Finanzen

Goldnachfrage weltweit stark zurückgegangen, schwächster Stand seit elf Jahren

Die harten Zahlen zum Goldmarkt des Jahres 2020 verdeutlichen, wie die Coronakrise sowohl die Weltwirtschaft als auch das globale Finanzwesen verändert hat. Vieles deutet darauf hin, dass sich trotz des hohen Preises ein Einstieg noch lohnen könnte.
08.02.2021 13:00
Lesezeit: 2 min
Goldnachfrage weltweit stark zurückgegangen, schwächster Stand seit elf Jahren
Privatanleger greifen weiter zu beim Gold. (Foto: dpa) Foto: Peter Kneffel

In der Corona-Krise hat sich eine ganze Reihe von Trends in der Goldnachfrage umgekehrt. Dies hatte sich bereits im dritten Quartal abgezeichnet. Doch im vierten Quartal 2020 hat sich die Lage weiter verschärft, die globale Goldnachfrage ist auf 783,4 Tonnen eingebrochen. Dies war ein weiterer drastischer Rückgang um mehr als 12 Prozent zum dritten Quartal sowie zum Vorjahresquartal um 28 Prozent.

Damit verzeichnete das vierte Quartal 2020 die schwächste Goldnachfrage seit dem zweiten Quartal 2008, als die globale Finanzkrise begann, also seit zwölfeinhalb Jahren. Für das Gesamtjahr 2020 ergibt sich ein Rückgang der weltweiten Goldnachfrage um 14 Prozent auf 3.759,6 Tonnen, wie der World Gold Council berichtet. Damit sank die Nachfrage im letzten Jahr erstmals seit 2009 wieder unter die Marke von 4.000 Tonnen.

Hintergrund dieses starken Einbruchs der Goldnachfrage ist, wie wir im November ausführlich berichtet haben, dass die Coronakrise die Branche in vieler Hinsicht stark verändert hat. Vereinfacht kann man sagen: Konsumenten kauften weniger Schmuck, Zentralbanken weniger Barren, Privatanleger (vor allem im Westen) hingegen investierten deutlich mehr.

Die Nachfrage nach Goldschmuck hat sich im 4. Quartal weiter auf nunmehr 515,9 Tonnen deutlich erholt, liegt jedoch weiter 13 Prozent unter dem Vorjahreswert. Damit ergibt sich für das Jahr 2020 insgesamt eine Schmucknachfrage von 1.411,6 Tonnen. Das sind 34 Prozent weniger als noch im Jahr 2019 und ein neues Jahrestief in den Daten des World Gold Council.

Die jährliche Investitionsnachfrage hingegen stieg im Jahresvergleich um 40 Prozent auf einen neuen Jahresrekord in Höhe von 1.773,2 Tonnen. Der größte Teil des Wachstums kam von den mit Gold gedeckten Börsenfonds (Gold-ETFs) sowie durch das Wachstum bei Barren und Münzen im zweiten Halbjahr.

Die Nachfrage nach Goldbarren und Goldmünzen stieg im vierten Quartal um 10 Prozent. Eine Erholung in China und Indien in der zweiten Jahreshälfte 2020 fügte sich zu der anhaltenden Stärke in den westlichen Märkten hinzu. Daher stieg die jährliche Nachfrage auf 896,1 Tonnen - ein Plus von 3 Prozent zum Vorjahr.

Die Zuflüsse in globale Gold-ETFs erreichten 2020 einen neuen Jahresrekord in Höhe von 877,1 Tonnen. Eine 11-monatige Folge positiver monatlicher Zuflüsse, die im Dezember 2019 begonnen hatten, fand erst im November ihr Ende. Im vierten Quartal verzeichneten die Gold-ETFs wieder starke Abflüsse von insgesamt 130 Tonnen.

Die Goldkäufe der Zentralbanken verlangsamten sich 2020 stark und gingen um 59 Prozent auf lediglich 273 Tonnen zurück. Allerdings kam es im vierten Quartal wieder zu bescheidenen Nettokäufen der weltweiten Zentralbanken von 44,8 Tonnen, welche die Nettoverkäufe von 6,5 Tonnen aus dem dritten Quartal wieder mehr als ausglichen.

