Politik

Die Welt tritt ein in die Phase des Propaganda-Kriegs um Impfstoffe

Egal, ob man Impfstoffe befürwortet oder nicht, muss gesagt werden: Derzeit läuft eine Kampagne gegen den deutsch-amerikanischen Impfstoff von BioNTech/Pfizer. Dabei geht es offenbar nicht um die Gesundheit der Menschen, sondern um einen „Impfstoff-Krieg“ um weltweite Marktanteile – also um Geld und Macht. Wenn BioNTech/Pfizer Markanteile verliert, können andere Impfstofhersteller davon profitieren.
20.01.2021 19:45
Aktualisiert: 20.01.2021 19:45
Lesezeit: 2 min
Die Welt tritt ein in die Phase des Propaganda-Kriegs um Impfstoffe
«The Three Vaccines» (Die Drei Impfstoffe), ein Graffiti des italienischen Künstlers TVBoy, Salvatore Benintende, stellt in Anlehnung an «Die drei Grazien» vom italienischen Maler Raffael drei Corona-Impfstoffe als Frauen dar: «Moderna», «Pfizer» und «Astraeneca». (Foto: dpa) Foto: Matthias Oesterle

In den vergangenen Monaten sind mehrere Notfallzulassungen für Impfstoffe erfolgt. Als am 30. Dezember 2020 in der Schweiz eine Person nach einer Impfung mit dem deutsch-amerikanischen Impfstoff von BioNTech/Pfizer verstorben ist, sorgte diese Nachricht für eine Verunsicherung in der Öffentlichkeit. Das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic verkündete dann, dass ein Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Ableben der Person „nicht ersichtlich“ sei. Diese Klarstellung erfolgte zu spät. Die Verunsicherung blieb und wirkte nach. Kurz nach dem Vorfall hatten die Deutschen Wirtschaftsnachrichten ausgeführt, dass dies den Beginn eines „Impfstoff-Kriegs“ markieren könnte, der sich um Marktanteile auf dem Impfstoffmarkt drehen würde (HIER).

Wenige Wochen später kam die nächste Attacke gegen den deutsch-amerikanischen Impfstoff. Die Zeitung „Global Times“, die das mediale Propagandaorgan der Kommunistischen Partei Chinas ist, forderte, dass der BioNTec/Pfizer-Impfstoff weltweit gestrichen wird. Zuvor waren 23 Personen in Norwegen nach einer Impfung mit dem BioNTec/Pfizer-Impfstoff verstorben. Später stieg diese Zahl auf 29. Doch die Warnung aus China kann eigentlich nicht mit einer Liebe zur Menschheit zusammenhängen. Schließlich ist die chinesische Firma „Sinovac“ ebenfalls ein Impfstoffhersteller, der in Konkurrenz zu allen anderen Impfstoffherstellern steht (HIER). Wobei erwähnt werden muss, dass die Chinesen keinen mRNA-Impfstoff, sondern einen herkömmlichen Impfstoff benutzen.

Über die Unterschiede zwischen den westlichen mRNA-Impfstoffen und dem chinesischen Impfstoff führt „BR24“ aus: „Herkömmliche Impfstoffe präsentieren dem Immunsystem die Antigene selbst. Nach diesem Prinzip funktioniert zum Beispiel der chinesische Coronavirus-Impfstoff von Sinovac. Bei mRNA-Impfstoffen hingegen bekommt der Körper nur die genetische Information geliefert. Der Körper bildet das Antigen dann selbst. Bei einem späteren Kontakt erkennt das Immunsystem im Prinzip das Antigen wieder und kann das Virus gezielt bekämpfen.“

Norwegen hat seine Warnungen mittlerweile angepasst. Die Arzneimittelbehörde teilte mit, dass die Verwendung des Impfstoffs bei gebrechlichen Personen wahrscheinlich mit hohen Risiken verbunden sei. „Für diejenigen mit der schwersten Gebrechlichkeit können selbst relativ milde Nebenwirkungen des Impfstoffs schwerwiegende Folgen haben. Für diejenigen, die ohnehin eine sehr kurze Restlebensdauer haben, kann der Nutzen des Impfstoffs marginal oder irrelevant sein“, so die Behörde (HIER).

