Politik

Einwanderung in USA wird zunächst für 60 Tage ausgesetzt

Das Coronavirus plagt die USA und ihre Wirtschaft schwer. Nun führt Trump die Epidemie als Begründung dafür an, die USA weiter abzuschotten.
22.04.2020 15:41
Lesezeit: 3 min
Einwanderung in USA wird zunächst für 60 Tage ausgesetzt
US-Präsident Donald Trump beschränkt die Einwanderung in die USA. (Foto: dpa) Foto: Alex Brandon

US-Präsident Donald Trump will Einwanderung in die USA wegen der Corona-Krise zunächst für einen Zeitraum von 60 Tagen aussetzen. Der Schritt betreffe im Wesentlichen jene, die sich um einen dauerhaften Aufenthalt mit einer Green Card bemühten, sagte Trump am Dienstagabend (Ortszeit) im Weißen Haus. Er gelte nicht für vorübergehende Aufenthaltsgenehmigungen. Jobs und medizinische Ressourcen würden nun für Amerikaner gebraucht, sagte der Präsident zur Begründung. Trump kündigte auf Twitter an, einen entsprechenden Erlass noch am Mittwoch zu unterzeichnen.

Die Epidemie habe amerikanische Arbeiter schwer getroffen, sagte Trump im Weißen Haus mit Blick auf die Millionen Menschen in den USA, die wegen der Krise in den vergangenen Wochen ihren Job verloren. Es wäre «falsch und ungerecht», wenn sie durch Arbeiter aus dem Ausland ersetzt würden. Die Aussetzung der Einwanderung werde auch dabei helfen, wichtige medizinische Ressourcen für US-Bürger zu bewahren. Nach 60 Tagen werde auf Basis der Lage der Wirtschaft überprüft werden, ob die Frist verlängert werde.

Die Maßnahme des Republikaners ist ein weiterer Schritt seiner Regierung, mit der Corona-Pandemie stärkere Einschränkungen der Einwanderung zu rechtfertigen. Die Entscheidung dürfte sicher schon bald US-Gerichte beschäftigen. Trump hatte am Montagabend auf Twitter überraschend verkündet, Einwanderung in die USA zeitweise auszusetzen. Details zur geplanten Geltungsdauer und dazu, wer genau davon betroffen sein sollte, hatte er zunächst offengelassen.

Die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, warf Trump vor, mit dem Schritt von seinem «Versagen» bei den Tests auf das Coronavirus ablenken zu wollen. Bei den Testkapazitäten herrsche weiterhin Mangel, sagte sie am Mittwoch dem Sender MSNBC.

Trump sagte mit Blick auf die Maßnahme, es seien bestimmte Ausnahmen in der Verfügung vorgesehen. Er deutete an, Landwirte würden - wohl mit Blick auf befristet eingestellte Erntehelfer - nicht von der Entscheidung betroffen sein. Genauere Details würden verkündet, sobald der Erlass fertig sei. «Es ist eine starke Verfügung», sagte er. Nach dem Ablauf der 60 Tage wolle er die Lage - vor allem mit Blick auf die Wirtschaft - neu bewerten. Davon hänge ab, ob die Aussetzung verlängert werde. Er betonte: «Im Moment müssen wir Jobs für Amerikaner haben.»

Wegen der Corona-Krise verloren in den USA binnen eines Monats rund 22 Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz. Die rasante Ausbreitung des Coronavirus hat das öffentliche Leben in den USA weitgehend zum Erliegen gebracht. Viele Mitarbeiter geschlossener Unternehmen müssen Arbeitslosenhilfe beantragen. Es handelt sich um die dramatischste Entwicklung am US-Arbeitsmarkt seit Jahrzehnten.

Angesichts der verheerenden Wirtschaftsentwicklung durch die Corona-Krise beschloss der US-Senat am Dienstag ein weiteres Konjunkturpaket in Höhe von 480 Milliarden US-Dollar (440 Milliarden Euro). Es soll noch diese Woche auch vom Repräsentantenhaus verabschiedet werden. Der Kongress hatte im März bereits ein Konjunkturprogramm in Höhe von rund 2,2 Billionen Dollar beschlossen.

