Finanzen

Studie: Auf deutsche Bankenbranche kommen „rote Zahlen“ zu

Einer Studie von Bain & Company zufolge steuert die deutsche Bankenbranche auf ernste Probleme zu.
29.12.2019 09:30
Lesezeit: 1 min
Studie: Auf deutsche Bankenbranche kommen „rote Zahlen“ zu
Der Vollmond über Frankfurt. (Foto: dpa) Foto: Frank Rumpenhorst

Deutschlands Banken drohen laut einer Studie mittelfristig rote Zahlen. Die Branche komme um weitere Einschnitte und Zusammenschlüsse nicht herum, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung Bain & Company. "Die Banken haben keine andere Wahl, als ihr Filialnetz noch mehr auszudünnen und die Zahl ihrer Beschäftigten weiter zu reduzieren", sagte Bain-Deutschlandchef Walter Sinn.

Zwar habe die Branche seit dem Jahr 2008 schon rund 100 000 Beschäftigte und 10 600 Filialen abgebaut. Dennoch droht der Studie zufolge in einem negativen Szenario die gesamte deutsche Kreditwirtschaft in die roten Zahlen zu geraten. Selbst in einem nur leicht eingetrübten Umfeld könnte sich die Eigenkapitalrendite der Institute mittelfristig noch einmal auf 0,5 Prozent halbieren. Im Jahr 2018 sei die Rendite bereits von zwei auf ein Prozent gesunken. Um die Ergebnislücke zu den europäischen Rivalen zu schließen, müssten die deutschen Institute jährlich 40 Milliarden Euro mehr verdienen, haben die Autoren errechnet.

"Deutschlands Banken drohen den Anschluss an die internationale Konkurrenz zu verlieren", sagte Sinn. Steigende Aufwendungen für die Digitalisierung und eine verschärfte Regulierung machten bisher sämtliche Sparanstrengungen zunichte. Zudem drücke die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank auf die Zinsüberschüsse, und die Provisionsüberschüsse stagnierten seit Jahren bei rund 30 Milliarden Euro. Zuletzt habe sich die Situation durch ein rückläufiges Handelsergebnis verschlechtert.

Bain-Experte Sebastian Thoben betrachtet es als unausweichlich, dass es über kurz oder lang zu grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen unter Europas Banken kommt. Dafür brauche es aber Fortschritte bei der europäischen Bankenunion, etwa bei einer einheitlichen Regulierung. Zudem müssten sich die deutschen Institute erst einmal selbst sanieren. Dazu gehörten einfachere Strukturen, eine stärkere Digitalisierung sowie eine stärkere Ausrichtung an den Bedürfnissen der Kunden.

Im Jahr 2018 traf die schwache Entwicklung indes nicht alle Bankengruppen gleichermaßen. Während die Autobanken laut Bain eine Eigenkapitalrendite von 8,5 Prozent erreichten, kamen die Privatbanken auf 6 Prozent. Die Genossenschaftsbanken und Sparkassen kamen - wenn man die bei ihnen anders verbuchte Risikovorsorge herausrechnet - auf Renditen von 5,1 und 4,4 Prozent. Allerdings mussten auch diese beiden größten Institutsgruppen des Landes Rückgänge hinnehmen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Unternehmen
Unternehmen US-Rüstungsfirma Covenant: Protest gegen Marschflugkörper-Produktion ab 2027 in Leipzig
24.10.2026

Die US-Rüstungsfirma Covenant will in Leipzig Marschflugkörper herstellen. Der Standort soll weltweit die größte Basis für Europas...

DWN
Politik
Politik China macht seine Grenzen dicht: Ein neuer Eiserner Vorhang
24.10.2026

China macht seine Grenzen dicht, und längst trifft es nicht mehr nur politisch unbequeme Bürger. Lehrer, Ärzte und KI-Ingenieure dürfen...

DWN
Technologie
Technologie Enthüllt: Diese US-Techkonzerne wollten den Stromverbrauch ihrer Rechenzentren geheim halten
24.10.2026

Google und Microsoft wollten zentrale Angaben zum Stromverbrauch ihrer irischen Rechenzentren unter Verschluss halten. Die Umweltbehörde...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wachstum in Europa: EIB-Ökonom rät Unternehmen, stärker nach Süden zu blicken
24.10.2026

Deutschland erholt sich, doch Europas Wirtschaft kämpft weiter mit Bürokratie, Investitionsschwäche und einem fragmentierten...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuervergleich 2026: Was von 50.000 Euro Gehalt, Gewinn und Kapital wirklich übrig bleibt
24.10.2026

50.000 Euro verdienen und trotzdem völlig unterschiedlich viel Geld behalten? In Deutschland entscheidet nicht nur die Höhe des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Online-Handel: Amazon plant Investitionen von rund 16 Milliarden Euro
24.10.2026

16 Milliarden Euro will Amazon 2027 in Deutschland investieren – ein großer Teil soll in Cloud und KI rund um Frankfurt fließen. Was...

DWN
Finanzen
Finanzen Flucht in die Endlichkeit: Wie ein überforderter Anleihemarkt den Bitcoin-Kurs treibt
24.10.2026

Das US-Finanzministerium kauft seine eigenen Schulden zurück, damit sie überhaupt noch jemand haben mag, und der Bitcoin hat das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BMW X5 im Test: Warum die fünfte Generation alles anders macht
24.10.2026

Fast 100.000 Euro Einstiegspreis, bis zu 845 Kilometer elektrische Reichweite und ein Auftritt, der kaum zu übersehen ist: Mit dem neuen...