Die Goldnachfrage im Technologiesektor fiel im vergangenen Jahr um 7 Prozent auf 301,9 Tonnen. Während die Verwendung in der Elektronikbranche um 5 Prozent auf 248,1 Tonnen zurückging, brach die Nutzung in der Zahnmedizin um 15 Prozent auf 11,9 Tonnen ein und in anderen Industriebranchen um 16 Prozent auf 42 Tonnen.

Die gesamte jährliche Produktion der weltweiten Goldminen war ebenfalls rückläufig. Es sank im Jahresvergleich um 4 Prozent auf 3.401 Tonnen. Hintergrund sind Unterbrechungen der Minenproduktion infolge von Corona. Zugleich gab es aber beim Goldrecycling, das wegen des hohen Goldpreises wieder lohnender war, einen leichten Anstieg um 1 Prozent auf 1.297,4 Tonnen. Dies war der höchste Wert seit 2012.

Abgesehen von Corona stehen die Minenunternehmen weiterhin vor dem Problem, dass es kaum noch leicht abzubauendes Gold gibt. Die Entdeckung neuer Goldvorkommen ist seit drei Jahrzehnten rückläufig, obwohl die Suche verstärkt wurde. Schwieriger abzubauendes Gold bedeutet offensichtlich höhere Kosten, sodass diese Projekte sich nur bei einem höheren Goldpreis lohnen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Industrieemissions-Richtlinie: Neue Schadstoffregeln für Industrie beschlossen
29.01.2026

Das Bundeskabinett verabschiedet einen Gesetzesentwurf, der eine Richtlinie der EU zu Industrieemissionen bis zum 1. Juli in nationales...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Novo Nordisk-Aktie wieder unter Druck: Holt Eli Lilly den Vorsprung endgültig auf?
29.01.2026

Die Novo Nordisk-Aktie steht nach einem kurzen Zwischensprint wieder unter Druck: Im Frankfurter Börsenhandel am Donnerstag verliert die...

DWN
Panorama
Panorama Europäische Investitionsbank (EIB): EU-Förderbank verstärkt Engagement in der Verteidigung
29.01.2026

Europa steht sicherheitspolitisch unter Druck: Russlands Angriffskrieg und globale Machtverschiebungen zwingen die EU zum Handeln. Die...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX aktuell im Minus: SAP-Kurseinbruch belastet
29.01.2026

Der DAX-Kurs gerät am Donnerstag unter Druck, nachdem das DAX-Schwergewicht SAP den Index enttäuscht. Gleichzeitig verunsichern...

DWN
Finanzen
Finanzen SAP-Aktie: DAX-Wert bricht nach Quartalszahlen ein – Cloud-Bestand enttäuscht
29.01.2026

Die SAP-Aktie gerät nach den neuesten Quartalszahlen erneut kräftig unter Druck. Zwar zeigt das Cloudgeschäft weiter Wachstum, doch ein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mit welchem Führungsstil können Führungskräfte das Potenzial ihrer Mitarbeiter voll ausschöpfen?
29.01.2026

Ein kontrollierender Chef, der immer über alles Bescheid wissen möchte, ist bei vielen Mitarbeitern unbeliebt. Im Gegenzug wünschen sich...

DWN
Finanzen
Finanzen Aurubis-Aktie klettert weiter dank Kupferpreisrallye
29.01.2026

Die Aurubis-Aktie profitiert aktuell spürbar von der starken Kupferpreisrally und erreicht neue Rekorde. Doch während Analysten weiteres...

DWN
Politik
Politik Merz-Regierungserklärung im Bundestag: Europa muss Machtpolitik lernen
29.01.2026

Bundeskanzler Friedrich Merz fordert in seiner Regierungserklärung im Bundestag ein selbstbewusstes Europa, das Machtpolitik beherrscht...