Wirtschaft

Wodka: Russischer Staat siegt im „Moskovskaya“-Streit

Russland kämpft seit Jahrzehnten mit einem russischen Handelskonzern um die Rechte an einer bedeutenden russischen Wodka-Marke.
01.03.2020 11:00
Lesezeit: 2 min
Wodka: Russischer Staat siegt im „Moskovskaya“-Streit
Der russische Staat kämpft um die Rechte an alten sowjetischen Wodka-Marken, die im Ausland verkauft werden. (Foto. dpa) Foto: Igor Zarembo

Das Oberste Gericht in den Niederlanden hat Russland das ausschließliche Recht für die legendären Marken-Wodka „Stolichnaya“ und „Moskovskaya“ zuerkannt. Die Entscheidung ist rechtskräftig, ohne dass es eine Widerrufsmöglichkeit gibt. Das berichtet das russische Portal Vzglad.

Damit hat Russland einen wichtigen Erfolg beim Kampf um die verlorenen gegangen Markenrechte an den Produkten gewonnen, die noch aus der sowjetischen Zeit stammen. Das Land wurde vom russischen Unternehmen FKP Soyuzplodoimport vertreten, das für Russland weltweit die Markenrechte für die russischen Wodkasorten in Anspruch nimmt.

Der Handelskonzern Spirits International (SPI Group) mit Sitz in Luxemburg, der seine Spirituosen auf dem ganzen Erdball in 160 Ländern verkauft, hatte nach dem Zerfall der Sowjetunion angefangen, seinen Wodka unter anderem unter diesen alten sowjetischen Brands zu verkaufen. Der aus Russland stammende Eigentümer Yuri Shefler nutzte dabei das rechtliche Chaos, das nach dem Zerfall der Sowjetunion herrschte. Der Streit um den „Moskovskaya” ist besonders groß, weil sich hier die SPI Group nach Ansicht des russischen Staates in übermäßigem Maße bereichert hat.

Russisches Handelsunternehmen kauft Markenrechte zum Dumpingpreis

So hatte der Handelskonzern im Jahr 1997 80 Prozent der Anteile an dem Wodkaproduzenten für lediglich 300.000 Dollar übernommen. Später stellte sich allerdings heraus, dass die Marke zu diesem Zeitpunkt 400 Millionen Dollar Wert gewesen war. SPI hatte den „Moskovskaya” folglich fast umsonst gekauft.

So stellte in den Jahren 2000 bis 2001 der Kontrollkammer, die die Verwendung der Steuergelder überwacht, fest, dass die Privatisierung fehlerhaft über die Bühne gelaufen sei. Damit erklärte die Behörde den Verkauf der Wodka-Marke an die SPI Group für illegal. Shefler, der Eigentümer der Handelsgruppe, erklärte hingegen, er habe davon nichts gewusst, und setzte den Verkauf der Spirituosen unter diesem Brand einfach im Ausland fort. Mittlerweile häufte der Manager damit ein Vermögen von 1,6 Milliarden Dollar und avancierte damit in der Tabelle der reichsten Russen auf den 60. Platz.

Der russische Staat hingegen ließ nicht locker und gründete die Handelsgesellschaft FKP Soyuzplodoimport, die im Auftrag Russlands die Interessen des Landes rechtlich durchsetzen sollte. Das jüngste Urteil des Obersten niederländischen Gerichtes ist nun eine Etappe im Streit der Kontrahenten, der sich über lange Jahre hinzieht. Der Richterspruch gilt für die Niederlande, Belgien und Luxemburg und wird von den Vertretern des russischen Staates einhellig begrüßt:

„Dies ist eine bahnbrechnenden Entscheidung, die ein Präzedenzfall für andere Prozesse werden kann, die Russland in anderen Ländern Europas und der Welt angestrengt hat. Dies ist ein Sieg, den wir international davon getragen haben, wenn es um die Verteidigung des Geistens Eigentums geht”, sagtre der Sprecher von FKP Soyuzplodoimport, Aleksey Maklakov. „So hat Russland eine große Chance, in ganz Europa die Rechte an den alten sowjetischen Marken wiederzubekommen”, fügte Maklakov hinzu.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen DreiMeister-Insolvenz: Traditionsreicher Schokoladenproduzent unter Druck – 150 Jobs bedroht
22.05.2026

Mit der DreiMeister-Insolvenz gerät ein bekannter deutscher Pralinenhersteller in schwere Turbulenzen. Trotz internationaler Kunden und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: S&P verzeichnet längste Gewinnserie seit 2023
22.05.2026

Was die Märkte antreibt und welche entscheidenden Signale Anleger jetzt im Blick behalten sollten

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Start-up selvendo: Wenn künstliche Intelligenz Unternehmensnachfolger für den Mittelstand sucht
22.05.2026

Rund 250.000 Unternehmen stehen in den kommenden Jahren vor dem Aus, weil sich kein Nachfolger findet. Das Start-up selvendo vermittelt...

DWN
Finanzen
Finanzen Trade Republic attackiert Europas Banken mit sechs Prozent Zinsen
22.05.2026

Sechs Prozent Zinsen, Brad Pitt im Werbespot und ein deutscher Anbieter, der in Polen plötzlich klassische Banken herausfordert. Trade...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft im Alarmzustand: Fünf Daten zerlegen den Aufschwung
22.05.2026

Deutschland steht wirtschaftlich schlechter da, als das schwache Wachstum vermuten lässt. Industrie, Konsum, Inflation und Arbeitsmarkt...

DWN
Technologie
Technologie Strategische Aufrüstung: Hessen baut Drohnenzentrum für militärische Erprobung in Kassel
22.05.2026

Das Land Hessen und die TU Darmstadt forcieren den Aufbau eines spezialisierten Drohnenzentrums am Kassel Airport, das noch in diesem Jahr...

DWN
Politik
Politik Apotheke statt Arztpraxis? Bundestag beschließt weitreichende Reform der Patientenversorgung
22.05.2026

Das deutsche Gesundheitssystem steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Durch neue Gesetzespläne von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU)...

DWN
Panorama
Panorama Tanken vor Pfingsten günstiger – Dieselpreis fällt auf Tiefstand seit März
22.05.2026

Pünktlich vor dem langen Pfingstwochenende können Autofahrer in Deutschland etwas aufatmen: Die Spritpreise sind zuletzt spürbar...