Finanzen

Der Börsen-Ausblick für den November: Warten auf den neuen US-Präsidenten

Für die Börsen stehen im Lockdown-Monat November die US-Präsidentschaftswahlen im Mittelpunkt. Eins ist klar: Ruhig wird der elfte Monat des Jahres nicht.
31.10.2020 09:39
Aktualisiert: 31.10.2020 09:39
Lesezeit: 3 min
Der Börsen-Ausblick für den November: Warten auf den neuen US-Präsidenten
Der November wird wohl kein einfacher Monat. (Foto: dpa)

Der erneute teilweise Lockdown, die US-Präsidentschaftswahlen und die zuletzt verbesserten Konjunkturdaten aus den USA und Deutschland: Dies sind die Ereignisse, die im kommenden November an den deutschen Börsen wichtig sein werden. Ob der Dax seine Talfahrt fortsetzt oder sich wieder etwas stabilisiert, hängt nicht zuletzt davon ab, wie die Anleger auf diese Faktoren reagieren.

Jedenfalls dürfte es nicht allzu einfach werden, die Rückgänge aus der Vergangenheit zu kompensieren. Denn der Dax muss riesige Einbrüche verkraften, die das deutsche Leitbarometer im vergangenen Oktober hat hinnehmen müssen. So büßte der Index in den vergangenen vier Wochen zwischen neun und zehn Prozent auf Niveaus unter 12.000 Punkte ein – einer psychologisch wichtigen Marke.

Der Index hatte sich bis September/ Oktober zwar von seinen Tiefständen vom ersten Frühjahrs-Lockdown wieder weitestgehend erholt, musste aber danach wieder starke Rückschläge hinnehmen. Das Ergebnis: Auch im Vergleich zum Oktober des vergangenen Jahres gab es einen starken Rückgang um etwa zehn Prozent.

Ausgang der US-Wahlen immer mit Fragezeichen

Ein sehr wichtiger Faktor ist die Wahl des US-Präsidenten am kommenden Dienstag. Das Thema hatte die deutschen Börsianer schon im Oktober die ganze Zeit beschäftigt und immer wieder für Bewegung der Kurse gesorgt. Die Schwierigkeit ist, dass der US-Präsident indirekt gewählt wird und deswegen Vorhersagen immer mit einem Fragezeichen behaftet sind.

Zuletzt lag der Herausforderer Joe Biden zwar in den Umfragen vorne, doch gibt es einige US-Staaten, wo es keine eindeutigen Mehrheiten für den einen oder andere Kandidaten gibt – die sogenannten Swing-States. In diesen Staaten werden letztlich die Wahlen entschieden. Es kann also sein, dass es für die Anhänger von Biden nach der Wahlnacht doch noch eine böse Überraschung gibt.

Der amtierende US-Präsident Donald Trump wird wohl für sich in Anspruch nehmen, dass die US-Wirtschaft im dritten Quartal eine Erholungstendenz von der Corona-Krise gezeigt hat. Die USA haben in diesem Zeitraum ihre Wirtschaftsleistung um satte 33,1 Prozent (annualisierte Betrachtung, also auf ein Jahr hochgerechnet) gesteigert. Insbesondere der private Konsum hat sich auf die Entwicklung positiv ausgewirkt.

Damit erholt sich die größte Volkswirtschaft der Welt nach den Einbrüchen durch den Lockdown im Frühjahr, die die größten gewesen sind, die es je seit der Berechnung in ihrer aktuellen Form gegeben hat. So war die US-Wirtschaft im zweiten Quartal um schockierende 31,4 Prozent (annualisiert) eingebrochen. Die aktuellen Zahlen, die die US-Regierung am vergangenen Donnerstag vorgelegt hat, zeigen noch einmal, wie gravierend die Auswirkungen der Pandemie gewesen sind.

Kommt das neue US-Konjunktur-Paket?

Für die weitere Entwicklung ist zudem wichtig, wie groß das Konjunkturpaket sein wird, dass die politische Führung in den USA schnürt. Das Thema hat die Börsen bereits in den vergangenen Wochen beschäftigt, wird aber im November die Anleger weiterhin auf der Tagesordnung bleiben. Es ist damit zu rechnen, Republikaner und Demokraten in den Wochen nach der Wahl dafür eine konkrete Lösung finden. Und das könnte auch noch im November passieren.

Ähnlich positiv wie die USA entwickelt sich derzeit auch Deutschland: So ist deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 8,2 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt am Freitag auf der Grundlage vorläufiger Daten errechnet hat. Im Vergleich zum vierten Quartal 2019 – der Zeitraum vor dem Ausbruch der Corona-Krise – hat sich das BIP jedoch um 4,2 Prozent verringert.

Mut kann den Anlegern auch der Ausblick von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier machen, der die BIP-Prognosen für 2020 etwas erneuert hat. Die Bundesregierung geht nun von einem Rückgang von 5,5 Prozent aus. Anfang September hatte sie noch mit einem Minus 5,8 Prozent gerechnet. Für 2021 hingegen geht sie von einem Plus von 4,4 Prozent aus.

