Wirtschaft

Hochansteckende Vogelgrippe breitet sich in Polen nach Westen aus

In Polen ist nach der afrikanischen Schweinepest auch die gefährliche Vogelgrippe ausgebrochen und richtet einen Schaden in Millionen-Euro-Höhe an. Dies wird mit Sicherheit auch die gesamte EU spüren, weil Polen der größte Gefügelexporteur des Kontinents ist. Ob sich die Krankheit auch auf den Menschen überträgt, ist noch nicht klar.
03.01.2020 13:00
Lesezeit: 2 min
Hochansteckende Vogelgrippe breitet sich in Polen nach Westen aus
Die Vogelgrippe wird jetzt für Polen zum Problem (Foto: dpa). Foto: Jens B

Polen, der größte Geflügelproduzent in der EU, hat zum Jahreswechsel ein massives Problem: Im Land ist die hochansteckende Vogelgrippe H5N8 ausgebrochen, die sich in Windeseile weiter nach Westen Richtung Deutschland bewegt. So hat das zuständige polnische Kreis-Veterinäramt in der Region Wielkopolska (Großpolen) in einer Ortschaft neue Fälle entdeckt.

"Wir müssen 65.000 Tiere keulen", sagte der Veterinärarzt der Kreis-Behörde, Dariusz Hyhs. Die Ortschaft, in der die Krankheit aufgetreten ist, liegt etwa 300 Kilometer oder drei einhalb Autostunden von der deutschen Grenze entfernt. Wie der polnische TV-Sender Polsat News berichtet, hat die Regierung der Region deswegen für Freitag einen Krisenstab in der Hauptstadt Poznań (Posen) einberufen.

Damit erhöht sich die Zahl der infizierten Tiere auf über 100.000. Bereits am Dienstag hatten die lokalen Behörden im Ostteil des Landes erklärt, dass die Vogelgrippe in der Ortschaft Stary Uścimów aufgetreten sei - etwa 40 Minuten von der ukrainischen Grenze entfernt. Hier hätten die Behörden 40.000 Tiere töten müssen, hieß es. Zur Orientierung: Polen erstreckt sich in der Breite über ungefähr 700 Kilometer und ist damit ähnlich groß wie Deutschland. Das zeigt, wie schnell sich die Vogelgrippe über das ganze Land von Osten nach Westen ausbreitet.

Polen beim Geflügelfleisch die Nummer eins in der EU

Das Problem: Nicht nur jede einzelne polnischen Bauer ist davon betroffen, sondern der gesamte polnische Staat, der den Landwirten den Schaden ersetzen muss. Der Sender geht davon aus, dass das Land Zahlungen in Millionen-Euro-Höhe leisten muss. Dies ist auch deswegen besonders unangenehm, weil die polnische Geflügelindustrie für die Gesamtwirtschaft eine nicht unbedeutende Rolle spielt. "Dies wird wirtschaftliche Probleme bringen", befürchtete Andrzej Żarnecki, der Sprecher des Veterinär-Amtes in Poznań.

Die polnischen Landwirte stellen pro Jahr weit mehr als eine Million Tonnen Fleisch her. Das sind ungefähr 16 Prozent des gesamten EU-Marktes. Damit sind sie sogar in ganz Europa die Nummer eins. Die Polen haben sich in den vergangenen zehn Jahren besonders gut entwickelt und sind auf der europäischen Rangliste der größte Produzenten vom sechsten auf den ersten Platz nach vorne gesprungen. Ein Grund: Die Arbeitskosten, die im Vergleich zu den westlichen Ländern relativ niedrig sind. Nicht zuletzt wegen dieser rasanten Entwicklung ist das Auftreten der Krankheit, die zuletzt 2017 im Land entdeckt wurde, besonders ungünstig.

Schätzungen zufolge exportieren die polnischen Bauern jedes zweite Tier ins Ausland - und zwar überwiegend in die EU. Das Ausbreiten der hochansteckenden Vogelgrippe wird wahrscheinlich dazu führen, dass die Länder, in die die polnischen Landwirte ihre Waren exportieren, nun die Grenzen dicht machen. Dies dürften auch die deutschen Verbraucher spüren, die nicht selten zu Feiertagen Gänse und anderes Geflügelfleisch essen, das vom östlichen Nachbarn stammt. "Die ausländischen Partner, die in Polen Geflügel kaufen, werden ihre Verträge kündigen", sagte Żarnecki.

"Bisher wissen wir noch nicht, mit was für einem Typ Virus wir es zu tun haben", erklärte der Sprecher der Veterinärbehörde. "Ob der Erreger auch für den Menschen gefährlich ist, wissen wir nicht, so Żarnecki. "Wir warten noch auf die Ergebnisse", sagte der Vertreter der Polnischen Behörde.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Panorama
Panorama Klimaschutz bis 2045: Welche Kosten auf Deutschland zukommen
12.10.2026

Elektroautos, erneuerbare Energien und ein angepasstes Stromnetz: Deutschlands Weg zur Klimaneutralität verlangt hohe Investitionen. Eine...

DWN
Technologie
Technologie Handy-Sicherheit im Unternehmen: Ein verlorenes Smartphone kann alles lahmlegen
12.10.2026

Ein verlorenes Smartphone wirkt zunächst wie ein überschaubares Problem. Doch auf dem Gerät liegen längst E-Mails, Zugänge,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ryanair-Aktie: Airline ändert Check-in-Regeln und verkürzt Zeit für die Gepäckaufgabe
12.10.2026

Ryanair-Passagiere müssen aufgegebenes Gepäck am Flughafen künftig früher abgeben. Die Fluggesellschaft verkürzt die Öffnungszeiten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Plus 20 Prozent: Briefporto könnte stärker steigen als jemals zuvor
12.10.2026

Das Briefporto könnte in Deutschland so stark steigen wie noch nie. Die Bundesnetzagentur hat einen neuen Preisspielraum vorgeschlagen,...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie steigt trotz sinkender Verkäufe: Was den Anlegern und dem Konzern Hoffnung gibt
12.10.2026

Volkswagen verkauft deutlich weniger Autos, doch die VW-Aktie legt zu. Vor allem China belastet den Konzern, während sich in Europa ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Porsche Cayenne Elektro im Test: Dieser Luxus-SUV sprengt die Leistungsgrenzen
12.10.2026

1.156 PS, null auf 100 Kilometer pro Stunde in 2,5 Sekunden und bis zu 400 Kilowatt Ladeleistung: Der elektrische Porsche Cayenne Turbo...

DWN
Technologie
Technologie „Die Super-Firewall wird nicht reichen“: Ex-BND-Chef Gerhard Schindler über die Zukunft des Wirtschaftsschutzes
12.10.2026

Künstliche Intelligenz, Cyberangriffe und klassische Spionage verschmelzen zunehmend miteinander. Gerhard Schindler, von 2012 bis 2016...

DWN
Politik
Politik Bärbel Bas tritt zurück – Alexander Schweitzer soll Arbeitsminister werden
12.10.2026

Bärbel Bas zieht sich aus der Bundesregierung und der SPD-Spitze zurück. Für das Arbeitsministerium zeichnet sich bereits eine Nachfolge...