Politik

Trump-Regierung entzieht der CIA die militärische Unterstützung

Der Machtkampf in der Führung von US-Militär und CIA scheint zu eskalieren. Nach der Wahl am 3. November hatte Präsident Trump wichtige Position im Pentagon neu besetzt, und nun holt das Ministerium zu einem beispiellosen Schlag gegen die CIA aus.
13.12.2020 11:06
Lesezeit: 2 min
Trump-Regierung entzieht der CIA die militärische Unterstützung
Präsident Donald Trump hat im November führende Positionen im Pentagon neu besetzt. (Foto: dpa) Foto: Susan Walsh

In einem überraschenden Schritt hat das US-Verteidigungsministerium der CIA mitgeteilt, dass es künftig keine militärische Unterstützung für die Missionen des Auslandsgeheimdienstes mehr zu Verfügung stellen wird. Zwar hat die CIA eigene bewaffnete Einheiten, die unabhängig agieren können. Doch diese sind bei vielen Operationen auf die logistische und personelle Unterstützung des Militärs angewiesen.

Christopher Miller, der erst seit dem 9. November kommissarischer Verteidigungsminister ist, hat einen Brief an CIA-Direktorin Gina Haspel geschickt, in dem er die Entscheidung des Pentagon darlegt. Der US-Fernsehsender ABC News berichtet dies mit Verweis auf einen ehemaligen Beamten, der den Entzug der militärischen Unterstützung für die CIA nicht nur als überraschend, sondern als beispiellos bezeichnet.

Als erste hatte am Mittwoch die renommierte Nachrichtenwebseite Defense One über den beispiellosen Schritt des Pentagons berichtet. Dem Bericht zufolge sagen mehrere Beamte, das Verteidigungsministerium wolle Personal, das bisher der CIA zur Verfügung gestellt worden ist, stattdessen für Operationen im Wettstreit mit Russland und China umleiten.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums wies darauf hin, dass die mögliche Verlagerung weg von der Unterstützung der CIA-Missionen im Einklang mit der Nationalen Verteidigungsstrategie stehe, die den Fokus des Militärs weg von den regionalen Kriegen im Nahen Osten hin zu nahen Konkurrenten wie Russland und China verschiebt.

"Als verantwortungsbewusster Akteur hat das Ministerium einen Blick darauf geworfen, wie es seine Ressourcenzuweisung besser mit der Verlagerung der Nationalen Verteidigungsstrategie 2018 auf den Wettbewerb der Großmächte in Einklang bringen kann", sagte Lt. Col. Uriah Orland, ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Im Jahr 2018 stellte der damalige Verteidigungsminister Jim Mattis eine nationale Verteidigungsstrategie vor, in der er ankündigte, dass die USA den stärkeren Konkurrenten Vorrang vor der "Terrorismusbekämpfung" der letzten 20 Jahre geben würden. Die Strategie wurde von Republikanern und Demokraten gleichermaßen begrüßt, aber die genaue Rolle der Spezialkräfte in diesem neuen Paradigma ist ein Streitpunkt geblieben.

"Es gibt keine stärkere Beziehung und keine bessere Partnerschaft als zwischen CIA und Verteidigungsministerium", sagte CIA-Sprecherin Nicole de Haay. "Diese Partnerschaft hat zu Erfolgen geführt, die die nationale Sicherheit der USA erheblich vorangebracht haben, und wir sind zuversichtlich, dass Verteidigungsministerium und CIA diese enge Zusammenarbeit auch in den kommenden Jahren fortsetzen werden."

"Wenn diese Berichte wahr sind, so markieren sie einen ernsthaften Rückschlag für eine sehr starke und effektive Beziehung zwischen der CIA und dem Verteidigungsministerium", sagte hingegen Mick Mulroy, ein ehemaliger stellvertretender Verteidigungsminister, ein pensionierter paramilitärischer CIA-Offizier und Mitarbeiter von ABC News.

"Dies könnte das Risiko für CIA-Mitarbeiter erhöhen, bis es von der neuen Regierung wieder rückgängig gemacht werden kann", fügte er hinzu. "Wenn es nicht rückgängig gemacht wird, muss die CIA personell und finanziell aufgestockt werden, um die Differenz auszugleichen und ihre kritischen Missionen fortzusetzen."

