Finanzen

Schlag gegen den Dollar: China und Russland setzen beim Handel auf den Euro

Der Anteil des Dollars am chinesisch-russischen Handel ist auf unter 50 Prozent gesunken. Moskau und Peking setzen beim bilateralen Handel immer mehr auf den Euro. Wird der Dollar seine Rolle als Leitwährung einbüßen?
30.07.2020 15:00
Aktualisiert: 30.07.2020 15:37
Lesezeit: 1 min
Schlag gegen den Dollar: China und Russland setzen beim Handel auf den Euro
Schlägt vor Entsetzen die Hände über dem Kopf zusammen: Der erste US-Präsident, George Washington. (Foto: dpa) Foto: Fredrik von Erichsen

Im ersten Quartal des aktuellen Jahres fiel der Anteil des Dollars am bilateralen Handel zwischen China und Russland erstmals unter 50 Prozent.

Laut der Moskauer Tageszeitung Izvestia ist der Anteil von 75 Prozent im Jahr 2018 auf 46 Prozent gesunken. Die 54 Prozent des Nicht-Dollar-Handels setzen sich aus chinesischen Yuan (17 Prozent), Euro (30 Prozent) und Rubel zusammen (7 Prozent).

Die geringere Rolle des Dollars im internationalen Handel ist hauptsächlich auf den anhaltenden Handelskrieg zwischen den USA und China zurückzuführen. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern haben sich im Jahr 2020 noch weiter verschlechtert, nachdem US-Politiker Peking beschuldigt hatten, die Corona-Krise im Anfangsstadium verschleiert zu haben.

Im Januar erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow, Moskau setze „seine Politik der schrittweisen Ent-Dollarisierung fort“ und versuche, soweit wie möglich Geschäfte in lokalen Währungen abzuschließen.

Dieser Schritt sei „eine objektive Reaktion auf die Unvorhersehbarkeit der US-Wirtschaftspolitik und den völligen Missbrauch des Status des Dollars als Weltreservewährung durch Washington“.

Der Yale-Ökonom Stephen Roach hatte zuvor in einem Gastbeitrag für Bloomberg davor gewarnt, dass sich die Ära des US-Dollars als primärer Reservewährung der Welt dem Ende zuneigt. Fast 60 Jahre seien die Amerikaner auf Kosten der übrigen Welt in den Genuss eines "übertriebenen Lebensstandards" gekommen. Doch die Welt, die sich bisher nur darüber beklagt habe, sei in der aktuellen Krise nicht mehr bereit, dies weiter hinzunehmen.

Eine Abkehr vom Dollar zeigt sich auch im Handel Russlands mit anderen Teilen der Welt wie der Europäischen Union. Seit 2016 erfolgt der Handel zwischen Moskau und dem Block hauptsächlich in Euro. Der derzeitige Anteil liegt bei 46 Prozent.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Digitaler Impuls versus reale Werte

Am Montag hat ein einzelner Social-Media-Beitrag von Donald Trump die Finanzmärkte um 1,7 Billionen US-Dollar bewegt – und zwar nicht...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Krieg löst Container-Chaos aus: Jetzt müssen Spediteure Kriegsgebühr zahlen
27.03.2026

Je länger der Iran-Krieg andauert, desto größer wird der Druck auf die globalen Lieferketten. Scan Global sieht ein reales Risiko, dass...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Start-up Elea: Wie künstliche Intelligenz Ärzte im Krankenhaus-Alltag entlastet
27.03.2026

Drei Stunden täglich verbringen Ärzte im Schnitt mit Bürokratie. Zeit, die für die Versorgung der Patienten fehlt. Die KI-gestützte...

DWN
Politik
Politik Führerschein-Reform, Preisindex Deutschlandticket: Die Ergebnisse der Verkehrsminister
27.03.2026

Die Verkehrsminister der Länder haben sich auf eine Führerschein-Reform geeinigt - mit dem Ziel, die Kosten dafür zu senken. Auch beim...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Neues Textilgesetz geplant: Hersteller sollen für Altkleider zahlen
27.03.2026

Billigkleidung überschwemmt den Markt. Ein neues Gesetz will Hersteller stärker in die Pflicht nehmen. Doch Umweltschützer sehen darin...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sinkender Bierkonsum: Ostdeutsche Traditionsbrauerei Mauritius meldet Insolvenz
27.03.2026

Überteuerte Rohstoffpreise und sinkender Bierkonsum bedrohen 165 Jahre Brautradition aus Sachsen: Mauritius Brauerei aus Zwickau hat...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Billige Online-Ware: EU führt neue Bearbeitungsgebühr ein
27.03.2026

Unzählige Pakete kommen von Online-Händlern wie Shein, Temu, AliExpress und Co. in die EU. Die Flut kleiner Päckchen ist teuer - eine...

DWN
Finanzen
Finanzen Reform Riester-Rente beschlossen: Wie man künftig fürs Alter vorsorgen kann
27.03.2026

Längst ist klar, dass die Riester-Rente keine Zukunft hat. Jetzt gibt es eine Alternative. Die bringt höhere Rendite-Chancen, aber auch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 90-Tage-Formel: Mit diesen 6 Maßnahmen können Unternehmen Mitarbeiter binden
27.03.2026

Mitarbeiterbindung ist kein „Feelgood“-Projekt, sondern ein knallharter Wirtschaftsfaktor. Wenn vakante Stellen im Schnitt Monate offen...