Politik

Facebook und Twitter zensieren Berichte über mögliche Verstrickungen von Bidens Sohn

Mehrere E-Mails deuten darauf hin, dass der Sohn des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden, Hunter Biden, die Stellung seines Vaters als Vizepräsident genutzt hat, um Geschäfte in Übersee zu machen. Facebook und Twitter blockieren die Weiterverbreitung der entsprechenden Recherchen.
20.10.2020 11:34
Lesezeit: 2 min

Neben Warnungen vor angeblich für die USA schädlichen und radikalen Plänen Bidens wiederholte Trump in den vergangenen Tagen vor seinen Anhängern Vorwürfe gegen seinen Herausforderer. "Er ist ein Krimineller. Er hat Verbrechen begangen", behauptete Trump am Samstag in Muskegon (Michigan). Am Freitag beschuldigte Trump in Ocala (Florida) Biden und seine Familie, reich geworden zu sein, "während Amerika ausgeraubt wurde".

Die "Mainstream-Medien" bezeichnete er als "Volksfeinde" und warf ihnen vor, über "die weltweit größte Geschichte" nicht zu berichten - gemeint war die angebliche Korruption des Demokraten. Trump-Anhänger skandierten bei der Nennung von Bidens Namen "Sperrt ihn ein" - mit dieser Parole hatten Trump-Unterstützer im Wahlkampf vor vier Jahren dessen Herausforderin Hillary Clinton bedacht.

Trump erhebt seit langem und ohne Beweise vorzulegen Korruptionsvorwürfe gegen den Ex-Vizepräsidenten Biden und dessen Sohn Hunter, die nun von der Boulevardzeitung "New York Post" unterstützt wurden. Das Blatt hatte in den vergangenen Tagen Artikel und Inhalte von E-Mails, welche angeblich von Hunter Bidens Computer stammen, veröffentlicht. Die veröffentlichten E-Mails sollten belegen, dass Hunter Biden in den vergangenen Jahren versucht habe, Profit aus dem Amt seines Vaters als Vizepräsident unter Barack Obama zu schlagen.

Die Echtheit der Mails ist nicht bestätigt. Fragwürdig ist auch, wie sie an die Öffentlichkeit gelangten. Biden selbst nannte die Artikel eine "Schmutzkampagne".

Facebook und Twitter unterbinden Verbreitung von Artikeln

Besonders pikant ist jedoch der Umstand, dass die Technologiekonzerne Facebook und Twitter die Verbreitung der New York Post-Artikel aktiv unterbinden und so faktisch in den Wahlkampf eingreifen. Dazu schreibt das Magazin Forbes:

„Diese Umstände existieren nicht zuletzt wegen einer Reihe außergewöhnlicher Aktionen, welche Facebook und Twitter gestern ergriffen, um zu verhindern, dass die Recherche der New York Post in den sozialen Medien geteilt wird. Twitter unterband, dass Nutzer den Link zum Post-Artikel teilen können und kündigte einigen Nutzern sogar die Konten – darunter auch Journalisten der New York Post und der Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany. Facebook wiederum gab bekannt, dass ‚die Verteilung des Artikels auf unserer Plattform reduziert werde‘, ohne zu erklären, was das genau bedeutet.

„Die Entscheidung von Facebook und Twitter, die Verbreitung des Artikels zu begrenzen, sind außergewöhnlich für diese Unternehmen. Diese Unternehmen haben offenbar die Handbremse gezogen“, zitiert Forbes einen Medien-Experten der Virginia Commonwealth University.

Thema Außenpolitik aus der nächsten Fernseh-Debatte gestrichen

Vor der letzten TV-Debatte vor der US-Präsidentenwahl hat das Wahlkampfteam von Amtsinhaber Donald Trump scharfe Kritik an den Organisatoren geübt. Wahlkampfberater Jason Miller warf der Debatten-Kommission in einer Telefonschalte mit Journalisten am Montag "anhaltende Wahlbeeinflussung" zugunsten von Trump-Herausforderer Joe Biden vor. Bei der letzten Debatte vor der Wahl gehe es traditionell um Außenpolitik, sagte Miller. Beim TV-Duell an diesem Donnerstagabend (Ortszeit) in Nashville im Bundesstaat Tennessee liege darauf aber nicht der Schwerpunkt. "Wir glauben, dass das auf Bitten des Biden-Wahlkampfteams ist."

Miller sagte, Ex-Vizepräsident Biden wolle bei der Debatte nicht mit seiner früheren Unterstützung "endloser Kriege" oder mit fragwürdigen Auslandsgeschäften seines Sohnes Hunter Biden konfrontiert werden. "Es ist klar, dass das Biden-Lager nicht über Außenpolitik sprechen möchte." Man habe auch gehört, dass womöglich Regeln für die Debatte geändert werden sollten. Nach der ersten Debatte Ende September - die vor allem wegen Trumps ständiger Unterbrechungen ins Chaos abglitt - hatte die Kommission Änderungen angekündigt, aber keine Details veröffentlicht. Trump hat eine Änderung der Regeln abgelehnt.

Der Republikaner Trump griff am Montag bei einem Wahlkampfstopp in Phoenix (Arizona) die Moderatorin der Debatte an diesem Donnerstag, die NBC-Journalistin Kristen Welker, an. Sie sei eine "radikale linke Demokratin", sagte er. Nach Angaben der Debatten-Kommission gehören zu den von Welker ausgewählten sechs Themen unter anderem die Coronavirus-Pandemie, der Klimawandel und nationale Sicherheit.

Die zweite Debatte, die für den 15. Oktober geplant war, wurde nach der Covid-19-Erkrankung Trumps gestrichen. Die Veranstalter wollten die Debatte online abhalten, statt die Kandidaten in einem Raum zusammenzubringen. Trump sagte daraufhin seine Teilnahme ab. Biden (77) und Trump (74) traten an dem Abend dann zeitgleich in zwei verschiedenen TV-Sendern auf, um sich Fragen von Wählern zu stellen.

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