Panorama

EU warnt vor Fake News aus Russland über angebliche Corona-Heilmittel

Der Europäische Auswärtige Dienst warnt, dass Russland und China in Europa Lügen über das Coronavirus verbreiten und damit die Gesundheit von Millionen Menschen gefährden.
22.04.2020 16:29
Lesezeit: 2 min
EU warnt vor Fake News aus Russland über angebliche Corona-Heilmittel
Die EU kritisiert Fake News aus Russland, wonach der US-Milliardär Bill Gates, im Bild mit Angela Merkel, Massenimpfungen erzwingen will. (Foto: dpa) Foto: Bernd von Jutrczenka

"Die vom Kreml unterstützte Desinformation ... widerspricht den offiziellen Leitlinien der WHO [Weltgesundheitsorganisation]", zitiert EUobserver aus einem Bericht des Auswärtigen Dienstes der EU vom Montag. Einige russische Berichte über angebliche Heilmittel seien "besonders beunruhigend und bösartig", weil sie eine Gefahr für die Gesundheit der Menschen in Europa darstellen.

So würden russische Staatsmedien berichten, dass Backpulver, Zitrone, Vitamin C und Zink das Coronavirus töten könnten, dass hingegen Händewaschen wirkungslos sei. Zu den Falschmeldungen aus Russland gehören nach Ansicht der EU-Diplomaten auch Theorien, wonach der US-Milliardär Bill Gates "Massenimpfungen und die Implantation von Nano-Chips erzwingen wird", um die Menschen zu kontrollieren.

Auch sagten russische Medien, dass 5G-Netze die Pandemie verursacht hätten oder dass das Coronavirus ein Schwindel sei, den es gar nicht gebe. Zudem handelt es sich den EU-Diplomaten zufolge um Fake News, wenn Berichte aus Russland behaupten, die EU-Staaten seien in der Corona-Krise "ineffektiv, gespalten und zynisch" im Umgang miteinander.

Gleichzeitig führe China "eine weltweite Desinformationskampagne durch, um von seiner Schuld für den Ausbruch der Corona-Pandemie abzulenken und um sein internationales Image zu verbessern", so der Bericht des Europäischen Auswärtigen Dienstes, der in dieser Woche veröffentlicht werden soll.

Russland und China haben den EU-Diplomaten zufolge "offene und verdeckte Taktiken" angewandt. Zu den offenen Taktiken gehörten die Zurschaustellung von Empörung durch russische und chinesische Diplomaten sowie staatliche Propaganda. Zu den verdeckten Taktiken gehörten gefälschte Blogs, Trolle und Bot-Armeen.

In einem Fall wurden beispielsweise in einem Zeitraum von zwei Wochen im März "Tausende von Tweets mit Pro-China-Hashtags", die von "Bots" in Italien veröffentlicht wurden, dazu benutzt, "Botschaften der chinesischen Botschaft, die die EU angreift" zu verstärken.

Berichte über angebliche Heilmittel hätten eine "lange Halbwertszeit", so der EU-Bericht. Einiges Material sei 1,7 Millionen Mal auf Facebook geteilt und von mehr als 117 Millionen Menschen gesehen worden. "In allen Sprachen werden falsche oder höchst irreführende Inhalte weiterhin verbreitet, selbst wenn sie von lokalen Faktenprüfern markiert wurden."

Fake News können gefährliche Auswirkungen haben. So glaubt ein Drittel der Briten, dass Wodka ein wirksames Handdesinfektionsmittel ist, so eine kürzlich durchgeführte Umfrage des britischen Meinungsforschungsinstituts YouGov. Laut derselben Umfrage glaubt ein Fünftel der Briten, dass das Coronavirus nicht natürlich entstanden, sondern im Labor hergestellt worden ist. Das Vertrauen in China schoss in die Höhe, während die Zustimmung zur EU im März in Italien einbrach, so ein anderer Meinungsforscher.

"Wir befinden uns in einer Schlacht der Narrative darüber, welches das beste politische System ist [...] dies wird die geopolitische Landschaft nach der Krise prägen", sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Montag. China und Russland versuchten, "ihre eigene Agenda voranzubringen und die Verlässlichkeit der EU in Zweifel zu ziehen, manchmal mit Halbwahrheiten, manchmal mit reinen Fälschungen." Und weiter: "Wir müssen ein positives Narrativ über die Solidarität und das Engagement der EU fördern. Wir berühren nicht die Herzen der Menschen."

Die russische EU-Botschaft weist Vorwürfe der Desinformation durch den Kreml seit langem zurück. Die chinesische EU-Botschaft hat es abgelehnt, die Fragen des EUobserver zu diesem Thema zu beantworten. In kleinerem Umfang würden auch der Iran und die Türkei Fake News verbreiten, fügt der EU-Bericht vom Montag hinzu.

So benutze der Iran das Coronavirus, das angeblich eine biologische Waffe der USA ist, um für die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen zu plädieren. Und in der Türkei "wurden Anti-EU-Narrative von regierungsfreundlichen Medien, Politikern und Meinungsmachern instrumentalisiert, um nationalistische Gefühle zu bündeln", fügte der EU-Bericht hinzu.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen So bleiben deine Online-Finanzdaten geschützt

Heutzutage wird jede deiner Aktivitäten online nachverfolgt. Es fühlt sich an, als würde immer jemand deine Einkäufe im Internet...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Globale Staatsverschuldung auf Rekordniveau: Was Anleger jetzt wissen sollten
12.04.2026

Die globale Verschuldung nimmt weiter zu und übertrifft zunehmend das Wachstum der Weltwirtschaft, während steigende Zinsen die...

DWN
Panorama
Panorama A leader is a dealer in hope: Warum wir Führung heute neu denken müssen
12.04.2026

Leadership gilt als moralischer Kompass unserer Zeit: empathisch, inklusiv, kontrolliert. Doch passt dieses Ideal zur Realität...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Arbeitsverträge als Risiko: So vermeiden Unternehmen teure Fehler
12.04.2026

Arbeitsverträge gelten in vielen Unternehmen als Formalität, doch fehlerhafte oder veraltete Vereinbarungen können schnell rechtliche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Geely Cityray im Test: Was stimmt eigentlich nicht mit dem günstigen Chinesen?
12.04.2026

Der Geely Cityray gehört zu den vernünftigsten Familien-SUV auf dem Markt. Für einen Preis von 27.000 Euro, der eher dem Segment...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Rüstungsprojekte unter Druck: Milliardeninvestitionen geraten ins Stocken
12.04.2026

Europa investiert Milliarden in neue Verteidigungssysteme, doch zentrale Projekte geraten durch Konflikte, Verzögerungen und steigende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Richtlinien im E-Commerce: One-Click-Return setzt neue Standards
12.04.2026

Neue EU-Vorgaben setzen den Onlinehandel unter Druck, da Rückgaben künftig genauso einfach funktionieren müssen wie der Kaufprozess...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation und Wachstum unter Druck: EZB warnt vor Risiken durch Energiepreise
12.04.2026

Die wirtschaftlichen Risiken im Euroraum nehmen durch steigende Energiepreise und geopolitische Spannungen spürbar zu, während die EZB...

DWN
Politik
Politik Waffenruhe im Iran-Krieg: Trumps riskante Atempause – Probleme im Iran-Konflikt bleiben ungelöst
11.04.2026

Donald Trump feiert die Waffenruhe als Erfolg im Iran-Krieg. Doch entscheidende Fragen bleiben offen, während geopolitische Spannungen...