Deutschland

BMW ganz schwach, nur Porsche überzeugt: Mit jedem verkauften Auto erhöhen sich die Verluste der deutschen Autobauer

Die deutschen Autobauer schreiben Verluste - jeder einzelne Verkauf kostet sie teilweise weit über 1000 Euro.
22.08.2020 13:00
Lesezeit: 2 min
BMW ganz schwach, nur Porsche überzeugt: Mit jedem verkauften Auto erhöhen sich die Verluste der deutschen Autobauer
BMW hat im ersten Halbjahr dieses Jahres pro verkauftem Auto einen Verlust von 1.377 Euro gemacht. (Foto: dpa) Foto: Rolex Dela Pena

Corona legt die Schwäche der deutschen Autobauer deutlich zutage. Fast alle haben im ersten Halbjahr dieses Jahres hohe Verluste erwirtschaftet, teilweise im Milliardenbereich. Der einzige Hersteller mit einem positiven Ergebnis ist Porsche.

  • Besonders schwer hat es BMW getroffen. Mit jedem der insgesamt 963.000 verkauften Fahrzeuge machten die Münchener ein Minus von 1.377 Euro.
  • An zweiter Stelle im Verlustranking steht Mercedes. Der Absatz betrug 1,03 Millionen Fahrzeuge, was einem Verlust von 599 Euro pro Auto entspricht.
  • Audi verlor pro Wagen 559 Euro (Absatz: 707.000 Stück).
  • VW (nicht der Gesamtkonzern, sondern die Marke) verlor pro Auto 313 Euro (Absatz: knapp 2,2 Milliarden Stück).
  • Lediglich Porsche machte Gewinn, und zwar mit 9.583 Euro pro abgesetzter Einheit einen hohen (Gesamtabsatz: 116.000).

Laut dem Automobil-Experten Ferdinand Dudenhöfer weisen die Ergebnisse darauf hin, dass Corona „die bisher zum Teil verborgenen Schwächen der Autobauer“ aufdecke. Es bestehe ein hoher Anpassungsbedarf; je höher die Verluste pro verkaufter Einheit ausfielen, desto mehr müsse in den einzelnen Unternehmen verändert werden.

Demzufolge sei es logisch, dass BMW „ein Sparprogramm aufgelegt und Beschäftigungsabbau angekündigt“ habe. Die Münchener müssten sich außerdem, genau wie Mercedes und Audi, in Zukunft verstärkt mit Konkurrenz aus Übersee beschäftigen: „Sehr erstaunlich ist die Entwicklung von Tesla. Nur Porsche konnte sich mit den Kaliforniern messen. Mit einem Gewinn pro Fahrzeug von 2.890 Euro ist Tesla weit von den anderen Premiumherstellern – mit Ausnahme von Porsche – entfernt. Tatsache ist: Ein Start-up stellt – mit enormen Investitionen – die etablierten Premiumhersteller in den Schatten. Während alle anderen ihre Produktionskapazitäten verkleinern, setzt Tesla ein gewaltiges Wachstumsprogramm um.“

Abhängigkeit von China wächst

Was Audi und VW (die Marke) angeht, so weist Dudenhöffer darauf hin, dass die Abhängigkeit von China immer dramatischere Ausmaße annimmt. Zur Erinnerung: Audi machte pro Fahrzeug ein Minus von 559 Euro, VW von 313 Euro. Aber: Ohne die Verkäufe im Reich der Mitte wären es bei Audi 1.546 Euro gewesen (womit die Ingolstädter in der Verlust-Tabelle Rang eins eingenommen hätten), bei VW 1.315 Euro.

Dem Wolfsburger Gesamtkonzern erwachse darüber hinaus in PSA-Opel ein immer stärkerer Konkurrent: „Während PSA-Opel einen Gewinn pro verkauftem Fahrzeug von 707 Euro eingespielt hat, musste der VW-Konzern einen Verlust von 415 Euro pro Fahrzeug hinnehmen. Dabei hat der VW-Konzern im Pkw-Bereich um den Faktor drei höhere Skaleneffekte als der PSA-Konzern. PSA-Opel steht vor der Fusion mit Fiat-Chrysler. Von daher wird sich der Skalenvorteil von VW deutlich abbauen. Zusätzlich hat VW vom China-Geschäft, das bei PSA-Opel so gut wie nicht vorhanden ist, deutlich profitiert. Mit anderen Worten, der VW-Konzern muss seine Anpassungsgeschwindigkeit an die Zeit nach Corona erhöhen.“

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Blick auf zwei weitere Einzelmarken innerhalb des VW-Konzerns: Skoda bleibt mit 748 Euro Gewinn pro Fahrzeug eine wichtige Ertragsstütze, während Seat – mit seinen hohen Marktanteilen im von Corona besonders gebeutelten Südeuropa – mit einem Verlust von 1.376 Euro pro Fahrzeug deutlich schlechter durch die Krise kommt.

Vielleicht wirkt sich die Pandemie in gewisser Weise sogar positiv aus: Sie zwingt die Autobauer nämlich, alles auf den Prüfstand zu stellen. Wie auch immer: Der Branche, ihren Zulieferern, den von ihr abhängigen Regionen und damit dem ganzen Land stehen herausfordernde Zeiten bevor.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Krypto-News: Kryptowährungen brechen ein – Bitcoin-Kurs auf tiefstem Stand seit Trumps Wahlsieg
05.02.2026

Am Donnerstag geht der Krypto-Crash weiter, Star-Investor Michael Burry warnt bereits vor einer "Todesspirale". Der Bitcoin-Kurs gerät...

DWN
Immobilien
Immobilien Fördergelder: KfW bündelt Wohnförderung in zwei Basisprogramme
05.02.2026

Weniger Programme, mehr Tempo: Die KfW verspricht schnellere Kredite für Hausbauer und Sanierer. Dem Standort Deutschland insgesamt will...

DWN
Technologie
Technologie Google Project Genie: KI verändert die Gaming-Branche
05.02.2026

Google Project Genie hat kurzfristige Marktreaktionen ausgelöst und die Debatte über KI in der Spielebranche verschärft. Handelt es sich...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Die Ergebnisse von Alphabet übertrafen die Erwartungen, doch der Anstieg der Ausgaben verschreckte die Anleger
04.02.2026

Im Jahr 2026 plant das Unternehmen, im Wettlauf um künstliche Intelligenz durchschnittlich 180 Milliarden Dollar auszugeben.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Börsentag: Technologiegiganten zogen den Markt weiter nach unten
04.02.2026

Die US-Börsen beendeten den Handelstag am Mittwoch überwiegend im Minus.

DWN
Politik
Politik Millionenlieferungen an Russlands Rüstungsindustrie: Illegales Netzwerk in Deutschland aufgedeckt
04.02.2026

Deutsche Ermittler haben ein Liefernetzwerk aufgedeckt, das trotz Sanktionen die russische Rüstungsindustrie belieferte. Wie verwundbar...

DWN
Politik
Politik Handelsabkommen geschlossen: USA und Indien einigen sich auf Zollsenkung
04.02.2026

Das Handelsabkommen zwischen den USA und Indien signalisiert eine strategische Verschiebung in Handel und Energiepolitik. Welche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Maschinen- und Anlagenbau: Stabile Aufträge hellen Stimmung auf
04.02.2026

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau hat drei magere Jahre hinter sich. Doch die exportorientierte Branche schöpft wieder Hoffnung,...