Politik

Armenien: Regierung lässt massenweise Oppositionelle festnehmen

Im Verlauf einer Kundgebung gegen die Einigung zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Neuaufteilung von Berg-Karabach ist es am Mittwoch zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizeikräften gekommen. Etwa 130 Oppositionelle wurden verhaftet.
11.11.2020 14:55
Aktualisiert: 11.11.2020 14:55
Lesezeit: 1 min
Armenien: Regierung lässt massenweise Oppositionelle festnehmen
11.11.2020, Armenien, Eriwan: Polizisten halten einen Mann während des Protests gegen eine Vereinbarung zur Einstellung der Kämpfe um die Region Berg-Karabach fest. (Foto: dpa) Foto: Dmitri Lovetsky

Die armenische Polizei verhaftete am Mittwoch Demonstranten in der Hauptstadt Eriwan, als die Wut über die Entscheidung von Premier Nikol Pashinyan, ein umstrittenes Friedensabkommen mit Aserbaidschan über die Region Berg-Karabach zu unterzeichnen, eskalierte.

Ein AFP-Korrespondent vor Ort sagte, mehr als hundert Demonstranten hätten sich im Zentrum von Jerewan versammelt und „Nikol der Verräter“ gerufen. Die Polizei habe Demonstranten festgenommen, darunter die hochkarätige Oppositionspolitikerin Gagik Tsarukyan.

Zur Kundgebung hatten alle 17 Oppositionsparteien aufgerufen. Zum aktuellen Zeitpunkt soll sich die Anzahl der Verhafteten auf etwa 130 Personen belaufen. Polizeibeamte trennten Demonstranten von den Organisatoren der Kundgebung, um die „Rädelsführer“ der Opposition zu verhaften.

Zwischen Demonstranten und Polizeibeamten soll es zu schweren Auseinandersetzungen gekommen sein. Es sollen auch Spezialeinheiten im Einsatz gewesen sein. Nach Angaben des Oppositions-Politikers Shake Isayan hat die Polizei die Zufahrtsstraßen nach Jerewan versperrt, um den Zustrom von Demonstranten zu behindern.

Die Opposition fordert den Rücktritt des armenischen Premiers Nikol Pashinyan, weil dieser ein Abkommen mit Aserbaidschan unterzeichnet hatte, wonach sich die armenische Armee und armenische Separatisten aus weiten Teilen Berg-Karabachs zurückziehen werden. Nachdem klar wurde, dass Armenien seinem Nachbarn militärisch unterlegen ist, musste die armenische Regierung zu dieser Maßnahme greifen. Damit wollten Jerewan und Baku den Krieg beenden.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November hatten armenische Demonstranten das Parlamentsgebäude in Jerewan gestürmt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Immobilien
Immobilien Zins-Bumerang der EZB: Warum der deutsche Wohnungsbau am Boden liegt
23.10.2026

Die Hoffnung auf eine baldige Erholung am deutschen Immobilienmarkt hat im Herbst einen herben Dämpfer erhalten. Während Ökonomen und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau bei Volvo: Autohersteller baut nach Verlust 2.500 Jobs ab
23.10.2026

In China bricht der Umsatz von Volvo nahezu um die Hälfte ein, auch in den USA lief es schwach. Wie der Autobauer auf die Krise reagiert -...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Verpackungsverordnung wird zur Kostenfalle: Jetzt muss Brüssel seine eigenen Regeln korrigieren
23.10.2026

Eigentlich sollte die EU-Verpackungsverordnung den europäischen Binnenmarkt vereinheitlichen. Doch für kleine Onlinehändler wurde sie...

DWN
Finanzen
Finanzen Größter Verkauf russischen Goldes seit der Finanzkrise 1998: Weitere Tonnen verschwinden aus den Tresoren
23.10.2026

Die neuesten Daten der russischen Zentralbank zeigen, dass die Verkäufe aus den Goldreserven seit Jahresbeginn bereits 62 Tonnen erreicht...

DWN
Technologie
Technologie Energieverbrauch: Wann sich eine Wärmepumpe rechnet
23.10.2026

Eine Wärmepumpe kostet beim Kauf mehr als eine Gasheizung – doch mit Förderung kann sich der Aufpreis auszahlen. Der WWF hat...

DWN
Technologie
Technologie Batteriespeicher boomen: Deutschland baut Kapazität massiv aus
23.10.2026

Der Ausbau von Batteriespeichern nimmt in Deutschland deutlich Fahrt auf. In den ersten neun Monaten des Jahres gingen bereits rund eine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Seltene Erden: Europa bricht mit Russland, doch der Plan hat einen Haken
23.10.2026

Europa will sich bei Seltenen Erden aus der Abhängigkeit von Russland befreien. Ein Werk in Estland soll dabei eine Schlüsselrolle...

DWN
Politik
Politik Elektronische Patientenakte: Hausärzte warnen vor Kassen-Zugriff auf Patientenakten
22.10.2026

Werden Patienten mit einem neuen Digitalgesetz besser vor Krankheiten geschützt - oder werden sie neuen Risiken anderer Art ausgesetzt?...