Wirtschaft

Rhodium: Das edelste aller Metalle sprengt den Preisrahmen

Der Höhenflug von Rhodium nimmt kein Ende. Mittlerweile ist das „edelste aller Metalle“ mehr als achtmal so viel Wert wie Gold. Kann die Preisexplosion ewig weitergehen?
26.11.2020 17:00
Lesezeit: 3 min
Rhodium: Das edelste aller Metalle sprengt den Preisrahmen
Rhodium wird im Bergbau als Nebenprodukt von Nickel und Kupfer gewonnen. (Foto: dpa) Foto: HECTOR GUERRERO

Wer an den Rohstoffmärkten investiert, muss mit einer ordentlichen Portion Gelassenheit und Selbstbeherrschung ausgestattet sein. Die Preis-Bewegungen können innerhalb kürzester Zeitspannen das Vorzeichen wechseln. Darüber hinaus überschießen die Bewertungen gerne mal gen Himmel, um dann häufig ins Bodenlose zu stürzen.

Rhodium ist ein besonders auffälliges Beispiel für Preis-Schwankungen an den Rohstoffbörsen. Das liegt vor allem an den geringen Lagerbeständen und Handelsmengen; der Markt für Rhodium ist sehr klein und bereits geringe Verschiebungen in Angebot und Nachfrage können massiv auf die Preise an den Terminmärkten durchschlagen.

Derzeit geht der Blick hier ganz klar Richtung Himmel. Das extrem seltene Industriemetall scheint auf die Marke von 20.000 Dollar pro Feinunze (28,35 Gramm) zuzusteuern. Zuletzt wurde bei rund 13.500 scheinbar ein vorläufiges Limit erreicht. Im November explodierte der Preis aber dann auf aktuell 16.100 Dollar – womit ein neues Rekordhoch erreicht wurde. Insgesamt ergibt sich seit Jahresbeginn ein Plus von rund 165 Prozent. Sämtliche anderen (Edel-)Metalle und Rohstoffe können da nicht annähernd mithalten.

Rhodium gehört zu den seltensten Metallen der Erde, weshalb die Gewinnung sehr aufwendig ist. 2019 wurden insgesamt nur 25 Tonnen abgebaut. Wie alle anderen Platinmetalle (neben Rhodium zählen hierzu Platin, Palladium, Ruthenium, Irdium und Osmium) fällt es hauptsächlich als Nebenerzeugnis bei der Produktion von Kupfer und Nickel an. In den letzten Jahren überstieg die Nachfrage meist das Angebot.

Rhodium im Automobil-Bau

Der Hintergrund für die Nachfrage- und Preisexplosion ab 2017 ist die Verwendung als Werkstoff im Katalysatoren-Bau in Autos mit Verbrennungsmotor. Rhodium-Legierungen helfen dabei, giftige Stickoxid-Emissionen zu reduzieren. Die Schadstoff-Regulierungen werden immer strenger. Das erzeugt unmittelbar einen stetig steigenden Bedarf an Rhodium, denn in diesem Bereich ist das Metall stand heute alternativlos. Daneben wird Rhodium aufgrund seiner katalysatorischen Eigenschaften auch in der chemischen Industrie eingesetzt. Neben der gestiegenen Industrie-Nachfrage trug auch der Markteinstieg von zahlreichen Spekulanten zur Preisrally bei.

Ein weiterer bedeutender Aspekt: Für Rhodium existiert kein Substitut wie es beispielsweise bei den Schwestermetallen Platin und Palladium der Fall ist. Diese werden für sehr ähnliche Verwendungen gebraucht und die Möglichkeit, Platin durch Palladium zu ersetzen (oder umgekehrt), hält beide Preise innerhalb gewisser Bandbreiten fest.

Von wegen zyklisch

Eigentlich würde man erwarten, dass der coronabedingte Einbruch der Auto-Verkäufe auch auf den Rhodium-Preis durchschlägt. Aber in der Summe überwiegen preistreibende Faktoren die eigentlich hohe Zyklizität, welche in der starken Konjunkturabhängigkeit der Automobil-Branche bedingt ist. Es hilft auch, dass die chinesische Konjunktur überraschend gut läuft, weshalb der Automarkt im Reich der Mitte zuletzt eine starke Erholung verzeichnen konnte.

Der mit Abstand wichtigste Bullenfaktor ist jedoch nicht die Verschärfung der Schadstoff-Vorschriften für Automobile oder die chinesische Wirtschaftserholung, sondern die Verknappung des Rhodium-Angebots: Der Abbau des Platinmetalls ist in wenigen Länder konzentriert, alleine etwa 80 Prozent der Gesamtjahresmenge werden in Südafrika gefördert. Corona-Beschränkungen in dem afrikanischen Land können also einen enormen Einfluss haben. Zwischenzeitliche Stilllegungen von Minen und Filteranlagen des Marktführers „Anglo American South Africa“ drückten in der Vergangenheit merklich auf das Rhodium-Angebot, welches schon vorher durch eine allgemeine Knappheit gekennzeichnet war.

Ungewisse Zukunft

In Südafrika steht der Sommer bevor, die Corona-Zahlen sinken wieder. Deshalb könnten die Minen-Gesellschaften bald wieder unter nahezu voller Auslastung ihrer Kapazitäten produzieren. Weil die Rhodium-Verarbeitung aber vergleichsweise viel Zeit in Anspruch nimmt, wird die raffinierte Produktion noch längerfristig beeinträchtigt bleiben.

Die Produktion folgt den Preisveränderungen nur verzögert: "Eine kräftige Erhöhung des Bedarfs an Rhodium führt im Regelfall zu einer deutlichen Preissteigerung des Metalls, weil die Minenproduktion nicht so schnell nachziehen kann", so Hans-Günter Ritter, Leiter des Edelmetallhandels bei Heraeus.

Außerdem ist Rhodium weiterhin eine Wundertüte. Aufgrund der enormen Preis-Volatilität können die Minen-Betreiber nur schwer für die Zukunft kalkulieren und das edelste Metall fällt ohnehin nur als mengenmäßig relativ unbedeutendes Endprodukt in einer langen Förderungskette an. Ob es sich wirklich lohnt die nötigen Vorstufen des Nickel- und Kupferabbaus zu durchlaufen, um am Ende ein wenig mehr Rhodium, Platin und Palladium zu erhalten? Zumindest bieten die jüngsten Preisanstiege von Kupfer eine zusätzliche Motivation zur Förderung.

Auch deutliche Preisrückgänge sind also nicht auszuschließen. Nichtsdestotrotz ist Rhodium jetzt schon eine der spektakulärsten Finanzmarkt-Storys des Jahres. Der Stern des „edelsten aller Metalle“ strahlt hell am Rohstoff-Himmel.

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