Politik

Gegen die Regierung: Unter der Decke des spanischen Militärs brodelt es gewaltig

Es gibt sehr viele Hinweise darauf, dass es innerhalb des spanischen Militärs eine große Unzufriedenheit mit der linken Regierung in Madrid gibt. Dabei dienen Ex-Militärs offenbar als Sprachrohr für aktive Militärs.
10.01.2021 18:25
Aktualisiert: 10.01.2021 18:25
Lesezeit: 3 min
Gegen die Regierung: Unter der Decke des spanischen Militärs brodelt es gewaltig
Spanische Soldaten marschieren am 12.10.2017 in Madrid (Spanien) bei einer Militärparade, die anlässlich des Nationalfeiertags in Spanien stattfindet. (Foto: dpa) Foto: -

Das Magazin „Foreign Policy“ berichtet, dass Spaniens Militär eine Gefahr für die Demokratie darstellen würde.

„Ende November schickten pensionierte Mitglieder des spanischen Militärs zwei Briefe direkt an König Felipe VI., in denen sie ihre Besorgnis über die ,sozialkommunistische‘ Regierung in Madrid und die damit verbundene Gefahr für die spanische Einheit zum Ausdruck brachten. In diesen emotionalen Missiven - eines von 73 ehemals hochrangigen Offizieren der Armee, das andere von 39 pensionierten Luftwaffenoffizieren - sprechen sie den Monarchen ausdrücklich als Chef der Streitkräfte an und verpflichten sich, dem ,Heimatland‘, dem ,nationalen Zusammenhalt‘, die Treue zu halten. Doch dieser ,nationale Zusammenhalt‘, so behaupten sie, wurde von der Minderheitsregierung unter Führung des sozialistischen Premierministers Pedro Sánchez geschwächt. Diesen außerordentlichen Briefen folgte ein ähnliches Manifest, das am 6. Dezember veröffentlicht wurde. Dem Tag, an dem die Spanier ihre Verfassung von 1978 in einem nationalen Referendum genehmigten. Das Manifest beschrieb die von den Sozialisten geführte spanische Regierung als ,ein ernstes Risiko für die Einheit Spaniens und seine Verfassungsordnung‘ und wurde von mehr als 400 ehemaligen Mitgliedern des spanischen Militärs sowie von einem Enkel des ehemaligen Diktators Francisco Franco unterzeichnet“, so das Magazin.

Im Dezember 2020 veröffentlichte die Nachrichtenseite „Infolibre“ eine Reihe von Nachrichten aus einer privaten WhatsApp-Chat-Gruppe hochrangiger spanischer Luftwaffenoffiziere im Ruhestand, in denen die politische Situation erörtert wurde. In der Chat-Gruppe wurde offen zum Putsch gegen die aktuelle spanische Regierung aufgerufen (HIER). Daraufhin wurden drei Soldaten festgenommen. Sie gehören einer Gruppe von Militärs an, die zuvor an einer „Faschisten-Party“ auf einem Militärflugplatz teilgenommen hatten (HIER). Am 6. Januar 2021 sandte der pensionierte Generalleutnant Emilio Pérez Alamán einen Brief an die spanische Verteidigungsministerin Margarita Robles. Er forderte sie auf, den Kurs der aktuellen Regierung zu ändern. Über den Brief berichtete zuallererst die Zeitung „El Correo de España“.

Wer sich in Militärkreisen strukturell und personell etwas auskennt, wird wissen, dass sich die Meinungen und Ansichten von ehemaligen Militärs im Regelfall mit jenen, die sich im aktiven Dienst befinden, decken. Es gibt verschiedene Vereine, Foren und weitere Organisationen, wo ehemalige und aktive Militärs zusammenkommen, um die politische Situation im Land auszudiskutieren. Während in einigen Ländern die Militärs traditionell aktiv in die Innenpolitik eingreifen, verhalten sich die Militärs in anderen Ländern relativ passiv – zumindest öffentlich.

