Unternehmen

EU kämpft sich bei gesetzlichen Regelungen für künstliche Intelligenz weiter vor

Für die Technologie fehlt immer noch der notwendige gesetzliche europäische Rahmen. Jetzt hat das EU-Parlament einen neuen Initiativ-Bericht vorgelegt.
21.01.2021 17:17
Lesezeit: 2 min
EU kämpft sich bei gesetzlichen Regelungen für künstliche Intelligenz weiter vor
Ein Operationssaal am Uni-Klinikum Schleswig-Holstein (UKSH). Hier setzen die Ärzte für ihre Eingriffe Roboter ein. (Foto: dpa). Foto: Frank Molter

Künstliche Intelligenz (KI) muss menschlicher Kontrolle unterliegen, so dass Menschen sie korrigieren oder abschalten können, wenn sie sich unvorhergesehen verhält. Dieser Grundsatz muss auch beim Einsatz der Technologien im Gesundheitswesen gelten – beispielsweise für robotergestützte Chirurgie oder intelligente Prothesen, aber auch beim Kampf gegen Corona.

Das fordert das EU-Parlament (EP) in einem Initiativ-Bericht, den die Parlamentarier am Mittwoch mit großer Mehrheit angenommen haben.

Hintergrund: Damit macht die EU einen Schritt nach vorne, um einheitliche Regelungen für die KI umzusetzen. Die EU-Kommision hatte dabei angekündigt, einen Gesetzesentwurf zu präsentieren, der wohl im Frühjahr veröffentlicht werden wird. Das EP legt in solchen Initiativ-Berichten rote Linien und wichtige Forderungen fest, um den Vorschlag der Kommission zu beeinflussen. So gab es im Oktober bereits drei Dokumente zu ethischen Grundsätzen, zu Haftungsfragen und zur Regulierung von Unternehmen, die KI die Technologie einsetzen.

Die Regelung von KI ist nicht zuletzt deswegen wichtig, weil sie auch beim Kampf gegen COVID19 eine Rolle spielt. So sei beispielsweise der Krankheitsverlauf bei Infektionen bislang weitgehend noch nicht klar, sagen Wissenschaftler. Während einige Patienten kaum Symptome zeigen, erkranken andere schwer oder sterben, erklären sie.

So hat die Hochschule Kaiserslautern gerade ein neues Projekt gestartet, das mit Hilfe von künstlicher Intelligenz untersucht, ob hierfür die Wirkung von Coronaviren auf eine wichtige Gruppe von Immunrezeptoren eine Rolle spielt. Mit Hilfe von schnellen Screeningverfahren und KI soll die Wechselwirkung zwischen unterschiedlichen Coronavirus-Mutanten und menschlichen Genvarianten für wichtigen Immunrezeptoren untersucht und vorhergesagt werden. Das Land Rheinland-Pfalz fördert das Vorhaben noch bis Juni 2022 mit 185.000 Euro.

KI in Deutschlands OP-Sälen noch selten

Darüber hinaus soll die Technologie verstärkt bei Operatitionen eingesetzt werden. Allerdings greifen die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland bislang nur sehr wenig darauf zurück. Seit den Neunziger Jahren ist das DaVinci-System des US-amerikanischen Herstellers Intuitive Surgical der Operationsroboter, der am häufigsten in der Weichgewebschirurgie eingesetzt wird.

Den aktuellsten Statistiken vom Oktober 2019 zufolge hatten rund 140 medizinische Einrichtungen Zugang zu dem System. In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Operationen pro Jahr um die Hälfte zugenommen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Chirurgische Eingriffe verursachen oft bei den Patienten Komplikationen, die in den Industrieländern hohe Folgekosten pro Jahr von 25 Milliarden Euro nach sich ziehen. Experten zufolge lässt sich dies durch KI vermeiden, weil die Technologie in schwer zugänglichen Bereichen des Körpers flexibler und effizienter operieren kann als die menschliche Hand.

"Wir schätzen, dass der Umsatz der robotergestützten Chirurgie und Diagnostik um 17 Prozent pro Jahr von 2019 bis 2025 auf 14 Milliarden Dollar oder elf Milliarden Euro wächst", erklärte Stefan Blum von Bellevue Asset Management im August 2020. Sein Unternehmen gehört zu der Schweizer Finanzgruppe Bellevue Group. Der Experte schrieb einen Fachbeitrag für das Finanzportal "Cash".

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Streit um Renteneintritt: Lebenserwartung steigt langsamer als Rentenalter
29.04.2026

Länger arbeiten, aber nicht länger leben? Neue Zahlen zeigen: Das Rentenalter steigt schneller als die Lebenserwartung. Die Debatte um...

DWN
Politik
Politik Rentenstreit um Basisabsicherung: Ist die Rente nicht mehr sicher?
29.04.2026

Der Bundeskanzler löst mit seiner Aussage, dass die Altersvorsorge zukünftig nicht mehr reichen wird, um den Lebensstandard der Bürger...

DWN
Technologie
Technologie KI treibt Deutschland in neue Abhängigkeit
29.04.2026

Künstliche Intelligenz wird in Deutschland schneller Alltag, als viele erwartet haben. Doch die Dominanz US-amerikanischer Anbieter und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lohnabgaben in Deutschland: Warum nur wenig vom Bruttolohn bleibt
29.04.2026

Deutschland zählt im OECD-Vergleich zu den Ländern mit besonders hohen Abgaben auf Löhne, während steigende Sozialbeiträge den Abstand...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street schließt tiefer, da Schwäche im Tech-Sektor das Anlegervertrauen erschüttert
28.04.2026

Wachsende Unsicherheiten und unerwartete Wendungen halten die Finanzwelt in Atem – was Anleger jetzt über die aktuellen Marktbewegungen...

DWN
Technologie
Technologie USB-C wird Pflicht: EU zwingt Laptop-Hersteller zum neuen Standard
28.04.2026

Die EU schreibt USB-C ab heute als Pflichtanschluss für alle neuen Laptops vor und beendet damit eine jahrelange Übergangsphase. Für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Atomaktien im Aufwind: Energiekrise setzt US-Börsen unter Druck
28.04.2026

Die US-Börsen stehen trotz geopolitischer Spannungen auf hohem Bewertungsniveau, während Atomaktien durch neue Sorgen um die...

DWN
Politik
Politik Richard Moore sieht globale Risiken: Spannungen setzen Europa unter Druck
28.04.2026

Die Aussagen von Ex-MI6-Chef Richard Moore zeichnen ein ungewöhnlich offenes Bild der aktuellen Weltlage zwischen Ukrainekrieg,...