Politik

Nach Tötung türkischer Zivilisten: USA halten sich mit Beileidsbekundung an die Türkei zurück

Die USA haben sich mit einer Beileidsbekundung an die Türkei wegen der Tötung von 13 türkischen Geiseln durch die PKK zurückgehalten. Ankara ist erzürnt. Doch die Zurückhaltung macht aus US-amerikanischer Sicht Sinn. Die PKK ist zwar eine Terrororganisation, doch sie und ihr syrischer Ableger sind auch loyale US-Verbündete gegen Russland, Syrien und den Iran.
15.02.2021 17:44
Aktualisiert: 15.02.2021 17:44
Lesezeit: 3 min

Clinch zwischen der Türkei und den USA: Wegen einer missliebigen US-Erklärung zu entführten und im Nordirak getöteten Türken hat Ankara den US-Botschafter einbestellt. Man habe Botschafter David Satterfield das Missfallen über die US-Erklärung zu dem „PKK-Massaker“ auf stärkste Weise zum Ausdruck gebracht, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montag unter Berufung auf eine Erklärung des Ministeriums. Ankara macht die PKK für die Tötung von 13 entführten Türken im Nordirak verantwortlich.

Der Sprecher des US-Außenministeriums Ned Price hatte zuvor in einer Mitteilung gesagt: „Die Vereinigten Staaten bedauern den Tod türkischer Staatsbürger in der Region Kurdistan im Irak. Wir stehen mit unserem NATO-Verbündeten Türkei zusammen und sprechen den Familien derjenigen, die bei den jüngsten Kämpfen gefallen sind, unser Beileid aus. Wenn Berichte über den Tod türkischer Zivilisten durch die PKK, eine designierte Terrororganisation, bestätigt werden, verurteilen wir diese Aktion aufs Schärfste.“

Damit machte das US-Außenministerium deutlich, dass seine Beileidbekundung erst dann ausgesprochen wird, wenn die Tötung der türkischen Zivilisten durch die PKK bestätigt wird. Doch die PKK würde sich logischerweise keinesfalls zur Tötung von Zivilisten bekennen, zumal sie dadurch an Ansehen auf der internationalen Bühne und wahrscheinlich auch in den eigenen Reihen verlieren würde.

Die Aussage der US-Regierung hängt offenbar auch mit der Tatsache zusammen, dass Washington den syrischen Ableger der PKK (YPG) seit Jahren massiv bewaffnet. Die PKK ist ein Verbündeter der USA in der Region, der sein Verbrauchsdatum noch nicht erreicht hat. Die Organisation spielt aus Sicht der USA eine wichtige Rolle, um die Regierung in Damaskus und Russland, aber auch den Iran und seine Milizen in der Region territorial einzudämmen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete die Stellungnahme am Montag als „absurd“ und warf den USA erneut vor, „Terroristen“ zu unterstützen. Die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei stehen vor einer erneuten Eskalation. Die aktuellen Verstimmungen sollten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass in einer späteren Phase eine Kooperation zwischen der PKK (YPG), den USA und der Türkei nicht abwegig ist. Schließlich geht es im Detail um die Aufteilung Syriens in verschiedene Zonen.

Die Brookings Institution berichtet, dass eine Aufteilung Syriens in Einflusszonen im Gang sei. In diesem Zusammenhang listet die US-Denkfabrik einige Vorschläge für die US-Regierung auf, wie die Aufteilung aussehen könnte. Die US-Denkfabrik wörtlich: „Nutzen Sie (US-Regierung, Anm. d. Red.) kurzfristig die Verhandlungen mit Damaskus und Moskau, um Schutz für verschiedene autonome Zonen in oppositionsdominierten Regionen in Syrien zu erreichen. Dies könnte mit dem kurdischen Nordosten des Landes beginnen, der in mindestens zwei solcher Zonen aufgeteilt werden sollte, um die türkischen Sorgen über den kurdischen Sezessionismus zu mildern. Ähnliche autonome Gebiete sollten für Gebiete, die hauptsächlich in Oppositionsgebieten liegen, verfolgt werden, insbesondere im Nordwesten des Landes in der Nähe von Idlib, wenn dies möglich ist (...) Die amerikanischen Streitkräfte sollten ungefähr in ihrer aktuellen Anzahl am Boden bleiben, um beim Wiederaufbau zu helfen und um sicherzustellen, dass die autonomen Gebiete sicher bleiben, bis Assad weg ist. Darüber hinaus sollten die US-Gelder für Stabilisierungsprogramme in oppositionell kontrollierten Gebieten unverzüglich wiederhergestellt werden.“

Zuvor hatte die US-Denkfabrik RAND Corporation empfohlen den Osten Syriens unter eine internationale Verwaltung zu stellen. „Wir empfehlen daher, dass die USA die Provinz Rakka nach ihrer Befreiung unter eine internationale Übergangsverwaltung stellt, wodurch ein neutrales Gebiet geschaffen wird, das weder vom Regime noch von der Opposition bis zur endgültigen Lösung des Bürgerkriegs gehalten wird”, so die RAND Corporation in einem Bericht. Das Gebiet soll von der UN kontrolliert werden, die wiederum Provinzräte einsetzt. Die RAND Corporation spricht sich aber dagegen aus, dass eine reine UN-Friedenstruppe in die internationale Zone entsendet wird. Stattdessen müssten die USA und Russland den Einsatz einer „Koalitions-Truppe“ organisieren, die ein UN-Mandat erhält.

Es gibt aber auch ernsthafte Hinweise darauf, dass die Türkei und die USA die Gründung einer einheitlichen Kurdistanregion zwischen dem Nordirak und Ostsyrien anstreben. Diese würde sich gegen den Iran und Europa richten (HIER).

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