Spanien ist ein Land, das traditionell über politische Soldaten und Militärs verfügt. Es ist völlig ausgeschlossen, dass sich ehemalige Militärs abschätzig über die aktuelle Regierung in Madrid äußern, ohne dass dies zuvor mit aktiven Militärs ausdiskutiert wurde. Der spanische Generalstabschef Miguel Ángel Villarroya wird sich öffentlich immer zur Regierung bekennen, um keinen Verfassungsbruch zu begehen. Es ist aber unerheblich, was Villarroya und die anderen Mitglieder des Generalstabs denken. Denn die Gefahr eines möglichen Putsches kann auch – und vor allem – aus den unteren Militär-Rängen ausgehen.

Bereits im Jahr 2018 hatten sich 181 ehemalige hochrangige Offiziere in einem Manifest zu Francisco Francos Maßnahmen gegen Kommunisten und Linke bekannt. Das Manifest wurde unter anderem vom ehemaligen Chef der spanischen Landarmee, General Juan Enrique Aparicio, unterzeichnet. Aparicio war noch bis zum Jahr 2016 im Dienst. Besonders zu schaffen macht den Ex-Militärs, dass die aktuelle Regierung die jungen Spanier für sich gewinnen möchte, indem eine „Diffamierungs-Kampagne“, so behaupten sie, gegen den ehemaligen Diktator Franco durchgeführt wird.

In der spanischen Armee brodelt es. Die spanischen Militärs sind unzufrieden mit der aktuellen spanischen Regierung. Welche Konsequenz diese Kluft zwischen der Armee und der Regierung nach sich ziehen wird, wird sich zeigen lassen. Doch die Geister und Schatten der Vergangenheit sind allgegenwärtig.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Online-Broker-Vergleich: Die besten Aktiendepots für Anleger – Tipps zur Anbieterauswahl

Ein Online-Broker-Vergleich beginnt beim Wertpapierdepot: Ein Depot ist die Eintrittskarte zur Börse, nur mit einem Depot können Anleger...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autoindustrie Slowakei: Der Autoriese ohne eigene Automarke
26.09.2026

Kein anderes Land produziert gemessen an seiner Einwohnerzahl so viele Autos wie die Slowakei. Volkswagen, Kia, Porsche und Land Rover...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Frankreichs Wirtschaft: Fünf Warnsignale vor der Präsidentenwahl
26.09.2026

Frankreichs Wirtschaft kommt kaum noch vom Fleck, während der Schuldenberg weiter wächst und Anleger höhere Zinsen verlangen....

DWN
Finanzen
Finanzen Ölpreis im Aufwärtsmodus: Während KI träumt, verdienen Ölkonzerne Milliarden
26.09.2026

Der Ölpreis steigt rasant und stellt die Weltwirtschaft vor unbequeme Fragen. Teure Energie kann Inflation anheizen, Wachstum bremsen und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unternehmenskultur: Was Firmen von Netflix wirklich lernen können
26.09.2026

Netflix gilt vielen Unternehmen als Vorbild für Freiheit, Verantwortung und weniger Bürokratie. Doch wer erfolgreiche Managementmodelle...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Toyota Corolla Cross im Test: Der Hybrid, der an einen Diesel erinnert
26.09.2026

Der Toyota Corolla Cross verbindet Hybridtechnik mit viel Komfort und erstaunlich niedrigem Verbrauch. In der getesteten GR-Sport-Version...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo überrascht mit neuem Chef aus Deutschland: Eine große Chance für Volvo
26.09.2026

Der Verwaltungsrat von Volvo Cars überrascht erneut mit der Wahl eines Vorstandschefs, diesmal aber mit einem unerwartet starken Namen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kampf ums Wasser: Die wasserhungrigen Industrien
26.09.2026

Sechs Zentimeter am Rheinpegel Kaub, Lieferprobleme bei BASF, schwächelnde Wasserkraftwerke: Der Dürresommer 2026 macht endgültig klar,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Irans Feigenblatt sorgt für grüne Zahlen an der Wall Street
25.09.2026

Ein unerwarteter Wendepunkt im Nahen Osten sorgt für Bewegung an den Märkten – erfahren Sie, welche Aktien jetzt besonders profitieren.