Finanzen

Gläubiger fliehen aus argentinischen Staatsanleihen

Lesezeit: 1 min
29.09.2020 10:00
Kurz nach Abschluss eines Schulden-Moratoriums fliehen die Geldgeber aus Staatsanleihen Argentiniens.
Gläubiger fliehen aus argentinischen Staatsanleihen
17.08.2020, Argentinien, Buenos Aires: Eine Frau protestiert gegen die Quarantänepolitik der Regierung zur Eindämmung des Coronavirus. (Foto: dpa)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Rund einen Monat nach der Vereinbarung von Rückzahlungsverlängerungen und Streichungen von Staatsschulden fliehen Gläubiger Argentiniens aus den Staatsanleihen des Landes.

Wie die Financial Times berichtet, sind die Preise zahlreicher Anleihen seit dem Inkrafttreten des Schulden-Kompromisses Ende August deutlich eingebrochen. So belaufen sich die Kurse für zwei Papiere mit Laufzeiten bis 2030 und 2035 auf nur noch 40 Cent beziehungsweise 37 Cent für den Dollar. Die Kursverluste und spiegelbildlichen Anstiege der Renditen bei den Papieren deuten auf Verkäufe auf breiter Front und eine hohe Skepsis von Investoren hin.

Der Ende August mit den Gläubigern getroffene Kompromiss sieht vor, dass Argentinien deutliche Änderungen bei Staatsschulden im Umfang von rund 65 Milliarden Dollar vornehmen darf. So muss das südamerikanische Land in den kommenden vier Jahren praktische keine Tilgungen und Zinszahlungen mehr leisten und die durchschnittliche Zinslast wird von etwa 7 Prozent auf rund 3 Prozent gesenkt. Alle diese Maßnahmen belaufen sich auf Einsparungen von rund 35 Milliarden Dollar in den kommenden Jahren.

Fast alle privaten Gläubiger haben dem über Monate ausgehandelten Schuldenschnitt für Argentinien Ende August zugestimmt. Zu den Gläubigern gehören vor allem große Investmentfonds wie Blackrock, Ashmore und Fidelity.

Die Schulden der zweitgrößten Volkswirtschaft in Südamerika galten zu den aktuellen Bedingungen als nicht mehr tragfähig. Ende Mai hatte Argentinien Zinsforderungen in Höhe von 503 Millionen US-Dollar nicht beglichen und war dadurch in einen begrenzten Zahlungsausfall gerutscht. Argentinien steckt in einer schweren Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Inflationsrate betrug zuletzt mehr als 50 Prozent. Für das laufende Jahr rechnen Beobachter mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft um rund zehn Prozent. Das Land leidet unter einem aufgeblähten Staatsapparat, geringer Produktivität der Industrie und einer großen Schattenwirtschaft, die dem Staat viele Steuereinnahmen entzieht.


Mehr zum Thema:  

OGLAS
DWN
Ratgeber
Ratgeber Auf die Zukunft setzen: Energie professionell managen

Die aktuelle Energiekrise bewegt deutsche Unternehmen. Angesichts steigender Energiepreise macht sich Verunsicherung breit. Gleichzeitig...

DWN
Deutschland
Deutschland Preise steigen langsamer, aber Inflation bleibt ein Risiko

Die Inflation in Deutschland ist im März auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten gefallen. Doch Ökonomen zufolge ist dies wohl nur die...

DWN
Politik
Politik „Politisches Harakiri“: Ampel verdoppelt Lkw-Maut mit CO2-Aufschlag

Eine neue Klima-Sondersteuer soll die Straßen-Logistik verteuern. Branchenverbände reagieren mit scharfer Kritik.

DWN
Politik
Politik Südafrika besteht auf Freundschaft zu Russland

Südafrikas Außenministerin Naledi Pandor hat Russland ausdrücklich als einen "Freund" bezeichnet. Dies ist ein weiterer Affront des...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft China bezahlt LNG-Importe erstmals mit Yuan

Chinas Abkehr vom US-Dollar kommt in kleinen Schritten voran. Interessant ist, wer an dem LNG-Deal mitwirkte.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lieferengpässe in Industrie sinken sechsten Monat in Folge

Der Anteil der deutschen Industrieunternehmen, die über Lieferengpässe berichten, ist massiv zurückgegangen. Ökonomen warnen dennoch...

DWN
Politik
Politik Taiwan verliert seine letzten Freunde an China

Nun hat auch Honduras seine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan abgebrochen und sich stattdessen China zugewandt. Die Luft für den...

DWN
Finanzen
Finanzen Sicherer Hafen: Yen ist der große Gewinner der Bankenkrise

Vor dem Hintergrund der Bankenkrise erlebt der Yen ein massives Comeback. Investoren fliehen in die japanische Währung, um ihre Felle ins...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Trotz Corona: PetroChina meldet Rekord-Gewinn für 2022

Obwohl die Corona-Beschränkungen die Nachfrage nach Kraftstoffen in China dämpften, meldet der größte Ölproduzent PetroChina des...