Wirtschaft

Kupfer: Boom trotz schwächelnder Weltwirtschaft

Der Kupferpreis bleibt von der Coronakrise unberührt. Vielmehr noch: Das Industriemetall wird immer teurer.
19.11.2020 13:00
Lesezeit: 2 min
Kupfer: Boom trotz schwächelnder Weltwirtschaft
Der Kupferpreis befindet sich auf einem Höhenflug. (Foto: dpa) Foto: Jens Wolf

Nach dem Frühjahreseinbruch an den Rohstoffmärkten, von dem auch Kupfer mit einem Minus von 25 Prozent nicht verschont blieb, ist der Preis seit Ende März kontinuierlich gestiegen.

Sorgen über einen coronabedingten Produktionsstopp in Peru und ein weiter stabil steigender Bedarf des wichtigsten Abnehmerlandes China (rund 50 Prozent der weltweiten Kupfer-Nachfrage kommt aus dem Reich der Mitte) haben den Höhenflug des Industriemetalls weiter befeuert.

Das Handelsvolumen für Kupfer an den Futures-Märkten ist aktuell ziemlich hoch. Das Industriemetall notiert dort zu rund 3,21 Dollar pro Pfund – was circa 7100 Dollar pro Tonne entspricht. Damit befindet sich der Kupferpreis auf dem höchsten Niveau seit drei Jahren und rund 15 Prozent höher als noch zu Jahresbeginn.

Neben der Angebots- und Nachfragesituation in der Realwirtschaft sorgen auch Neuigkeiten an den Finanzmärkten für Optimismus bezüglich des Kupferpreises. An der chinesischen Shanghai International Energy Exchange (INE) wird momentan ein neuer Futures-Kontrakt für Kupfer aufgelegt. Dieser wird auch für ausländische Investoren offen sein.

Die Nachfrage internationaler Anleger dürfte den Terminpreis weiter befeuern. Zumal Kupfer als wichtigster Bestandteil von Elektrokabeln eine interessante Option für Investoren ist, die sich indirekt für den erwarteten Boom im Green-Energy-Segment inklusive Elektromobilität (in E-Autos wird circa dreimal soviel Kupfer verbaut wie in Verbrennermodellen) positionieren wollen.

Entscheidend für die Zukunft ist aber, wie sich die Minen-Aktivitäten in Südamerika entwickeln werden. Ein Großteil des Kupfers wird in Chile und Peru aus dem Boden geholt. Der Branchenverband „International Copper and Study Group“ erwartet, dass die weltweite Minenproduktion 2020 um 1,5 Prozent sinkt.

Chinesischer Import-Boom

Ein eindeutiger Bullenfaktor ist die starke chinesische Nachfrage: China erlebt derzeit eine wahren Kupfer-Import-Boom. Binnen Jahresfrist wurden rund sechs Millionen Tonnen an Roh- und verarbeitetem Kupfer importiert, womit jetzt schon ein historischer Jahres-Rekordwert feststeht. Zum Vergleich: 2019 wurden insgesamt nur fünf Millionen Tonnen importiert.

Kupfer wird hauptsächlich für die Herstellung von Kabeln, Elektronikbauteilen, im Automobil- und Maschinenbau verwendet. Aufgrund dessen gilt das Metall als guter Frühindikator für die Entwicklung der Weltkonjunktur.

Die Aussichten für die Weltwirtschaft sind zwar aufgrund erneuter Lockdowns und Beschränkungen nicht gerade rosig. Die chinesische Industrie kommt aber erstaunlich gut mit der Coronakrise zurecht. 2020 soll die Wirtschaftsleistung sogar um zwei Prozent steigen. Der Wirtschaft des Landes kommt auch die Stützung durch die Regierung entgegen. Diese investiert massiv in die Infrastruktur, aktuell vor allem in den Ausbau des Stromnetzes.

Es bleibt abzuwarten, ob die Preise in Zukunft die verhaltenen Aussichten für die Weltkonjunktur reflektieren werden.

Wenn das Angebot genauso, oder sogar noch mehr als die Nachfrage schwächeln wird, ist mit einem Preisrückgang nicht zu rechnen. Das Fachportal „Mining.com“ berichtet unter Verweis auf den Finanzdienstleister „BMO Capital Markets“, dass unverarbeitetes Kupferkonzentrat jetzt schon zunehmend knapp wird.

Kupfer ist in dieser Hinsicht nicht die einzige Anomalie an den Märkten. Auch das ähnlich zyklische Metalle Aluminium befindet sich zurzeit auf einem Höhenflug.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft FlixTrain rüstet auf: Milliardeninvestition verschärft Wettbewerb mit der DB im Fernverkehr
13.03.2026

FlixTrain investiert Milliarden in neue Fernzüge und baut sein Angebot im deutschen Fernverkehr deutlich aus. Kann der private Anbieter...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russlands Haushalt unter Druck: Steigender Ölpreis bringt nur begrenzte Entlastung
13.03.2026

Die Eskalation im Nahen Osten lässt die Ölpreise weltweit steigen und verschafft Russland kurzfristig höhere Einnahmen aus dem...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Stoïk: Cyberrisiken neu denken, bevor ein Schaden entsteht
13.03.2026

Cyberangriffe werden häufiger und teurer. Stoïk kombiniert Cyberversicherung, Prävention und Cybersicherheitslösungen. Das Unternehmen,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg erschüttert die Märkte: Ölpreis, Aktien und Bitcoin unter Druck
13.03.2026

Der Iran-Krieg sorgt weltweit für starke Ausschläge bei Ölpreisen, Aktien, Währungen, Gold und Bitcoin und verschärft die Unsicherheit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preisbremse an der Zapfsäule: Kommt die neue Tankstellen-Regelung noch vor Ostern?
13.03.2026

Pünktlich zum Osterreiseverkehr will das Bundeswirtschaftsministerium den täglichen Preissprüngen an den Tankstellen einen Riegel...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lufthansa-Streik legt Drehkreuze lahm: Hunderte Flüge am zweiten Tag gestrichen
13.03.2026

Der Tarifstreit im Cockpit eskaliert weiter: Auch am zweiten Streiktag hinterlässt der Arbeitskampf der Pilotengewerkschaft Vereinigung...

DWN
Politik
Politik Mission am Polarkreis: Warum der Kanzler den hohen Norden besucht
13.03.2026

Von Raketenstarts bis zur Energiesicherheit: Bundeskanzler Friedrich Merz reist heute ins norwegische Andenes, um die deutsch-norwegische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiepolitik in der Iran-Krise: Wirtschaftsbeiräte legen Strategiepapier vor
13.03.2026

In der Debatte um die rasant steigenden Energiekosten plädieren die Berater von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche für...