Das Problem: Zuletzt hatte sich die Stimmung im Land wieder verschlechtert, weil jetzt immer mehr Stimmen von Politikern, Juristen und Wirtschaftsverbänden und laut werden, die nicht mehr bedingungslos bereit sind, die Maßnahmen der Bundesregierung zu akzeptieren. Ganz so widerstandslos wie beim ersten Lockdown wird die politische Führungsriege ihre Vorhaben jedenfalls nicht durchführen können. So hält der stellvertretende Bundestagspräsident Wolfgang Kubicki von der FDP im Interview mit den DWN das Vorhaben der Bundesregierung "in Teilen für verfassungswidrig".

Ein Streit herrscht beispielsweise über die Verhältnismäßigkeit der Eingriffe. Die Kritiker haben Rückenwind von Verwaltungsgerichten unterschiedlicher Bundesländer bekommen - beispielsweise aus Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg. So haben die Richter in diesen Ländern das Beherbergungsverbot gekippt, weil sie dies für unverhältnismäßig halten. Möglichweise werden Bund und Länder mit Klagen von den Unternehmen konfrontiert. Diesen potenziellen Streit müssen die Anleger jedenfalls im Hinterkopf haben.

BMW und General Motors mit Quartalsergebnissen

Darüber hinaus veröffentlichen viele wichtige deutsche und internationale Unternehmen ihre Quartalszahlen: So warten die Börsianer am 4. November auf die Drittquartalsergebnisse von BMW. Zuletzt hatten sich die Autowerte nach der Veröffentlichung von positiven Zahlen durch VW und Porsche wieder verbessert gezeigt. Weitere Impulse für die Entwicklung der gesamten Industrie dürften dann am 5. November aus den USA kommen, wenn General Motors seine Bilanz für das dritte Quartal präsentiert.

Zusätzlich werden am 5. November HeidelbergCement und Linde ihre Drittquartalszahlen veröffentlichen. Darüber hinaus müssen die Anleger folgende Aktien auf ihrem Notizzettel haben: So veröffentlichen die Allianz und Thyssenkrupp ihre Quartalsergebnisse. Der Versicherungskonzern äußert sich am 6. November zum dritten Quartal, während das Stahlunternehmen am 19. November über die Entwicklung im vierten Quartal seines Geschäftsjahres informiert.

Auch aus anderen Ländern gibt es wichtige Unternehmensnachrichten: So präsentieren McDonald`s und Gazprom ihre Drittquartalsergebnisse – und zwar 6. November beziehungsweise am 26. November.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Immobilienmakler für Kitzbühel – Hotel und Gewerbeimmobilien verkaufen mit Experten

Der Verkauf von Hotels und Gewerbeimmobilien in Kitzbühel stellt besondere Anforderungen an Eigentümer und Makler. Ein erfahrener...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Moderna im Rampenlicht bei steigender Wall Street
19.08.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die US-Märkte beflügeln und warum ein bestimmter Sektor derzeit für historische...

DWN
Finanzen
Finanzen Moderna-Aktie explodiert: Melanom-Impfstoff schürt Hoffnung auf Milliardengeschäft
19.08.2026

Die Moderna-Aktie schießt nach einem wegweisenden Studienerfolg in die Höhe. Ein personalisierter Krebsimpfstoff könnte dem...

DWN
Politik
Politik Altersteilzeit vorm Aus? Regierung will beliebtestes Modell für Berufsausstieg streichen
19.08.2026

Mit Altersteilzeit in den wohlverdienten Ruhestand: So haben Millionen Deutsche ihren Renteneinstieg geplant. Doch die Bundesregierung will...

DWN
Finanzen
Finanzen Biontech-Aktie hebt ab: Zulassungshoffnung löst Kursrally bei Biontech-Aktie aus
19.08.2026

Die Biontech-Aktie schießt im US-amerikanischen Börsenhandel am Mittwoch kräftig nach oben und lässt den Gesamtmarkt weit hinter sich....

DWN
Panorama
Panorama KI-Manifest von Mark Zuckerberg zeigt, wie Meta die Zukunft der Menschen verändern will
19.08.2026

Mark Zuckerberg verspricht persönliche Superintelligenz, mehr individuelle Macht und sogar zusätzliche Arbeitsplätze. Doch sein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Sprengung Nord-Stream: Ukrainer in Kroatien festgenommen
19.08.2026

Vier Jahre nach den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines führen Ermittlungen zu den Sprengungen erneut zu einer Festnahme. Es ist...

DWN
Politik
Politik Mietrecht: Justizministerin will Einbau von Klimaanlagen erleichtern
19.08.2026

Wie kann die Rechtspolitik einen Beitrag zum Hitzeschutz leisten? Bundesjustizministerin Hubig hat eine Idee.

DWN
Technologie
Technologie Konkurrenz für SpaceX: China gelingt Raketenlandung auf Beinen
19.08.2026

Erstmals ist in China eine Raketenstufe nach einem Orbitalstart senkrecht auf eigenen Beinen gelandet. Sie gehörte zur privat entwickelten...