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Die Integration östlicher EU-Länder bleibt eine Erfolgsgeschichte

Westliche Kritiker mahnen ständig, dass Tschechien, Polen, Ungarn und die Slowakei immer nur Subventionen aus Brüssel nehmen und den westlichen Staaten dafür keine Gegenleistung bieten. Doch stimmt das überhaupt nicht - wie das Beispiel der deutschen Autoindustrie zeigt.
14.12.2019 14:23
Lesezeit: 4 min
Die Integration östlicher EU-Länder bleibt eine Erfolgsgeschichte
Die Erfolgsgeschichte der VW-Tochter ŠKODA steht repräsentativ für die erfolgreiche Integration der östlichen EU-Länder. Hier der Chef des Herstellers Bernhard Maier (Foto: dpa). Foto: Radek Petr

Die östlichen EU-Staaten sorgen immer wieder für negative Schlagzeilen: Diesmal kommen die schlechten Nachrichten aus Tschechien. Dort haben am Mittwoch zehntausende Tschechen gegen Regierungschef Andrej Babiš demonstriert, wie der Nachrichtensender „n-tv“ berichtet. Der Vorwurf: Subventionsbetrug mit EU-Mitteln in Millionen-Euro-Höhe. Vor einer Woche hatte die tschechische Justiz ihre Ermittlungen in dem Fall wieder aufgenommen, der bereits im vergangenen Jahr die internationale Presse beschäftigt hat.

Und ähnlich negative Informationen sind auch schon seit Jahren aus Polen und Ungarn zu hören, deren Regierungen sich in unterschiedlichen Konflikten im Dauerstreit mit Brüssel befinden. Die Gemeinschaft kritisiert beispielsweise die nationalkonservative Regierung in Warschau wegen einer Justizreform – ein Konflikt, der mittlerweile schon so kleinteilig geworden ist, dass man ihn gar nicht mehr so genau verfolgt.

Und der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat sich schon so viele Vertragsverletzungsverfahren eingehandelt, die kaum jemand noch überblickt. Das Ergebnis ist allerdings eindeutig: Viele im Westen halten diese Länder für undankbar und fragen sich, ob Tschechien, Polen, Ungarn und die Slowakei überhaupt in die EU passen. Insbesondere die hohen Subventionen in Milliarden-Euro-Höhe, die seitdem vom Westen nach Osten geflossen sind, stören sie.

Doch vergessen die Kritiker, dass die Integration der östlichen EU-Länder grundsätzlich eine einzigartige Erfolgsgeschichte ist, von der nicht zuletzt wir Deutschen – die deutschen Unternehmen und die deutschen Konsumenten – profitieren. So gehen die alltäglichen positiven Nachrichten, die direkt mit Tschechien, Polen, Ungarn und der Slowakei verbunden sind, in den gesamten Negativschlagzeilen unter. Diese News stammen von den deutschen Autoherstellern - einem Flaggschiff der deutschen Industrie. Die Unternehmen stellen in Ostmitteleuropa viele wichtige Modelle her, die alle kennen. Viele Deutsche bemerken das nicht, weil sie sich im Alltag schon so sehr daran gewöhnt haben.

Dazu gehört die VW-Tochter ŠKODA, die in Deutschland mittlerweile das wichtigste Importauto geworden ist. Die Fachzeitschrift „Autoflotte“ hat deshalb Ende November die Marke als „Top—Performer 2019“ geehrt. Der Chef des tschechischen Herstellers Bernhard Maier hatte zuvor die neue Version des Kompakt- und Mittelklasse-Wagens „Octavia“ vorgestellt, der zu einem der wichtigsten Modelle des Konzerns geworden ist.

ŠKODA aus deutschen Autosalons nicht mehr wegzudenken

Das heißt, die deutschen Kunden schätzen die Fahrzeuge des tschechischen Produzenten so sehr, dass die Auto-Fachzeitschriften regelmäßig voll mit ihnen sind. So ist ŠKODA aus den deutschen Autosalons nicht mehr wegzudenken. Doch nicht nur die deutschen Kunden freuen sich über die soliden und relativ kostengünstigen Fahrzeuge aus Tschechien, sondern auch das Management des Gesamtkonzerns in Wolfsburg.

Denn ŠKODA steuert rund zehn Prozent zu den Geschäften des größten Autobauers der Welt bei. Das Unternehmen gilt aufgrund seiner Wirtschaftskraft schon lange als „Perle von VW“. Die Tschechen, die klar den deutsch-tschechischen Außenhandel dominieren, können aufgrund ihrer Größe problemlos die Gesamtentwicklung von VW beeinflussen. Besser könnte man eine Erfolgsgeschichte wohl kaum beschreiben.