Das Pentagon gab letzte Woche bekannt, dass Präsident Donald Trump den Abzug der meisten der 700 US-Militärangehörigen in Somalia angeordnet hatte, obwohl es sagte, dass es weiterhin CIA-Einsätze gegen die militante islamistische Bewegung al-Shabab durchführen wird. Vermutlich hat allein dieser Truppenabzug schon eine negative Auswirkung auf die Operationen der CIA in diesem Land.

"Das Abziehen von Truppen des Verteidigungsministeriums von der CIA kann nur politisch motiviert sein", sagte Eric Oehlerich, ein ehemaliger Navy SEAL und jetzt Mitarbeiter von ABC News. Die Beziehung zwischen beiden Organisationen sei in den letzten zwei Jahrzehnten exponentiell gewachsen, nicht nur bei hochkarätigen Missionen, sondern auch bei täglichen Operationen, die unbemerkt bleiben.

Vorangetrieben wird der Schritt von Ezra Cohen-Watnick, dem Under Secretary of Defense for Intelligence, also dem höchsten zivilen Berater des Verteidigungsministers im Hinblick auf militärische Aufklärung. Cohen-Watnick ist Trump-Loyalist und einer von mehreren hochrangigen Beamten, die nach der umstrittenen US-Präsidentschaftswahl auf führende Positionen im Pentagon gesetzt wurden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Immobilienmakler für Kitzbühel – Hotel und Gewerbeimmobilien verkaufen mit Experten

Der Verkauf von Hotels und Gewerbeimmobilien in Kitzbühel stellt besondere Anforderungen an Eigentümer und Makler. Ein erfahrener...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bankrun in Russland: Warum Bürger ihre Konten leeren
20.08.2026

Ein Bankrun in Russland ist für den Kreml ein Warnsignal. Viele Bürger heben panikartig ihr Bargeld ab. Ökonomen warnen zugleich vor...

DWN
Unternehmen
Unternehmen MG4 Urban im Test: Fast "Das Auto", nur aus China
20.08.2026

Als SAIC Motor das Modell MG4 vorstellte, wurde es sofort zu einem der begehrtesten in China gebauten Elektroautos. Autojournalisten...

DWN
Finanzen
Finanzen Euro-Stablecoins: Wie Europa die Kontrolle über seine Währung verlieren könnte
20.08.2026

Der Euro ist die zweitwichtigste Währung der Welt, doch in der digitalen Finanzwelt spielt er bislang kaum eine Rolle. Während nahezu...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Gewinnmitnahmen nach Zweimonatshoch
20.08.2026

Der Goldpreis hat binnen kurzer Zeit deutlich an Wert gewonnen, doch am Donnerstag legt das gelbe Edelmetall eine Verschnaufpause ein....

DWN
Finanzen
Finanzen JD Sports-Aktie stürzt ab: Gewinnwarnung und Filialabbau belasten – Branche leidet mit
20.08.2026

JD Sports senkt sein Gewinnziel und enttäuscht vor allem in Nordamerika. Gleichzeitig verschwinden immer mehr deutsche Filialen. Der...

DWN
Technologie
Technologie Weltmarkt für E-Lkw wächst rasant – Infrastruktur bleibt Engpass
20.08.2026

Eine halbe Million verkaufte E-Lkw und E-Busse markieren einen neuen Meilenstein für die Verkehrswende. Während China den Weltmarkt...

DWN
Finanzen
Finanzen Criteo-Aktie: Übernahmewette für Mutige oder unkalkulierbares Risiko?
20.08.2026

Die Criteo-Aktie führt vor Augen, welche Chancen Sondersituationen für Anleger bieten können. Doch gerade bei vermeintlich klaren Deals...

DWN
Finanzen
Finanzen Adieu Frankreich, adieu Deutschland: Wohin Europas Reiche ziehen
20.08.2026

Politische Unsicherheit, hohe Steuern: Das sind die wichtigsten Gründe, warum Reiche die zwei stärksten Länder Europas verlassen. Wohin...