Unternehmen

Autozulieferer Bertrandt streckt Fühler nach Wasserstoff-Markt aus

Der schwäbische Industriedienstleister Bertrandt stemmt sich mit einem neuen Geschäftsfeld gegen den Abschwung. Der Markt dafür ist allerdings von überschaubarer Größe.
03.12.2019 17:00
Lesezeit: 2 min
Autozulieferer Bertrandt streckt Fühler nach Wasserstoff-Markt aus
Das Nutzfahrzeug Ape, in das Bertrandt einen Wasserstoff-Antrieb eingebaut hat. (Foto: Unternehmen)

Der traditionsreiche schwäbische Industriedienstleister Bertrandt gehört zu den Unternehmen, die arg von der internationalen Krise gebeutelt werden. Die Ergebnisse haben sich nach den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres um mehr als fünf Prozent auf 30,4 Millionen Euro verringert. Darüber hinaus ist der Aktienkurs in den vergangenen zwölf Monaten um ein sattes Drittel eingekracht. Zum Vergleich: der SDax, in dem die Aktie gelistet ist, hat im selben Zeitraum sogar zugelegt – und das gleich um zwölf Prozent.

Doch jetzt versucht das Unternehmen, an dem Porsche fast 30 Prozent der Anteile hält, sich gegen den Abwärtstrend zu stemmen und in einem neuen Geschäftsfeld zu etablieren: So will Bertrandt, das weltweit 13.000 Mitarbeiter beschäftigt, Antriebslösungen für Wasserstoff entwickeln. Deshalb hat der Vorstand, der von den Managern Hans-Gerd Claus, Michael Lücke und Markus Ruf gemeinsam repräsentiert wird, für seinen Münchner Standort die offizielle Zulassung für die Arbeit mit Wasserstoff bekommen.

Das bestätigte auf Anfrage der Deutschen Wirtschaftsnachrichten (DWN) die Sprecherin des Unternehmens, Julia Nonnenmacher. „Ziel hierbei ist es, interessierten Entwicklungspartnern und Nutzern unsere Gesamtkompetenz darzustellen“, erklärte Nonnenmacher. „Unser Produkt ist hierbei die Entwicklungsleistung“, sagte sie.

Bundesregierung: "Wir werden die Nummer eins"

Hintergrund: Bertrandt, das keinen Vorstandsvorsitzenden hat, will an einem Markt mitverdienen, der derzeit von der Bundesregierung stark gefördert wird. Aufgrund des Klimawandel stehen die Regierungen aller Länder weltweit unter Druck, den klassischen Verbrennungsmotor aus den Fahrzeugen zu verbannen. Die Entwicklung von Antrieben, die auf Wasserstoff beruhen, ist dabei eine Lösung.

Deshalb will die Bundesregierung bis Jahresende „eine Wasserstoff-Strategie“ präsentieren. „Deutschland muss in diesem Bereich die Nummer eins werden“, hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier auf „einer Konferenz zur nationalen Wasserstoffstrategie“ Anfang November ein sehr ehrgeiziges Ziel vorgegeben. Wasserstoff kann seinen Aussagen zufolge ohne CO2-Emissionen hergestellt werden.

„Er ist ein Schlüsselrohstoff einer langfristigen erfolgreichen Energiewende“, so Altmaier. „In der Industrie kann perspektivisch bei vielen Prozessen CO2-frei erzeugter Wasserstoff zum Einsatz kommen“, erklärte das Regierungsmitglied. Im Verkehrsbereich stehen seinen Aussagen zufolge der Luftverkehr, die Schifffahrt sowie Schwerlastwagen im Mittelpunkt.

Umsätze der Hersteller 2024 weltweit wohl bei einer Milliarde Euro

Schätzungen zufolge wird dieser Markt für Brennstoffzellen in den kommenden Jahren im zweistelligen Prozentbereich wachsen. Im laufenden Jahr dürften die Umsätze, die die Hersteller damit weltweit generieren, wahrscheinlich bei 342 Millionen Dollar (rund 310 Millionen Euro) liegen. Bis 2024 sollen die Erlöse um mehr als ein Viertel auf fast 1,1 Milliarden Dollar (eine Milliarde Euro) klettern. Davon gehen internationale Analysten aus.