Ohne die Integration Tschechiens in die EU wäre dies nicht möglich gewesen. Die Kalkulation, die VW und andere internationale Konzerne hier machen, ist ganz einfach: Der Standort liegt geografisch sehr nahe an Deutschland, so dass es letztlich egal ist, ob ein Unternehmen sein Werk in Dresden oder in der Nähe von Prag errichtet. Darüber hinaus sind die Arbeitskosten, die 2018 bei 12,60 Euro pro Stunden gelegen haben, im Verhältnis zu den westlichen Ländern immer noch relativ niedrig. Zum Vergleich: In Deutschland müssen die Unternehmen 34,60 Euro bezahlen. Ein weiterer Punkt ist die Rechtssicherheit, die dort Investoren aus der EU haben. Sie können problemlos ihre Interessen und Rechte vor den EU-Gerichtshöfen durchsetzen, sollte es einmal dazu kommen.

Östliche EU-Länder wichtiger Baustein bei internationaler Strategie der Konzerne

Ähnlich sind die Bedingungen in Polen, Ungarn und in der Slowakei. VW ist auch in Polen und in der Slowakei aktiv, und Daimler und Audi produzieren ebenso in Ungarn. Die deutschen und die anderen internationalen Autokonzerne haben im Jahr 2018 in Tschechien 1,3 Millionen Fahrzeuge hergestellt. Damit lag das Land in der Weltrangliste auf dem 16. Platz. Danach folgte von den östlichen EU-Ländern die Slowakei mit 1,1 Millionen (Rang 19) und Polen mit 660.000 Wagen (Platz 21). Ungarn war dann in der Tabelle die Nummer 26 mit 430.000 Autos.

Damit haben die Standorte der östlichen EU-Länder zwar weniger als fünf Prozent zur globalen Gesamtproduktion beigesteuert. Doch spielen diese Märkte trotzdem in der internationalen Strategie der Autohersteller, die oft mehrere Länder auf unterschiedlichen Kontinenten integriert, eine gewichtige Rolle. Innerhalb dieses Konzeptes sind sie nur schwer zu ersetzen.

Darüber hinaus bieten die vier Länder Absatzmärkte von insgesamt 65 Millionen Konsumenten, die zwar bei weitem nicht so groß wie beispielsweise in China oder Russland sind. Doch sind sie für die Händler trotzdem nicht zu verachten. Insbesondere Polen fällt hier mit einer Einwohnerzahl von 38 Millionen ins Gewicht. Natürlich ist die Kaufkraft der dortigen Konsumenten nicht so stark wie im Westen. Doch haben die Händler trotzdem hier die Möglichkeit, ihre Fahrzeuge gewinnbringend zu veräußern.

Polnische LKW transportieren europaweit Waren in Milliarden-Euro-Höhe

Zusätzlich sind die östlichen EU-Länder auch für das europäische Dienstleistungsgewerbe wichtig – und zwar wiederum die Polen besonders. Sie nehmen beim LKW-Transport auf dem Kontinent eine wichtige Rolle ein, der pro Jahr Gesamtumsätze im dreistelligen Milliarden-Euro-Bereich generiert.

So schaffen ihre Trucks pro Jahr ganze acht Prozent der Waren weg, die über die europäischen Straßen transportiert werden. Damit liegen sie in der Statistik der Gemeinschaft auf dem dritten Platz, wie das polnische Portal „Interia“ berichtet. Nur Deutschland, deren Fahrzeuge 28 Prozent der Volumina fahren, und Frankreich mit knapp 19 Prozent befinden sich in der Tabelle noch davor.

Bei der Zahl der Fahrzeuge sind die Polen sogar auf dem ersten Platz. Sie verfügen über 1,1 Millionen LKW und übertrafen noch Deutschland, das mit 946.000 Wagen nur auf dem zweiten Rang platziert ist. Italien liegt in dieser Rangliste mit 904.000 Fahrzeugen auf dem dritten Platz. Die polnischen Wagen gehören oft zu Transportunternehmen, die im Auftrag der großen westlichen Speditionen die Güter über die europäischen Autobahnen und Schnellstraßen befördern.

Der Grund: Ihre Dienstleistungen sind im Vergleich mit den westlichen Ländern relativ günstig. Durch die Mitgliedschaft in der EU können die westlichen Unternehmen den Service im Prinzip ohne größere Schwierigkeiten einkaufen. Dadurch profitieren nicht nur die Firmen aus dem Westen, sondern der gesamte Markt, der dadurch eine starke Wachstumsdynamik bekommt.

So haben Tschechien, Polen, die Slowakei und Ungarn der deutschen und internationalen Kraftfahrzeugindustrie sehr viel zu bieten – unabhängig davon, ob immer wieder schlechte Nachrichten über diese Länder die westlichen Schlagzeilen füllen. Die Integration dieser Staaten in die EU bleibt grundsätzlich eine Erfolgsgeschichte - egal, wie oft die Regierung dieser Staaten sich mit Brüssel streiten. Das ist ein Fakt, den man nicht verändern kann.

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