Politik

Alarm in Frankreich: Astrazeneca-Impfstoff hat mehr Nebenwirkungen als vermutet

Mehreren Berichten zufolge hat der Astrazeneca-Impfstoff stärkere Nebenwirkungen als bisher vermutet. Mehrere französische Krankenhäuser unterbrechen oder verlangsamen die Astrazeneca-Impfprogramme für ihre Mitarbeiter, da viele Mitarbeiter aufgrund schwerwiegender Nebenwirkungen krankgeschrieben werden müssen. Die Stadt Berlin will hingegen Obdachlose mit dem Astrazeneca-Impfstoff impfen.
25.02.2021 19:19
Aktualisiert: 25.02.2021 19:19
Lesezeit: 2 min
Alarm in Frankreich: Astrazeneca-Impfstoff hat mehr Nebenwirkungen als vermutet
Eine Außenansicht der AstraZeneca GmbH in Wedel bei Hamburg. (Foto: dpa) Foto: Christian Charisius

Die „Frankfurter Rundschau“ berichtet: „Die Meldungen häuften sich in den vergangenen Tagen: Weil sich ein beträchtlicher Teil des Personals nach der Impfung mit dem Vakzin von Astrazeneca krankmelden musste, konnte in manchen Rettungsdiensten, Klinikstationen, Praxen oder Pflegeheimen nicht mehr richtig gearbeitet werden. In zwei schwedischen Provinzen, einigen französischen und deutschen Krankenhäusern wurde das Impfen deshalb vorübergehend gestoppt. Die nationale Agentur für Arzneimittelsicherheit in Frankreich soll laut einem Bericht der Zeitung ,Le Parisien‘ ,in Alarmbereitschaft‘ sein, gleichwohl wolle sie aber ,beruhigen‘. Clément Goehrs, Leiter eines Unternehmens, das im Nachbarland für die Meldung der Impfreaktionen zuständig ist, wird mit der Aussage zitiert: ,Wir haben diese Nebenwirkungen erwartet, aber sie sind stärker als wir dachten‘.“

Mehr zum Thema: Bundeskabinett beschließt Einführung des digitalen Impfpasses

The Local“ wörtlich: „Mehrere französische Krankenhäuser unterbrechen oder verlangsamen die Astraeneca-Impfprogramme für ihre Mitarbeiter, da viele Mitarbeiter aufgrund schwerwiegender - wenn auch vorübergehender - Nebenwirkungen krankgeschrieben werden müssen, was zu schwerwiegenden logistischen Problemen bei bereits überlasteten Diensten führt.“

Die Stadt Berlin plant hingegen, vor allem Obdachlose mit dem Astrazeneca-Impfstoff zu impfen. Die „Berliner Zeitung“ berichtet: „Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) will mit einem Teil der übrig gebliebenen Astrazeneca-Dosen die rund 3000 Obdachlosen in den Notunterkünften gegen Corona impfen.“

Le Figaro“ führt über den Astrazeneca-Impfstoff aus: „Dieser Impfstoff ist weniger wirksam als seine RNA-Konkurrenten und wird manchmal als zweitklassiger Impfstoff angesehen.“

Die Bundesbehörde „Robert-Koch-Institut“ (RKI), die gegenüber dem Bundesgesundheitsministerium weisungsgebunden ist, führt über den Astrazeneca-Impfstoff aus: „Die beim AstraZeneca-Impfstoff verwendeten „Träger- oder Vektorviren“ sind Adenoviren (modifizierte Viren, die bei Schimpansen Erkältungen auslösen), die für Menschen harmlos sind. Das Impfvirus repliziert (d.h. vermehrt sich) im menschlichen Körper nicht und kann somit keine Erkrankung auslösen. Nach der Impfung gelangt das Impfvirus mit dem SARS-CoV-2-Gen in einige wenige menschliche Körperzellen. Die Zellen verwenden das Gen zur Herstellung des Spikeproteins. Das Immunsystem erkennt das Spikeprotein als fremd an und bildet als Reaktion des Immunsystems Antikörper und T-Zellen, die im Idealfall vor einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 schützen. Bei natürlicher Infektion mit Adenoviren wurde bisher keine genetische Veränderung menschlicher Zellen beobachtet. Adenovirale Vektoren gelten generell als nichtintegrierende Vektoren, d.h. sie integrieren ihr Erbgut nicht ins Zellgenom. Das Genom der COVID-19-Vektorimpfstoffe auf Basis nicht vermehrungsfähiger Adenoviren verbleibt ebenso wie das anderer Adenoviren außerhalb der menschlichen DNA (extrachromosomal) im Zellkern infizierter Zellen. Auch vor dem Hintergrund, dass sich die adenoviralen Vektoren – anders als die natürlichen Erkältungsviren – aufgrund genetischer Veränderungen nicht im menschlichen Körper vermehren und schnell vom Körper eliminiert werden, besteht nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft kein Risiko der Integration der Adenovirus-Vektor-DNA in das menschliche Genom.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg und steigende Gaspreise: Braucht Deutschland eine nationale Gasreserve?
19.03.2026

Der Iran-Krieg treibt die Gaspreise nach oben, während Deutschlands Gasspeicher deutlich leerer sind als im Vorjahr. Wirtschaftsministerin...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gastronomie in Deutschland: Insolvenzen erreichen Rekordniveau
19.03.2026

Steigende Preise, sinkende Nachfrage und wachsende Insolvenzen setzen Restaurants und Bars massiv unter Druck. Selbst staatliche...

DWN
Politik
Politik Zwischen Anspruch und Realität: Die Rückkehr der Kriegswirtschaft und das Erbe der Abrüstung
19.03.2026

Während des Kalten Kriegs gab es detaillierte Pläne für die deutsche Wirtschaft im Krisenfall, in den 1990ern wurden diese weitgehend...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Zinsentscheid: Europäische Zentralbank belässt Leitzins für die Eurozone unverändert – trotz Inflationsrisiken
19.03.2026

Mit dem aktuellen EZB-Zinsentscheid sendet die Notenbank ein klares Signal – vorerst keine Änderung beim EU-Leitzins. Doch steigende...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs aktuell mächtig unter Druck: Ölpreis sorgt für neue Unsicherheit – DAX rutscht weiter ab
19.03.2026

An der Börse aktuell dominieren Unsicherheit und Verluste: Der DAX-Kurs fällt deutlich, während der Ölpreis weiter steigt. Inflation...

DWN
Politik
Politik USA-Einreise: Kaution auf 15.000 Dollar ausgeweitet – diese 50 Länder sind betroffen
19.03.2026

Neue Hürden bei der USA-Einreise sorgen für Unsicherheit: Eine USA-Kaution von 15.000 Dollar wird für immer mehr Länder Pflicht. Doch...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienförderung: Wie neue Bauförderungen die Deutschen zum Hausbau motivieren sollen
19.03.2026

Die Bundesregierung hat sich bezahlbares Wohnen mit Rotstift auf die Fahne geschrieben. Nach Erlass des Bauturbos sollen auch neue oder...

DWN
Finanzen
Finanzen Meinung: Reflexartige Reaktionen der EZB sind das Letzte, was jetzt gebraucht wird
19.03.2026

Der EZB-Zinsentscheid steht an: Zwischen Inflationsrisiken und Konjunktursorgen muss die Europäische Zentralbank einen schmalen Grat...