Da die Wachstumsraten so vielversprechend ausfallen, will sich dort auch Bertrandt etablieren. Das Unternehmen profitiert zudem davon, dass sich derzeit die Stimmung am Aktienmarkt wandelt. So bewerten immer mehr einheimische Börsendienstes die Aktie positiv. „Lohnt sich wieder ein Einstieg bei Bertrandt im Dezember?“ fragt beispielsweise www.boerse.de und analysiert die Entwicklung des Papiers.

Doch dürften die Hoffnungen, die mit dem Einstieg in den Wasserstoff-Markt verbunden sind, aber auch begrenzt sein. Denn die Größe dieses Segmentes bleibt mit einer knappen Milliarde Euro weltweit überschaubar. Zum Vergleich: Dies ist eine Summe, die Bertrandt allein in einem Jahr umsetzt. Folglich ist dieses Marktvolumen global nicht sonderlich groß.

Darüber hinaus werden die wichtigsten Geschäfte nicht in Europa und in Deutschland gemacht, sondern in Nordamerika und Asien. Davon gehen die internationalen Analysten aus. Diese Kontinente werden wohl gemeinsam weit mehr als 80 Prozent der Volumina auf sich vereinen. Deutschland spielt dabei nur eine marginale Rolle. Das wichtigste Geschäft wird wohl in den kommenden Jahren weiterhin mit der Zulieferung zum klassischen Verbrennungsmotor gemacht werden – unabhängig davon, ob die Bundesregierung die Technologie fördert oder nicht. Oder ob Bertrandt nun versucht, dort fußzufassen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold erlebt ein Comeback: Wie das MTS Money Transfer System Sicherheit und digitale Freiheit verbindet

Steigende Staatsverschuldung, Inflation und geopolitische Spannungen stärken die Bedeutung von Gold als Vermögenswert. Das MTS Money...

 

DWN
Immobilien
Immobilien Gebäudetyp E: Weniger Extras sollen den Wohnungsbau günstiger machen
31.10.2026

Weniger Steckdosen, dünnere Decken und niedrigere Baukosten: Der Gebäudetyp E soll den Wohnungsbau in Deutschland erleichtern. Ein neuer...

DWN
Panorama
Panorama Volvo ebenso verdächtig wie BYD: Polnisches Militär verhängt Verbot für Friedhofsparkplätze
31.10.2026

Das Militär führt Einschränkungen für Autofahrer ein, die rund um Allerheiligen den Parkplatz am Osobowicki-Friedhof in Breslau nutzen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Alarmstufe Rot bei Tech-Aktien
30.10.2026

Unerwartete Turbulenzen erschüttern die Märkte – was Anleger jetzt über die aktuellen Entwicklungen wissen müssen.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Drohnen-Shows: Das Start-up Skydance will mit 1.000 Drohnen Europas Himmel erobern
30.10.2026

400 Drohnen über einem Megafestival, ein QR-Code am Himmel und bald eine Flotte mit 1.000 Fluggeräten: Das slowenische Unternehmen...

DWN
Finanzen
Finanzen Verwirrung bei Rentenzahlung: Wer das November-Geld bekommt – und wem ein Zahlungsstopp droht
30.10.2026

An diesem Freitag werden die gesetzlichen Renten überwiesen. Doch die Zahlung betrifft je nach Rentenbeginn unterschiedliche Monate. Für...

DWN
Finanzen
Finanzen Wenn Paris brennt, denkt man an Anlageratschläge, Straßen und Blut
30.10.2026

Kann ein brennendes Paris gute Nachrichten für Anleger bedeuten? Auf den ersten Blick klingt diese Frage zynisch. Doch an den...

DWN
Finanzen
Finanzen Tankrabatt dämpft Inflation - aber noch keine Entwarnung
30.10.2026

Mit dem erneuten Tankrabatt ist die Inflationsrate in Deutschland deutlich gesunken. Doch eine Trendwende sehen Volkswirte nicht.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Das ist Russlands neuer Albtraum
30.10.2026

Das deutsche Verteidigungsunternehmen Helsing bringt zwei neue Luftabwehrraketen und ein KI-gestütztes Abwehrsystem auf den Markt. Ziel...