Wirtschaft

Querelen ohne Ende: Polen greift Russland erneut wegen Nordstream 2 an

Der Bau der Gasleitung Nordstream 2, den Deutschland gemeinsam mit Russland plant, kommt nie zur Ruhe. Jetzt attackiert wieder Polen das umstrittene Projekt.
03.06.2020 13:35
Lesezeit: 1 min
Querelen ohne Ende: Polen greift Russland erneut wegen Nordstream 2 an
Das Projekt Nordstream 2 wird einmal mehr von Polen unter Beschuss genommen. (Foto: dpa) Foto: Bernd W

Polen attackiert erneut die Ostsee-Pipeline "Nordstream 2", die Russland gemeinsam mit Deutschland durch die Ostsee bauen will. So haben die polnischen Antimonopolbehörden UOKiK gegen den russischen Gaskonzern Gazprom ein weiteres Verfahren eingeleitet. Der Vorwurf: Während der Ermittlungen, die das polnisches Amt gegen das Unternehmen bereits eingeleitet hat, hätten die Russen den Polen angeblich zu wenig Informationen erteilt. Jetzt droht dem Konzern eine Strafzahlung von 50 Millionen Euro. "Wir verfügen bereits über das entsprechende Beweismaterial", sagte der Vorsitzende des polnischen Amtes, Tomasz Chróstny.

Hintergrund: Polen ermittelt schon seit Jahren, ob es beim Bau der Nordstream 2 nicht zu unerlaubten Marktkonzentration kommt. Das Land will das Projekt aus politischen Gründen unbedingt verhindern, weil es aus seiner Sicht eigentlich hätte einbezogen werden müssen. So versucht das östliche EU-Mitglied seit Jahren das Vorhaben auf rechtlichem Wege zu stoppen. Das polnische Amt hatte Anfang des Jahres Gazprom aufgefordert, Auskunft über Verträge zu erteilen, die der Konzern mit anderen Firmen geschlossen hatte, die an dem Bau beteiligt sind.

Dabei ging es überwiegend um Kontrakte, die den Transport, den Vertrieb und die Lieferung des Gases regeln. Dieser Aufforderung ist Gazprom bis heute nicht nachgekommen. "Der russische Gigant darf nicht außerhalb des Rechtes handeln. Deshalb haben wir gegen Gazprom ein Verfahren eingeleitet,", erklärte der Chef des UOKiK.

Dies ist bereits der nächste Schlag gegen Gazprom, den das Unternehmen innerhalb der vergangenen Monate hat hinnehmen müssen. So hatte bereits das Schiedsgericht in Stockholm am 3. März den russischen Konzern zur einer Zahlung von 1,5 Milliarden Dollar an den polnischen Gasvorsorger PGNiG verpflichtet. Der russische Konzern hatte dagegen bereits Berufung eingelegt. Nun kommt mit der Einleitung des Verfahrens durch das polnische Monopolamt ein weiterer Angriff auf das Unternehmen. "Ein weiterer Schlag auf Gazprom aus Polen", schreibt die polnische Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "Business Insider".

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Anleihen: Warum Schulden so teuer sind wie lange nicht
05.09.2026

Die Renditen langfristiger Staatsanleihen großer Volkswirtschaften sind auf Niveaus gestiegen, die teils seit der Finanzkrise nicht mehr...

DWN
Technologie
Technologie Biometrie-Panne: Die gefährlichste Rolle ist der Zwilling
05.09.2026

Manche Dinge sind offenbar selbst für die klügsten Systeme eine zu große Herausforderung. Und dies ist eine Glosse genau über diese...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: US-Aktien schließen im Minus; Trump schießt gegen die Fed
04.09.2026

Spannung an der Wall Street: Was die Märkte jetzt bewegt und warum Anleger aufmerksam bleiben sollten.

DWN
Technologie
Technologie Samsung-Streit: Stadt darf vorerst keine neuen iPads kaufen
04.09.2026

Viele Kommunen setzen bei der Digitalisierung ihrer Schulen auf Tablets von Apple. Doch ein Rechtsstreit mit Samsung zwingt die Stadt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Apple-Aktie: Die vier wichtigsten Herausforderungen für Apples neuen Chef John Ternus
04.09.2026

Und so beginnt es. John Ternus hat Tim Cook offiziell als Vorstandschef von Apple abgelöst. Und was für ein Imperium er erbt.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Neura: Roboter-Attacke aus Schwaben
04.09.2026

Humanoide Roboter verlassen die Labore und sollen bald Fabriken, Krankenhäuser und Haushalte erobern – ein deutsches Unternehmen setzt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft So geht China mit Photovoltaik gegen Kohle vor
04.09.2026

China baut die Solarenergie in einem Tempo aus, das den globalen Energiemarkt verändert. Die installierte Leistung der Solarkraftwerke...

DWN
Politik
Politik DWN-Podcast Folge 41: Die Woche im Rückblick – KW 36
04.09.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...