Finanzen

Weltgrößter Hedgefonds erwartet neue Rekorde beim Goldpreis

Vor dem aktuellen Hintergrund könnte der Goldpreis bis Ende des Jahres um 30 Prozent steigen, sagt Greg Jensen, Chief Investment Officer bei Bridgewater Associates. Zudem sei derzeit der US-Dollar als weltweite Reservewährung bedroht.
16.01.2020 20:02
Lesezeit: 2 min
Weltgrößter Hedgefonds erwartet neue Rekorde beim Goldpreis
Gold sollte derzeit in den Portfolios der Anleger berücksichtigt werden, sagt Greg Jensen, Chief Investment Officer bei Bridgewater Associates. (Foto: dpa) Foto: Sven Hoppe

Der Goldpreis könnte auf ein Rekordhoch von über 2.000 Dollar pro Unze steigen könnte, sagt Greg Jensen, der als Chief Investment Officer beim weltgrößten Hedgefonds Bridgewater Associates mehr als 160 Milliarden Dollar beaufsichtigt. Denn die Zentralbanken forcieren eine höhere Inflation und die politischen Unsicherheiten nehmen zu.

Insbesondere die Federal Reserve werde die Inflation für eine Weile heiß laufen lassen, sagte Greg Jensen gegenüber der Financial Times. Und weiter: "Es wird keinen Versuch mehr von irgendeiner der großen Zentralbanken in der entwickelten Welt geben, die Zinssätze wieder zu normalisieren. Das ist eine große Sache".

Neben dem Verharren der Zinsen nahe null nennt Bridgewater politische Turbulenzen als Grund für den erwarteten Preisanstieg beim Gold. So werde die erwartete Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in den USA die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößern, und die Spannungen mit China und dem Iran nehmen zu.

Vor diesem Hintergrund sagte Jensen, dass der Goldpreis, der aktuell bei etwa 1.550 Dollar pro Unze gehandelt wird, um 30 Prozent steigen könnte und daher in den Portfolios der Anleger berücksichtigt werden sollte. "Es gibt so viele siedende Konflikte, dass es für uns sinnvoll ist, Gold in einem Portfolio zu haben. Die Menschen sollten sich auf eine viel größere Bandbreite an potentiell volatileren Umständen vorbereiten, als wir es meist gewohnt sind."

Der Chef der Federal Reserve, Jerome Powell, hat davor gewarnt, dass die Inflation infolge der negativen Erwartungen von Haushalten und Unternehmen im Hinblick auf die Preisentwicklung weiter fallen könnte. Im Dezember sagte er, dass er eine "andauernde und deutliche" Inflation sehen wollen wird, bevor er die Zinsen wieder anhebt. Daher erwartet Jensen, dass die Zinsen selbst dann nicht steigen werden, wenn die Inflation in den USA das 2-Prozent-Ziel der Federal Reserve erreichen sollte.

Die Angst vor einer sich verlangsamenden Weltwirtschaft hat im vergangenen Jahr 49 Zentralbanken weltweit dazu veranlasst, die Zinsen 71 Mal zu senken, wie Daten von JPMorgan zeigen. Allein die Fed hat die Zinsen im Jahr 2019 dreimal gesenkt, zuletzt im Oktober, und ihr aktuelles Zielband für die kurzfristigen Kreditkosten auf nunmehr 1,5 bis 1,75 Prozent abgesenkt.

Jensen will die Möglichkeit nicht ausschließen, dass die Federal Reserve die Zinsen in diesem Jahr sogar bis auf null senken könnte - ein Schritt, den die EZB und die japanische Notenbank bereits im Jahr 2016 vollzogen haben. Als Gründe für eine Absenkung des Leitzinses auf null könnte die Fed eine drohende Rezession oder eine zu geringe Inflation anführen.

Laut Jensen sollte der Goldpreis stark ansteigen, da die Zentralbanken eine höhere Inflation zulassen und da das Haushaltsdefizit und das Handelsdefizit der USA in die Höhe schnellen. Diese Entwicklungen, fügte er hinzu, könnten schließlich sogar den US-Dollar als weltweite Reservewährung bedrohen.