Es fällt auf, dass in den sozialen Medien verhältnismäßig wenig Informationen gestreut werden, die die Impfstoffe aus China, Russland, Großbritannien und den USA (Moderna) in Misskredit bringen. Potenziell können alle Biotech-Firmen, die im Zusammenhang mit der Impfstoffherstellung in Konkurrenz zu BioNTech und Pfizer stehen, an möglichen verdeckten Kampagnen gegen den deutsch-amerikanischen Impfstoff stehen.

Dieser Verdacht soll nicht in Abrede stellen, dass es bei Impfstoffen möglicherweise zu Spätfolgen kommen könnte. Schließlich ist die Nutzung von mRNA-Impfstoffen ein neuer Ansatz. Doch auffällig ist, wie sehr insbesondere der BioNTec/Pfizer-Impfstoff in Bezug auf Wirkung, Lieferzeit und Produktion schlecht geredet wird, während man sich bei allen anderen Impfstoffen mit der Kritik nicht so weit aus dem Fenster lehnt. Die Kampagne gegen den BioNTec/Pfizer-Impfstoff dürfte in den kommenden Wochen an Fahrt aufnehmen, indem man beispielsweise (angebliche) ehemalige Mitarbeiter von Pfizer oder BioNTec zu Wort kommen lässt, die sich negativ über diese Unternehmen äußern. Ehemalige Mitarbeiter, die sich aus irgendwelchen Gründen revanchieren wollen, lassen sich immer und überall finden.

Kurzum: Ein Impfstoff ist auch ein Produkt, das Geld kostet. Deshalb ist es mehr als nur wahrscheinlich, dass ein harter internationaler Wettbewerb um Marktanteile stattfindet. Auch aus diesem Blickwinkel sollten die Nachrichten, die über Impfstoffe in die Welt gesetzt werden, betrachtet werden. Egal, ob man Impfstoffe generell befürwortet oder nicht.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama 100 Euro für nichts? Post warnt vor Nachsende-"Preisfallen"
27.05.2026

Wer umzieht und seine Post nachsenden lässt, kann schnell viel zu viel zahlen. Verbraucherschützer und Deutsche Post warnen vor...

DWN
Politik
Politik Großbritanniens EU-Rückkehr: Realistische Option oder politischer Wunschtraum?
27.05.2026

Erst galt der Brexit als endgültig, nun spricht ein Labour-Schwergewicht offen von Großbritanniens EU-Rückkehr. Hinter der neuen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft China fesselt Deutschlands Industrie immer stärker
26.05.2026

Deutschland wollte sich von China unabhängiger machen – doch bei Akkus, Solarpanels und Antibiotika steigt die Abhängigkeit sogar...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ölreserven unter Druck: Wie lange reichen die globalen Vorräte noch?
26.05.2026

Die Märkte bleiben ruhig, obwohl ein erheblicher Teil der globalen Ölproduktion ausfällt. Der Grund sind die Ölreserven, doch dieser...

DWN
Finanzen
Finanzen Morningstar nennt 5 Favoriten: US-Aktien für geduldige Anleger
26.05.2026

Der US-Marktstratege David Sekera nennt fünf Unternehmen, in die sich aus seiner Sicht langfristig investieren lässt. Einige...

DWN
Finanzen
Finanzen Leitzins: EZB bereitet offenbar Erhöhung vor
26.05.2026

Der Iran-Krieg treibt Energiepreise und Inflation im Euroraum weiter nach oben. Nun signalisiert die EZB höhere Prognosen und bereitet die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Warum Deutschland seine besten Start-ups zu früh verliert
26.05.2026

Technologische Exzellenz allein reicht nicht aus: Entscheidend ist ein frühes Zusammenspiel von Kapital, Marktkenntnis und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kritische Rohstoffe: Europas unterschätzter Machtfaktor
26.05.2026

Lange Zeit galt die Globalisierung als Garant für Wohlstand und Stabilität. In einer vernetzten Welt, so die Theorie, würde der freie...