Technologie

Chipmangel: Internationale Autobauer müssen Produktion drosseln

Die weltweiten Autobauer müssen ihre Produktion aufgrund eines Chip-Mangels drosseln. Weltweit bleibt kaum ein großer Hersteller von dem Halbleiter-Mangel verschont, der durch die Sanktionen der ehemaligen US-Regierung gegen chinesische Chipfabriken verschärft wurde.
09.02.2021 16:30
Lesezeit: 2 min

Der Chip-Mangel setzt der Autobranche immer stärker zu. Die japanischen Autobauer Honda und Nissan mussten wegen fehlender Halbleiter ihre Produktion weiter drosseln und werden zusammen in diesem Jahr wohl 250.000 Fahrzeuge weniger verkaufen. Honda senkte sein Verkaufsziel am Dienstag um 100.000 Fahrzeuge oder 2,2 Prozent auf 4,5 Millionen, während Nissan sein Ziel um 150.000 Fahrzeuge oder 3,6 Prozent auf 4,015 Millionen Einheiten reduzierte. Auch General Motors weitet die Produktionskürzungen in mehreren Fabriken aus. Der größte US-Autobauer geht inzwischen dazu über, halbfertige Fahrzeuge solange zu parken, bis wieder Chips geliefert werden. Weltweit bleibt kaum ein großer Hersteller von dem Halbleiter-Mangel verschont, der durch die Sanktionen der ehemaligen US-Regierung gegen chinesische Chipfabriken verschärft wurde.

Asiatische Chiphersteller wie Taiwan Semiconductor wollen ihre Produktionskapazitäten ausbauen, warnen jedoch, dass das einige Zeit dauern könnte. Experten gehen davon aus, dass sich der Engpass ins zweite Quartal hinziehen und im dritten Quartal noch nicht vollständig überwunden sein dürfte. Das Prognoseunternehmen IHS Markit schätzt, dass in diesem Jahr weltweit rund eine Million Fahrzeuge nicht gebaut werden können. Der größte Teil davon dürfte auf das erste Quartal entfallen.

GM kündigte an, die Ausfallzeiten in den Werken in Fairfax (USA), Ingersoll (Kanada) und San Luis Petosi (Mexiko) bis Mitte März zu verlängern. Dann soll die Situation neu bewertet werden. In den Werken in Wentzville (Missouri) und Ramos Arizpe (Mexiko) will der Detroiter Konzern unfertige Fahrzeuge auf Halde bauen, bis wieder Chips geliefert werden. Die Aktien von GM gerieten an der Wall Street unter Druck.

Ein Schlag ins Kontor

Bei den japanischen Konkurrenten sieht es nicht anders aus. "Beliebte Modelle, die sich gut verkaufen lassen, wurden vom Halbleitermangel schwer getroffen", sagte Honda-Chef Seiji Kuraishi. "Wir mussten die Produktionspläne ändern und anpassen." Der Mangel dürfte sich aber in der ersten Hälfte des Jahres 2021 verringern, so Kuraishi. Honda senkte im vergangenen Monat die Produktion um rund 4000 Einheiten hauptsächlich bei den Modellen Fit und Jazz und reduzierte zudem die Produktion von fünf Modellen in fünf Werken in den USA und Kanada.

Auch Nissan kappte die Produktionen in Japan und den USA etwa von seinem meistverkauften Kompaktwagen mit Hybridtechnologie und von LKW-Modellen. "Wir mildern die Auswirkungen des Halbleitermangels und tun unser Bestes, um die negativen Auswirkungen zu minimieren", sagte Konzernchef Makoto Uchida.

Autohersteller auf der ganzen Welt sind von dem Mangel an Chips betroffen, die in Motormanagement- und Fahrerassistenzsystemen verwendet werden. Auch Volkswagen und Daimler leiden darunter. Um die Folgen des Engpasses zu erörtern, wollen am Mittwoch Vertreter des Auto- und Elektroniksektors sowie des französischen Staates zu einem Krisentreffen zusammenkommen, wie ein Sprecher der französischen Auto-Lobby PFA gegenüber Reuters ankündigte.

Honda und Nissan überraschen mit Gewinn

Die anziehende Nachfrage vor allem in Asien sorgte derweil bei Honda und Nissan für Überraschungen: So schnellte bei Honda im Zeitraum Oktober bis Dezember der Betriebsgewinn um 67 Prozent auf 277,7 Milliarden Yen (2,2 Milliarden Euro) und übertraf damit die Analystenschätzungen von 176,7 Milliarden Yen deutlich. Die positive Entwicklung stimmte den Vorstand für das Gesamtjahr 2020/21 zuversichtlicher: Statt 420 Milliarden Yen avisiert er nur den Rekordwert von 520 Milliarden Yen.

Nissan erzielte derweil statt eines erwarteten Verlustes einen Betriebsgewinn von 27,1 Milliarden Yen. Daher rechnet der Vorstand für das Gesamtjahr 2020/2021 nun mit einem geringeren Betriebsverlust: statt 340 Milliarden Yen nun ein Minus von 205 Milliarden. Weltmarktführer Toyota will am Mittwoch seine Zahlen veröffentlichen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte: Nasdaq und S&P 500 sacken ab, während Inflationssorgen steigen
14.10.2026

Welche Entwicklungen die Märkte jetzt erschüttern und wo sich überraschende Chancen auftun.

DWN
Politik
Politik Wie gewinnt man den nächsten Krieg? Ex-US-Verteidigungsminister Austin erläutert in Warschau die NATO-Strategie
14.10.2026

Der pensionierte General Lloyd Austin, der unter Präsident Joe Biden US-Verteidigungsminister war, hat beim Warsaw Security Forum die...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: Nach US-Inflationsschub blicken Anleger auf die Fed
14.10.2026

Der Goldpreis tendiert am Mittwochnachmittag in der Verlustzone, weil höhere US-Verbraucherpreise die Hoffnung auf eine Zinssenkung...

DWN
Politik
Politik Trumps Vereinbarung mit Putin dreht sich um weit mehr als Diesel
14.10.2026

Donald Trumps Diesel-Abkommen mit Wladimir Putin wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich: US-Gesetze begrenzen russische...

DWN
Technologie
Technologie Starlink in der Ukraine: Streit um neue Geschwindigkeitsgrenze
14.10.2026

In der Ukraine wächst der Ärger über eine offenbar neue Einschränkung beim Satelliteninternet Starlink. Nach Angaben aus dem Umfeld von...

DWN
Politik
Politik Zuckersteuer beschlossen: Kabinett bringt Extra-Steuer auf den Weg
14.10.2026

Zwischendurch hatte das Kanzleramt sie gestoppt, das Finanzministerium musste nacharbeiten - jetzt ist die Zuckersteuer in der...

DWN
Politik
Politik Grüngasquote für private Haushalte ab 2028 sorgt für Kritik
14.10.2026

Die schwarz-rote Koalition hatte sich bei der Einigung auf das neue Gebäudemodernisierungsgesetz - als Nachfolger des...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Prognose: Warum die nächsten Tage alles verändern könnten
14.10.2026

Bitcoin steht vor einer entscheidenden Bewährungsprobe. Nach massiven Kapitalabflüssen aus Bitcoin-ETFs und einem Kursrutsch auf nahezu...