Technologie

Trübe wirtschaftliche Lage lindert Engpass an IT‑Fachkräften

Die Wirtschaft in Deutschland schrumpft seit über zwei Jahren. Während viele Branchen unter Konjunktursorgen leiden, zeigt sich im Segment der IT‑Arbeitskräfte zumindest eine leichte Entspannung. Das ist allerdings kein gutes Zeichen.
08.08.2025 07:30
Lesezeit: 2 min

Rückgang unbesetzter IT‑Stellen

Die Zahl unbesetzter IT‑Stellen in Deutschland ist deutlich gesunken. Laut dem Digitalbranchenverband Bitkom fehlen der Wirtschaft derzeit etwa 109.000 IT-Fachkräfte, während es vor zwei Jahren noch 149.000 waren.

Einschätzung der Unternehmen

In einer Umfrage unter 855 Unternehmen mit mindestens drei Beschäftigten wollten die Verantwortlichen jedoch nicht von einer Trendwende sprechen. Fünfundachtzig Prozent klagten weiterhin über einen Mangel an IT‑Fachkräften, nur vier Prozent sahen ein Überangebot, und zehn Prozent fanden das Angebot ausreichend. 79 Prozent erwarten, dass sich der Mangel verschärft, nur vier Prozent rechnen mit einer Entspannung, und sechzehn Prozent sehen keine Veränderung.

Neueinstellungen eher zurückhaltend

Bitkom‑Präsident Ralf Wintergerst sagte, die konjunkturelle Eintrübung und geopolitische Unsicherheiten hätten dazu geführt, dass Unternehmen bei Neueinstellungen zögerlich seien oder sogar IT‑Stellen abgebaut hätten. „Zugleich schreitet die Digitalisierung der Unternehmen, aber auch in Verwaltungen und Behörden, voran, so dass dort eher mehr als weniger IT‑Expertinnen und ‑Experten benötigt werden.“

Demografie und KI‑Einsatz

Die demografische Entwicklung stellt die Wirtschaft vor Herausforderungen: Viele IT‑Fachkräfte der Boomer‑Generation gehen in den Ruhestand, während weniger Nachwuchs nachrückt. Um den Mangel zu lindern, setzt jedes zwölfte Unternehmen (acht Prozent) verstärkt auf Künstliche Intelligenz.

KI: Job‑Risiko oder Innovator?

Wintergerst sagte, es lasse sich bisher nicht sagen, welche Auswirkungen KI unter dem Strich auf den Arbeitsmarkt haben werde. So rechnet rund jedes vierte Unternehmen (27 Prozent) damit, dass es Stellen durch KI abbauen werde. 16 Prozent erwarten hingegen, dass dadurch Stellen verzichtbar werden, die ohnehin nicht besetzt werden können. 42 Prozent wiederum gehen davon aus, dass KI für einen zusätzlichen Bedarf an IT‑Fachkräften im Unternehmen sorgen werde.

Wettbewerb um IT‑Talente verbessert

Die aktuelle politische Lage verbessert wiederum die Chancen deutscher Unternehmen im Wettbewerb um internationale IT‑Spezialisten. In der Bitkom‑Umfrage sagten 45 Prozent der Unternehmen, die USA hätten durch die Politik von Präsident Trump an Attraktivität für ausländische IT‑Fachkräfte verloren. 21 Prozent sehen die Möglichkeit, IT‑Fachkräfte aus den USA nach Deutschland zu holen, und 27 Prozent meinen, es sei nun leichter, IT‑Fachkräfte aus Nicht‑EU‑Ländern nach Deutschland statt in die USA zu bringen.

Weiterbildung und Innovation als Antwort: Fokus auf 2025

Aktuell setzen Unternehmen verstärkt auf Weiterbildung, um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen – als strategische Reaktion auf technologischen und demografischen Wandel. In der Industrie investiert rund drei Viertel der Unternehmen (74 Prozent) gezielt in Schulungen rund um Industrie 4.0, wobei 68 Prozent durch die Technologie neue Fachkräftebedarfe entstehen sehen - laut Bitkom. Parallel deutet der McKinsey‑HR‑Monitor 2025 auf eine Weiterbildungskrise hin: Unternehmen, die Future‑Skills wie Problemlösung, Datenanalyse und KI vernachlässigen, gefährden ihre Wettbewerbsfähigkeit erheblich. Und selbst dort, wo KI bereits eingeführt wird, fehlen oft gezielte Schulungen: Laut einer Analyse erhalten 44 Prozent der Beschäftigten derzeit überhaupt keine Weiterbildung, obwohl der Schulungsbedarf steigt. Für Führungskräfte und Unternehmer bedeutet das: Strategische Investitionen in gezielte, technologieorientierte Qualifizierung sind kein Luxus, sondern essenziell, um in 2025 nicht nur dem Fachkräftemangel zu begegnen, sondern gleichzeitig Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit zu sichern.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenschluss: Chipwerte ziehen Nasdaq nach untentitle
27.07.2026

Spannung an der Wall Street: Was Anleger jetzt über die jüngsten Marktbewegungen wissen müssen.

DWN
Panorama
Panorama Cybersicherheit im Urlaub: Diese zehn Fehler machen Sie zum leichten Opfer
27.07.2026

Ein falscher QR-Code, eine überzeugende E-Mail oder ein gestohlenes Smartphone können den Urlaub abrupt beenden. Cyberkriminelle setzen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Toyota steigt bei Cellcentric ein: Wasserstoff-Offensive gemeinsam mit Daimler Truck und Volvo
27.07.2026

Toyota steigt bei Cellcentric ein und mischt den Markt für Brennstoffzellen auf. Gemeinsam mit Daimler Truck und Volvo soll die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preisoffensive im Handel: Wie Sie jetzt bei Haushaltswaren und Hörbüchern kräftig sparen können
27.07.2026

Sommerzeit ist Angebotszeit: Während Verbraucher ihre Ausgaben genauer planen, überbieten sich Händler mit attraktiven Preisaktionen....

DWN
Finanzen
Finanzen SAP-Aktie nach Zahlen im Höhenflug: Analysten bleiben gespalten – wie Anleger reagieren sollten
27.07.2026

Die SAP-Aktie überrascht nach den Quartalszahlen mit einer kräftigen Erholung. Während das starke Cloud-Geschäft Anleger begeistert,...

DWN
Politik
Politik Fragen nach dem CSD-Anschlag: Warum war der verurteilte Täter Abdul B. nicht in Haft?
27.07.2026

Nach dem CSD-Anschlag in Berlin richtet sich der Blick nicht mehr nur auf den mutmaßlichen Täter. Auch Gerichte, Strafrecht und...

DWN
Politik
Politik Neuer Verkehrsminister vor gewaltigen Herausforderungen: Die größten Baustellen für Bilger
27.07.2026

Mit Steffen Bilger bekommt das Verkehrsministerium einen erfahrenen Fachpolitiker an die Spitze. Doch der Wechsel allein beseitigt keine...

DWN
Politik
Politik Plant Trump eine Bodenoffensive? Pakistan warnt vor möglichem US-Militäreinsatz im Iran
27.07.2026

Bereitet US-Präsident Donald Trump eine Bodenoffensive im Iran vor? Hinweise aus Pakistan jedenfalls sorgen für Aufmerksamkeit....