Wirtschaft

Weltweite Ölförderung steuert auf schwersten Einbruch seit der Jahrtausendwende zu

Einer aktuellen Analyse zufolge wird es im laufenden Jahr zum schwersten Einbruch auf dem Energiemarkt seit Anfang des Jahrhunderts kommen.
19.07.2020 12:28
Lesezeit: 2 min

Auf dem weltweiten Ölmarkt wird es im laufenden Jahr Analysten zufolge zum höchsten Rückgang der Fördermenge seit mindestens Anfang des Jahrhunderts kommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Energieberaters Rystad Energy.

Demnach wird die Anzahl der betriebenen Bohrlöcher auf dem Globus 2020 nur noch etwa 55.000 betragen – dies wäre ein massiver Rückgang von 23 Prozent im Vergleich zu den etwa 72.000 Bohrstellen, welche noch im Vorjahr in Betrieb waren, zitiert der Branchendienst Oilprice.com aus der Analyse. Rystad schätzt weiterhin, dass die Zahl der Bohrlöcher die Marke von 72.000 auch bis zum Jahr 2025 nicht mehr erreichen wird, was für eine lange Weltwirtschaftskrise spricht.

Nordamerika besonders stark betroffen

Besonders stark wird der Rückgang den Prognosen zufolge mit etwa 50 Prozent in Nordamerika ausfallen. Dort (insbesondere in den USA) war die Anzahl der Bohrlöcher bereits in den ersten Monaten der Corona-Pandemie massiv eingebrochen, was zu einer schweren Krise in der sehr kapitalintensiven Branche und ersten großen Insolvenzfällen geführt hatte.

Die Situation im amerikanischen Ölsektor dürfte sich jedoch auch ohne die im Zuge der Corona-Pandemie jüngst ausgelösten Weltwirtschaftskrise in den nächsten Jahren deutlich verschlechtern. Denn die Fracking-Unternehmen, die mehr als die Hälfte der gesamten Fördermenge der USA generieren, sind in der Regel hoch verschuldet und daher sehr anfällig für niedrige Rohölpreise und damit einhergehende schwindende Erträge. Auch bei dem aktuellen Preis für die führende amerikanische Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) arbeiten die meisten der Betriebe noch unterhalb der Gewinnschwelle. Zudem ist die Fracking-Methode sehr Energie- und kostenintensiv und kann deshalb schon strukturell nicht mit den Ölkonzernen von der arabischen Halbinsel mithalten, welche in technischer Hinsicht viel leichter an das Rohöl kommen.

Dem Chef eines der größten texanischen Fracking-Unternehmen zufolge habe die US-Ölindustrie den „Peak Oil“-Moment bereits hinter sich – die Fördermengen der USA werden demnach nie mehr die Anfang des Jahres erreichte Tages-Gesamtfördermenge von rund 13 Millionen Barrel (Faß zu 159 Litern) Rohöl erreichen, weil nun nicht mehr nur die konventionellen Ölförderer, sondern auch die Fracking-Branche auf dem Rückzug sei. „Ich denke nicht, dass ich jemals wieder 13 Millionen Barrel am Tag in meinem Leben sehen werde“, zitiert die Financial Times den Unternehmer.

Die Lichtblicke: Brasilien, Australien und China

Die Analysten von Rystad erwarten, dass der Einbruch der Ölförderung auch schwerwiegende Auswirkungen für die vorgelagerten Zulieferbranchen der Energiewirtschaft weltweit haben wird. Die Nachfrage nach Werkzeugen und Spezialteilen, Maschinen und mit dem Ölgeschäft verbundenen Dienstleistungen werde im laufenden Jahr verglichen mit 2019 je nach Markt zwischen 20 und 50 Prozent zurückgehen.

Einige Lichtblicke gebe es aber doch – vor allem im Bereich der Ölförderung auf hoher See, schreibt Rystad Energy: „Trotz der Stagnation bieten Brasilien, Australien und China auf kurze Sicht weiterhin aufregende Möglichkeiten mit erwarteten Steigerungsraten von 20 bis 40 Prozent bei der Hochsee-Ölförderung, während Großbritannien, Guyana und Mexiko mittel- bis langfristig attraktiv aussehen. Die USA werden bei der Nachfrage nach Ausrüstung bei der Förderung an Land führend bleiben, während Norwegen bei der Hochsee-Förderung diesen Platz einnimmt.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Panorama
Panorama Forbes-Liste der reichsten Menschen: Elon Musk kann erster Billionär der Welt werden
15.03.2026

In der aktuellen Forbes-Liste der reichsten Menschen liegt Tesla-Chef Elon Musk quasi uneinholbar in Front. Bei einem erfolgreichen...

DWN
Politik
Politik Steuerrecht: Ehegattensplitting vorm Aus? Mehr Arbeitszeit für Frauen nicht lukrativ
15.03.2026

Für viele Frauen lohnt es sich finanziell nicht, in den Job zurückzukehren oder ihre Teilzeit auszubauen, das Ehegattensplitting entpuppt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Industrial Accelerator Act: EU-Kommission stärkt Industriepolitik – Anteil am BIP soll auf 20 Prozent steigen
15.03.2026

Die Europäische Kommission will mit dem Industrial Accelerator Act die Industriepolitik der EU neu ausrichten und die Produktion in Europa...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilien-Prognose 2026: Bremst das Baukreditgeschäft alles aus?
15.03.2026

Nach einem hoffnungsvollen 2025 wird die Preisentwicklung für Immobilien laut Greis-Kaufpreisindex im laufenden Jahr 2026 wieder...

DWN
Finanzen
Finanzen Mazda 6e im Vergleich: Wie wettbewerbsfähig ist das Elektromodell?
15.03.2026

Die neue Mazda 6e entsteht auf chinesischer Plattform und markiert einen strategischen Neustart für die Baureihe Mazda6. Kann das...

DWN
Technologie
Technologie Immer mehr US-Forschende zieht es nach Deutschland
15.03.2026

Aus politischen Gründen geht das Weiße Haus gegen Elite-Unis vor. Für Wissenschaftler und Studierende aus den USA wird Deutschland daher...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI trifft auf SaaS: Steht die Softwarebranche vor einem Strukturwandel?
15.03.2026

Künstliche Intelligenz verändert die wirtschaftliche Logik der Softwarebranche und setzt das klassische SaaS-Modell unter Druck. Steht...

DWN
Finanzen
Finanzen Iran-Krieg heizt Energiepreise an: Investoren suchen Absicherung
15.03.2026

Der Iran-Krieg treibt die Energiepreise nach oben und zwingt Investoren weltweit, ihre Strategien angesichts steigender Öl- und Gaspreise...