei 129 - das sind 65 weniger als noch vor einem Jahr.

Auch in Kanada ist laut Baker Hughes die Gesamtzahl der Bohrinseln im Verlauf der vergangenen zwölf Monate um 67 auf derzeit 137 gefallen. In den anderen Staaten der Welt hingegen zeigt sich ein anderes Bild. Hier gibt es heute insgesamt 1.130 Öl- und Gasbohrstellen - das seien 113 mehr als noch vor einem Jahr.

USA sind größter Produzent von Öl und Gas

Die Fracking-Fördermethode hatte die USA zunächst zum größten Gasproduzenten der Welt gemacht und in diesem Jahr auch zum größten Rohölproduzenten der Welt. Denn zwar ist die Zahl der Ölbohrstellen in den USA allein in diesem Jahr um 206 zurückgegangen. Doch die Produktion ist laut offiziellen Angaben seit Jahresbeginn von 11,7 Millionen Barrel pro Tag (bpd) auf ein Allzeithoch von 12,8 Millionen bpd gestiegen.

Das aufkommende Fracking löste in den USA einen Boom mit vielen gut bezahlten Arbeitsplätzen aus, nicht nur direkt an den Ölfeldern, sondern auch im Technologiesektor, darunter Soft- und Hardware, sowie in der Herstellung von schwerem Gerät, im Transportwesen und im Bauwesen.

"Schiefer Öl- und Gasbohrungen sind schrecklich für Land, Wasser und die Umwelt. Aber auch alle anderen Methoden, die Wirtschaft mit Energie und Treibstoff zu versorgen, einschließlich Kohlebergbau, Verbrennung von Kohle, Wasserkraft (die ganze Schluchten und Flüsse zerstört), Kernenergie (Atommüll, Fukushima, Tschernobyl), sogar Wind- und Sonnenenergie (der "Brennstoff" ist frei und sauber, aber die Herstellung und Platzierung der Ausrüstung schafft seine eigenen Probleme)", schreibt der amerikanische Blogger Wolf Richter auf seinem Blog. Bei Energie und Treibstoff gebe es nur Kompromisse.

Zudem weist Richter darauf hin, dass das Fracking-Geschäft vielen Investoren massive Verluste gebracht hat. So hätten seit Anfang 2015 in den USA bereits mehr als 200 Öl- und Gasbohrbetreiber Insolvenz angemeldet. Andere Bohrunternehmen sind hochgradig verschuldet, verbrennen viel Geld oder verzeichnen starke Kursverluste an den Börsen.

"Die Branche hatte von Anfang an einen negativen Cash-Flow. Die hohen Preise für Öl und Gas, welche die Branche benötigen würde, um einen positiven Cashflow zu erwirtschaften, werden durch die weltweit umfangreiche Öl- und Gasproduktion mithilfe des Fracking selbst verhindert", so Richter. Zwar hätten für Führungskräfte ihre Verträge so gestaltet, dass sie an den Produktionssteigerungen reichlich verdient haben. Doch die Investoren, die an den Hype der Branche glaubten, "kommen jetzt in der Realität an, dass ihr Geld in den Boden gebohrt wurde und weg ist".

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie: Sparpläne bei Volkswagen verärgern IG Metall – Zeichen stehen auf Konflikt
31.08.2026

Bei Volkswagen spitzt sich die Lage zu: Der Vorstand plant härtere Einschnitte, die Gewerkschaft warnt vor einem schweren Konflikt. Selbst...

DWN
Technologie
Technologie Nachholbedarf beim Lkw-Ladenetz: VDA warnt vor Engpass beim Laden von E-Lkw
31.08.2026

Viele E-Lastwagen sind noch nicht auf den deutschen Autobahnen unterwegs. Ob sich die leisen Laster durchsetzen, hängt auch von der...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: Zinssorgen belasten das Edelmetall – was heißt das für die Goldpreis-Prognose?
31.08.2026

Der Goldpreis ist schwächer in die neue Handelswoche gestartet. Nach dem deutlichen Kursrückgang am vergangenen Freitag verliert das...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Red Rebane: Rucksack-Hersteller meldet Insolvenz an – Produktionsstopp nach 14 Jahren
31.08.2026

Ein Schweriner Vorzeigeunternehmen muss seine Produktion weitgehend einstellen: Red Rebane ist insolvent, Mitarbeiter verlieren ihre...

DWN
Panorama
Panorama Insekten in Lebensmitteln: Heimliches Untermischen ist verboten
31.08.2026

Lebensmittel mit Insekten müssen in der EU klar gekennzeichnet werden. Trotzdem kursieren in sozialen Medien immer wieder unbelegte...

DWN
Politik
Politik Zuckersteuer: Ist das Ausland ein Modell für Deutschland?
31.08.2026

Die Bundesregierung will eine Zuckersteuer auf Softdrinks einführen, über die konkrete Ausgestaltung wird aber noch gestritten. Ein Blick...

DWN
Finanzen
Finanzen Anleihemarkt mit Warnsignal: Ist die Ära des billigen Geldes vorbei?
30.08.2026

Nicht nur KI-Aktien bewegen die Finanzmärkte. Immer stärker rückt der Anleihemarkt in den Mittelpunkt, da langfristige Zinsen weltweit...

DWN
Panorama
Panorama Rückkehr nach Polen: Der große Exodus nach Deutschland dreht sich um
30.08.2026

Jahrzehntelang galt Deutschland für viele Polen als Versprechen auf ein besseres Leben. Doch inzwischen hat sich die Richtung gedreht:...