Politik

EU-Finanz-Streit: Merkel gibt Ungarn und Polen keine Chance

Einen Tag vor dem EU-Gipfel pocht Bundeskanzlerin Angela Merkel im Streit um das billionenschwere EU-Finanzpaket darauf, dass es bei dem ausgehandelten Rechtsstaatsmechanismus bleibt.
09.12.2020 13:35
Lesezeit: 1 min
EU-Finanz-Streit: Merkel gibt Ungarn und Polen keine Chance
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, l), spricht mit Viktor Orban (r), Ministerpräsident von Ungarn, während eines Roundtable-Meetings beim EU-Gipfel. (Foto: dpa) Foto: Aris Oikonomou

Einen Tag vor dem EU-Gipfel pocht Bundeskanzlerin Angela Merkel im Streit um das billionenschwere EU-Finanzpaket darauf, dass es bei dem ausgehandelten Rechtsstaatsmechanismus bleibt.

Angesichts der polnischen und ungarischen Blockade gegen die Verabschiedung des EU-Haushaltsrahmens und des Corona-Wiederaufbauprogramms sagte Merkel, dass sich die deutsche EU-Ratspräsidentschaft sehr intensiv um eine Lösung bemühe. Sie könne keine Details nennen. Zuvor hatte Polen erneut seine ablehnende Haltung betont und weitere EU-Gipfel ins Gespräch gebracht.

Ungarn und Polen wollen verhindern, dass die Auszahlung von EU-Geldern künftig an die Einhaltung von Rechtsstaatsprinzipien geknüpft wird. Deshalb blockieren sie sowohl den EU-Haushaltsrahmen bis 2027 mit einem Volumen von rund einer Billion Euro als auch den Wiederaufbaufonds in Höhe von 750 Milliarden Euro. Die anderen 25 EU-Staaten drohen deshalb damit, das Corona-Wiederaufbaupaket so aufzulegen, dass sie die Auszahlung der Hilfen unter sich organisieren können. Polen und Ungarn würden dann leer ausgehen. Die zwei nationalkonservativ regierten Länder stehen seit Jahren wegen ihres Umgangs mit Justiz und Medien in der Kritik, gegen beide laufen deshalb EU-Verfahren.

Merkel verwies darauf, dass von der Einigung auch die vereinbarten ehrgeizigen EU-Klimaschutzziele abhängen könnten. Polen hat bisher dem erhöhten Ziel einer CO2-Reduktion um 55 Prozent bis 2030 nicht zugestimmmt und will dafür Geld aus dem Corona-Wiederaufbauprogramm. Sollte Polen daraus kein Geld bekommen, könnte Warschau auch die Zustimmung zur EU-Klimaschutzpolitik verweigern. Merkel warnte, dass die EU international bei dem Thema unter erheblichen Druck stehe.

Polens Außenminister Zbigniew Rau hatte für mehr Zeit zur Lösung des Streits über den EU-Haushalt und ein damit verbundenes Corona-Wiederaufbaupaket plädiert. Ein Kompromiss sei möglich, aber wenn auf dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag keine Einigung erzielt werden könne, müsse womöglich noch in diesem Jahr ein weiteres Treffen der Staats- und Regierungschefs angesetzt werden, sagte der polnische Chefdiplomat in einem Radio-Interview. Alternativ könnten die Verhandlungen auch ins nächste Jahr verschoben werden, wenn Portugal die EU-Ratspräsidentschaft übernehme. Bis Jahresende hat den Vorsitz noch Deutschland inne. Auch Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hatte allerdings erklärt, ein weiterer EU-Gipfel solle nicht ausgeschlossen werden. Die anderen EU-Staaten lehnen eine Verschiebung der Entscheidung bisher ab.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Ist es sicher, auf Top-Up-Websites wie Refilled mit Kreditkarte zu bezahlen?

Jeden Tag gibt es mehr und mehr digitale Shops, die nach deinen Kredit- oder Debitkartendaten fragen. Mit Kreditkarte auf einer...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama Geld zurück aus illegalem Online-Glücksspiel?
16.04.2026

Der Europäische Gerichtshof bringt Bewegung in Millionenklagen rund um Online-Glücksspiel ohne deutsche Lizenz. Spieler hoffen plötzlich...

DWN
Politik
Politik Ungarn vor Kehrtwende: Debatte um EU-Kredit für die Ukraine nimmt Fahrt auf
16.04.2026

Nach dem politischen Umbruch in Ungarn rücken die EU-Finanzhilfen für die Ukraine wieder in den Fokus. Wird Budapest seine Blockade...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Industriestrompreis: EU gibt Milliarden frei
16.04.2026

Die EU-Kommission öffnet den Weg für einen subventionierten Industriestrompreis in Deutschland. Milliardenhilfen sollen die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bosch kämpft mit Kostenexplosion: Gewinne brechen dramatisch ein
16.04.2026

Bosch steckt in der Krise – und schreibt erstmals seit Jahren rote Zahlen. Vor allem die enormen Kosten für den Stellenabbau belasten...

DWN
Panorama
Panorama Arag-Analyse: Konflikte bei Arbeit und Wohnen nehmen zu
16.04.2026

Steigende Kosten treiben immer mehr Menschen vor Gericht – selbst bei kleinen Beträgen. Eine neue Analyse zeigt, wie stark Konflikte um...

DWN
Technologie
Technologie AEO: Wie KI-Suchmaschinen Google den Rang ablaufen
16.04.2026

Die klassische Google-Suche verliert an Macht, während KI-Systeme Antworten direkt liefern. Unternehmen kämpfen nicht mehr um Rankings,...

DWN
Finanzen
Finanzen Iran-Krieg verschärft Risiken: Investoren senken Wachstumserwartungen
16.04.2026

Die Erwartungen globaler Investoren an das Wirtschaftswachstum geraten unter Druck, während Inflation und geopolitische Risiken wieder...

DWN
Technologie
Technologie Experte warnt: Mittelstand unterschätzt Datensouveränität
16.04.2026

Für den Mittelstand wirkt Datensouveränität oft wie ein Randthema. Tatsächlich entscheidet sie über Kontrolle und Unabhängigkeit. Wer...