Mit dem neuen Paket soll ein Kreditprogramm für kleine und mittlere Unternehmen um rund 320 Milliarden Dollar aufgestockt werden - mit dem Ziel, den Anstieg der Arbeitslosigkeit zu begrenzen. Für ein weiteres Kreditprogramm sind rund 60 Milliarden Dollar eingeplant, zudem 75 Milliarden Dollar für das Gesundheitswesen und weitere 25 Milliarden Dollar für Corona-Tests und Forschung zu dem Thema.

US-Finanzminister Steven Mnuchin sagte, in einem weiteren Schritt könne es noch ein großes Infrastrukturpaket geben, um die Wirtschaft nachhaltig anzukurbeln. Auch Hilfen für stark betroffene Branchen wie das Gastgewerbe seien denkbar. Zudem könne auch Bundesstaaten und Kommunen, deren Einnahmen wegbrechen, geholfen werden, zitiert die dpa Trump.

Der dramatische Absturz auf dem Arbeitsmarkt macht Trump mit Blick auf die anstehende Präsidentenwahl im November schwer zu schaffen. Der Verweis auf eine starke Wirtschaft gehört zu seinen wichtigsten Wiederwahlargumenten. Zugleich steht Trump seit jeher für eine äußerst strikte Migrationspolitik. Kritiker werfen ihm vor, die Corona-Pandemie nun als Vorwand zu nutzen, um weitere Restriktionen beim Thema Migration voranzutreiben.

Die US-Regierung hatte Ende Januar einen Einreisestopp für ausländische Reisende aus China verfügt, wo die Pandemie ihren Ursprung genommen hatte. Später folgte ein Verbot von Einreisen aus Europa, wo mehrere Staaten ebenfalls schwer von der Epidemie betroffen sind. Trump ließ wegen des Coronavirus auch die Grenzen zu Mexiko und Kanada weitgehend schließen. Alle an der südlichen Grenze illegal festgenommene Menschen werden inzwischen rasch in ihre Heimatländer überstellt, darunter auch Asylbewerber. Seit Ende März stellen die USA weltweit praktisch ohnehin keine Visa mehr aus.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Neue deutsch emiratische Investitionen stärken Dubais Standortrolle

Die Zeiten, in denen eine Firma vor allem am eigenen Standort und nur begrenzt darüber hinaus florieren wollte, sind vorbei. Heute sind...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street erholt sich nach Fed-Zinserhöhung
17.09.2026

Nach turbulenten Tagen fassen die Anleger wieder Mut – das sind die wichtigsten Treiber der jüngsten Kursbewegung.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Landgericht Frankfurt entscheidet: Meta muss für betrügerische Social-Media-Anzeigen haften
17.09.2026

Fake-Werbung auf Plattformen wie Facebook und Instagram bleibt für Meta nicht länger ohne rechtliche Folgen. Nach einer Entscheidung des...

DWN
Politik
Politik Unerwartete Wende: Russland behält Kontrolle über wichtige Basen am Mittelmeer
17.09.2026

Nach dem Sturz von Bashar al-Assad schien Russlands militärische Präsenz in Syrien infrage zu stehen. Doch nun zeigt sich eine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiekrise in Europa: Warum Anleger plötzlich profitieren können
17.09.2026

Die Ruhe an Europas Energiemärkten war offenbar nur geliehen. Öl und Gas verteuern sich wieder, die Inflation bleibt hartnäckig und die...

DWN
Panorama
Panorama Zuwanderung bremst Trend: Immer mehr Menschen in Deutschland leben wieder in Familien
17.09.2026

Fast die Hälfte der Menschen in Deutschland wohnt zusammen mit Eltern oder Kindern in einem Haushalt. Nach einer langen Phase des...

DWN
Politik
Politik Überwachung und Chat-Weitergabe: BGH lässt EuGH-Datenschutzregeln im Privatleben klären
17.09.2026

Darf man Angehörige heimlich filmen oder private WhatsApp-Nachrichten an Dritte weiterleiten? Zwei verfahrene Alltagsstreitigkeiten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Comeback mit Verbrennungsmotoren: Volvo schaltet auf gemischten Antrieb um
17.09.2026

Volvo will den Weg aus der Krise schaffen und setzt dabei wieder verstärkt auf Verbrenner. Neue Fahrzeugmodelle sollen dem schwedischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gewerkschaftsstudie: Gesenkte Gastronomie-Mehrwertsteuer bringt Gästen keine Preisvorteile
17.09.2026

Seit Jahresbeginn gilt für Restaurantspeisen der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Trotzdem verzeichnen Verbraucher...