"Das könnte schnell geschehen oder es könnte in einem Jahrzehnt geschehen", so Jensen. "Aber es ist definitiv im Bereich der Möglichkeiten. Und wenn man sich die geopolitischen Auseinandersetzungen anschaut, wie viele ausländische Entitäten wollen wirklich Dollar halten? Und was werden sie halten? Gold sticht als Möglichkeit heraus."

Zwar haben die US-Zinssenkungen die Aktienmärkte gestärkt haben. Doch Jensen sagt, dass sein Hedgefonds Bridgewater Associates bei US-Aktien "vorsichtiger" sei. Der Chief Investment Officer warnt, dass der Großteil der Welt auf einen Anstieg der Aktienmärkte spekuliere "unter ziemlich extremen Umständen", insbesondere in den USA, was wiederum die Attraktivität der Schwellenländer steigere.

Laut Jensen erwarten die Investoren, dass Anleger eine Fortsetzung der seit Jahrzehnten anhaltenden stärkere Performance der US-Märkte erwarten. Daher seien sie "im Allgemeinen geografisch zu wenig diversifiziert".

Die US-Aktien beendeten 2019 mit ihrem besten Jahr seit 2013, wobei der Aktienindex S&P 500 um fast 29 Prozent stieg. Das Flaggschiff von Bridgewater, die Pure Alpha-Strategie, die auf makroökonomische Trends setzt, blieb hingegen fast unverändert, während der All Weather-Fonds im Jahresverlauf immerhin um 16 Prozent zulegte.

Weitere Berichte zum Thema Gold finden Sie hier.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis bei 10.000 US-Dollar? Warum Analysten einen historischen Durchbruch erwarten

Gold gilt seit jeher als sicherer Hafen, doch die aktuelle Debatte wirkt anders. Steigende globale Verschuldung, anhaltende Inflation und...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bundesagentur für Arbeit: Ohne Zuwanderung kein Wachstum für den Arbeitsmarkt in Deutschland
27.01.2026

Ausländische Arbeitskräfte tragen Deutschlands Beschäftigungswachstum, während die Zahl deutscher Erwerbstätiger sinkt. Neue Daten...

DWN
Technologie
Technologie Solarausbau stockt: Weniger neue Photovoltaik auf deutschen Dächern – Ausbauziele in weiter Ferne
27.01.2026

Der Solarausbau in Deutschland verliert spürbar an Tempo. Neue Zahlen zeigen deutliche Rückgänge bei Installationen auf Hausdächern und...

DWN
Politik
Politik Sozialstaat vor Reform: Weniger Bürokratie, mehr Effizienz und mehr Bürgernähe – es bleiben Fragen
27.01.2026

Der deutsche Sozialstaat steht vor einer tiefgreifenden Neuordnung. Weniger Bürokratie, mehr Digitalisierung und klare Zuständigkeiten...

DWN
Finanzen
Finanzen SAP-Aktie vor Zahlen: Analysten erwarten solides Wachstum – jetzt SAP-Aktie kaufen?
27.01.2026

Die SAP-Aktie steht vor entscheidenden Tagen: Am Donnerstag legt der Softwarekonzern Zahlen vor, bereits jetzt treffen Cloud-Dynamik und...

DWN
Politik
Politik Verteidigungsminister Pistorius: Gemeinsame Grönland-Mission der Nato auf gutem Weg
27.01.2026

Eine mögliche Grönland-Mission der Nato gewinnt erneut an Dynamik. Gespräche laufen, militärische Interessen sind klar benannt, doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Indien-Handelsabkommen: Neue Freihandelszone mit globaler Wirkung
27.01.2026

Die Europäische Union und Indien stehen vor einem wirtschaftspolitischen Wendepunkt. Ein neues Handelsabkommen verspricht enorme Chancen...

DWN
Finanzen
Finanzen Rechnung falsch, Steuer weg? Wie Formfehler zur Umsatzsteuer- und Vorsteuerfalle werden
27.01.2026

Formale Fehler auf Rechnungen kosten Unternehmen jedes Jahr Millionen – oft völlig unnötig. Drei typische Stolperfallen, die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bahnchefin Palla räumt in der Konzernleitung auf: Einsparungen im Volumen von 500 Millionen Euro
27.01.2026

Die Deutsche Bahn steht vor einem tiefgreifenden Umbau. Neue Sparpläne, harte Entscheidungen und klare Prioritäten prägen den Kurs der...