Finanzen

Federal Reserve pumpt zum Jahresende eine halbe Billion Dollar in den Geldmarkt

Um die erwarteten Liquiditätsengpässe zum Jahresende abzumildern, hat die Fed angekündigt, dem Repo-Markt auf der Schwelle zum neuen Jahr fast eine halbe Billion Dollar Liquidität bereitzustellen.
14.12.2019 14:24
Lesezeit: 2 min
Federal Reserve pumpt zum Jahresende eine halbe Billion Dollar in den Geldmarkt
Jerome Powell, Vorsitzender der US-Notenbank Fed (Foto: dpa) Foto: Jacquelyn Martin

Die US-Notenbank stockt den Kampf gegen die drohende Liquiditätskrise am Repo-Markt massiv auf. Sie wird an der Schwelle zum neuen Jahr fast eine halbe Billion Dollar in das Finanzsystem pumpen, wie die New York Fed am Donnerstag ankündigte. Sie fürchtet einen erneuten Anstieg der Zinsen auf dem Repo-Markt, wo sich Banken gegen hochwertige Sicherheiten Liquidität borgen.

Der Übernacht-Repo-Satz war im September überraschend auf 10 Prozent angestiegen, sodass sich die Fed zu einer ganzen Reihe von Maßnahmen gezwungen sah. Seitdem pumpt die New York Fed massiv Liquidität in den Repo-Markt, um einen Mangel an kurzfristiger Liquidität und den damit einhergehenden Zinsanstieg abzuwenden.

Das Jahresende war schon immer eine volatile Phase für den Repo-Markt, da die Banken im Vorfeld der vorgeschriebenen Eigenkapitalberechnungen am 31. Dezember die Kreditvergabe stark zurückfahren. So stiegen am 31. Dezember letzten Jahres die Kosten für die Aufnahme von Übernacht-Krediten überraschend auf 6 Prozent. Daher ist die Sorge in der aktuell angespannten Lage besonders hoch.

Laut ihrem neuen Plan bietet die Zentralbank Übernacht-Kredite vom 31. Dezember ins neue Jahr in Höhe von 225 Milliarden Dollar und zusätzliche längerfristige Repo-Darlehen ins neue Jahr in Höhe von 190 Milliarden Dollar an.

Zusammen mit der bereits vergebenen längerfristigen Liquidität ins neue Jahr in Höhe von 75 Milliarden Dollar, die dem Markt zur Deckung des Jahresende zur Verfügung gestellt wurden, wird die Fed zum 31. Dezember Kredite im Umfang von insgesamt 490 Milliarden ausstehen haben, also fast eine halbe Billion Dollar. Das ist fast doppelt so viel wie ihre jüngsten Repo-Interventionen.

Mit den zusätzlichen Geldspritzen reagiert die Fed offenbar auf wachsende Befürchtung einer erneuten Liquiditätskrise. So warnte diese Woche der Analyst Zoltan Pozsar, der einen Monat vor Ausbruch der Liquiditätskrise am US-Geldmarkt im September genau diese Krise korrekt vorhergesagt hatte, dass die Krise zum Jahresende eskalieren könnte und ein neues Anleihekaufprogramm im großen Stil nötig machen wird.

Neben den massiven Vorkehrungen am Repo-Markt für die Schwelle ins neue Jahr wird die Fed bis zum 30. Dezember und dann ab Anfang Januar weiterhin 120 Milliarden Dollar an Übernacht-Repo zur Verfügung stellen sowie 175 Milliarden Dollar an längerfristigen Repo-Geschäften, bestätigte die Zentralbank am Donnerstag.

"Die Federal Reserve überschwemmt einfach den Markt mit Liquidität", zitiert die Financial Times Guy LeBas, Chefstratege für Anleihen bei Janney Montgomery Scott. "Das ist ihre Politik für das Jahresende. So etwas wie zu viel gibt es nicht." Lou Crandall, Chefökonom bei Wrightson Icap, sagte: "Die Fed hat beschlossen, alle Register zu ziehen und ihre Operationen noch großzügiger zu gestalten."

Neben ihren direkten Eingriffen am Repo-Markt hat die Fed zuletzt auch wieder ihre Bilanz ausgeweitet. Seit Mitte Oktober kauft sie jeden Monat US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von maximal einem Jahr im Umfang von 60 Milliarden Dollar. Das dafür neu geschaffene und in den Markt gepumpte Geld soll der Fed zufolge dem Repo-Markt Liquidität verschaffen und sei deshalb kein Quantitative Easing.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Der wachsende Trend zu digitalen Zusatzeinkommen im deutschen Mittelstand

Wirtschaftliche Unsicherheit und steigende Lebenshaltungskosten verändern das Verhältnis vieler Beschäftigter und Selbstständiger zu...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Rohstoffe für Russland? Irlands Regierung weicht Verstaatlichung aus
08.07.2026

Das irische Alumina-Werk Aughinish steht wegen russischer Eigentümerstrukturen und Exporten nach Russland unter Druck. Trotz Sorgen über...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvente Unternehmen: Immer mehr Firmen vorm endgültigen Aus
08.07.2026

Steigende Energiepreise, hohe Arbeitskosten, drohende Lieferkettenstörungen: Die Rettung zahlungsunfähiger Firmen in Deutschland wird...

DWN
Politik
Politik Energiewende: EnBW-Chef fordert Korrektur bei Windkraft-Ausbauzielen
08.07.2026

Die EnBW hat den Ausbau der Offshore-Windkraft als wichtigen Eckpfeiler der Energiewende in Europa vorangetrieben. Jetzt fordert der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Vom öffentlichen in den privaten Sektor: Habeck wird Berater bei Investmentgesellschaft
08.07.2026

Ex-Vizekanzler Habeck wechselt in die Privatwirtschaft: Ab August nimmt der frühere Wirtschaftsminister einen lukrativen Beraterjob bei...

DWN
Finanzen
Finanzen Besitzen Sie amerikanische Technologieaktien? Dann sollten Sie über einen Verkauf nachdenken
08.07.2026

US-Tech-Aktien haben die Märkte lange nach oben gezogen, doch die Warnungen vor überzogenen Bewertungen werden lauter. Während Jeremy...

DWN
Politik
Politik "Chatkontrolle" durch die Hintertür? Plötzliches Eilverfahren im EU-Parlament
08.07.2026

Die Bürger der EU lehnen die Chatkontrolle ab, auch das EU-Parlament. Plötzlich bringt EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola kurz vor...

DWN
Finanzen
Finanzen Übernahmepoker: Unicredit nähert sich Mehrheit bei Commerzbank
08.07.2026

Die Unicredit hat mit Ablauf ihres Übernahmeangebots ihren Anteil an der Commerzbank weiter aufgestockt. Eine Mehrheit an den Dax-Konzern...

DWN
Finanzen
Finanzen ETF und Aktien handeln mithilfe künstlicher Intelligenz? Wo Chancen und Risiken liegen
08.07.2026

Tatsächlich nutzen heute viele Privatpersonen KI-Chatbots auch als Hilfe beim Investieren. Deshalb haben wir untersucht, worin der wahre...