Technologie

Fraunhofer entwickelt Roboter, der Bademeister ersetzen kann

Forscher des Fraunhofer-Instituts arbeiten an einem autonomen Roboter, der Menschen vor dem Ertrinken retten kann.
21.03.2021 10:10
Lesezeit: 2 min

Fast 420 Menschen sind nach Angaben der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Jahr 2019 in Deutschland ertrunken. Die meisten davon verloren ihr Leben in Binnengewässern. Aber auch in Schwimmbädern kam es zu Unfällen mit tödlichem Ausgang. Ein Grund dafür sind die fehlenden ausgebildeten Bademeister, die die Bäder sichern – und das in ganz Deutschland. Auch bei Rettungsschwimmern mangelt es der DLRG an Nachwuchs.

Abhilfe schaffen will ein Forscherteam des Instituts für Angewandte Systemtechnik (AST) des Fraunhofer Instituts für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung. Ein weltweit einzigartiger Wasserroboter soll Bademeistern und Rettungsschwimmern zur Seite stehen und Schwimmer in Not retten. Bei der Entwicklung des autonomen Systems nutzen die Wissenschaftler ihre jahrelange Expertise im Bereich der Unterwasserrobotik. Mit DEDAVE haben sie bereits ein mehrfach prämiertes autonomes Unterwasserfahrzeug entwickelt.

„Es gibt typische Körperpositionen, an denen man erkennt, dass sich jemand in Gefahr befindet“, erklärt Informatiker Helge Renkewitz, der das abgeschlossene Projekt in enger Zusammenarbeit mit dem Wasserrettungsdienst Halle e.V. geleitet hat.

An der Hallendecke angebrachte Überwachungskameras registrieren die Bewegungsmuster und Position des Ertrinkenden im Becken und senden die Koordinaten an den Roboter. Dieser befindet sich, vor fremden Augen geschützt, in einer Dockingstation am Boden des Schwimmbeckens, die sich im Notfall öffnet. Hat der Roboter sein Ziel erreicht, ortet er mithilfe von Kameras die gefährdete Person und befördert diese an die Wasseroberfläche. Eine Fixier- und Fangvorrichtung verhindert, dass leblose Körper beim Auftauchen herunterrutschen.

Erfolgreiche Tests in Freigewässern

An Badeseen übernehmen Flugdrohnen und Zeppelinsysteme die Aufgabe der Überwachungskameras. „Diese Drohnen und Werbeballons lassen sich problemlos mit Kameras ausstatten“, so Renkewitz. Für die Rettung im Badesee, wo das Wasser trübe ist, wird der Roboter anstelle von optischen mit akustischen Sensoren ausgestattet. Mithilfe des Echos der Schallwellen werden Lage und Ausrichtung einer Person so exakt bestimmt, dass der Roboter die Zielperson autonom ansteuern und aufnehmen kann.

Erste Freiwasser-Tests im Hufeisensee bei Halle haben demonstriert, dass das innovative Rettungskonzept tatsächlich funktioniert: Ein in drei Metern Tiefe abgelassener, 80 Kilo schwerer Dummy wurde von dem Rettungsroboter aufgenommen, fixiert, innerhalb einer Sekunde an die Wasseroberfläche befördert und auf dem kürzesten Weg eine Strecke von 40 Metern zurück zum Ufer gebracht, wo bereits die Rettungskräfte warteten. Ein Signal alarmiert diese sofort, wenn der Roboter über einen Notfall informiert wird. „Die komplette Rettungsaktion dauerte gut zwei Minuten. Verunglückte müssen innerhalb von fünf Minuten reanimiert werden, um dauerhafte Schäden auszuschließen. Diese kritische Zeitspanne konnten wir problemlos einhalten.“

Zahlreiche Anwendungsbereiche des Unterwasser-Roboters

Das aktuelle System, das mit Batterien, Antrieb, Kameras, optischen und Navigations-Sensoren ausgestattet ist, misst 90 Zentimeter in der Länge sowie jeweils 50 Zentimeter in der Höhe und der Breite. Das Forscherteam will das Rettungssystem noch weiter miniaturisieren. Zukünftige Versionen sollen kleiner, leichter und kostengünstiger ausfallen als der bisherige Prototyp. Der Rettungsroboter soll vom Design her perspektivisch eher der stromlinienförmigen Form eines Rochen ähneln als der aktuelle Prototyp, der an bereits existierende Unterwasserfahrzeuge angelehnt ist.

Der Wasserroboter ist bereits zum Patent angemeldet. In modifizierten Versionen wird er weitere Aufgaben übernehmen können – so soll er etwa auch bei Inspektionen, archäologischen Expeditionen oder zur Gesundheitsüberwachung in Fischfarmen zum Einsatz kommen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Verbessern Sie die Lieferketten-Transparenz

Identifizieren, scannen und übermitteln von eindeutigen Komponentendaten

DWN
Politik
Politik Flugzeugträger Charles de Gaulle vor Malmö: Frankreich stärkt Nato-Präsenz im Ostseeraum
03.03.2026

Frankreich entsendet den Flugzeugträger Charles de Gaulle nach Malmö und demonstriert militärische Präsenz im Ostseeraum. Wie...

DWN
Politik
Politik USA und Iran im Konflikt: Wie China auf steigende Ölpreise reagiert
03.03.2026

Der Krieg im Iran verschiebt die geopolitischen Gewichte zwischen Russland und China und legt ihre gegensätzlichen Energieinteressen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Was der Krieg für Verbraucher und Wirtschaft bedeutet
03.03.2026

Tanken und Heizen verteuern sich, Aktien geben nach, und der Ölpreis könnte die Konjunktur bremsen. Doch es gibt auch hoffnungsvolle...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Man sieht sich immer zweimal im Leben: Souveräner Umgang mit Kündigungen 
03.03.2026

Ob Unzufriedenheit mit dem Chef, eine neue Jobchance oder persönliche Veränderungen: Die Gründe für eine Kündigung des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Jobrad-Stellenabbau fällt moderater aus: 107 Jobs fallen bis Jahresende weg – was heißt das für Wettbewerber
03.03.2026

Weniger Kündigungen als befürchtet, ein neuer CEO ab 1. Februar und ein Strategiewechsel im Sponsoring: Der Jobrad-Stellenabbau fällt...

DWN
Panorama
Panorama Spritpreise steigen weiter: Diesel überholt E10
03.03.2026

Der Krieg im Nahen Osten treibt Rohölpreise und damit auch Kosten für Tanken und Heizen in die Höhe. Am Dienstag setzte sich der Anstieg...

DWN
Finanzen
Finanzen Allianz-Aktie: Rekordergebnis reicht Anlegern nicht – Allianz-Aktienkurs steht vor kritischen Marken
03.03.2026

Die Allianz-Aktie rutscht am Dienstag deutlich ins Minus – trotz starker Zahlen und eines neuen Allianz-Rekordergebnisses. Was bedeutet...

DWN
Politik
Politik Ressourcenimperialismus im 21. Jahrhundert: USA gegen Europa
03.03.2026

Der Wettlauf um seltene Erden, Öl und digitale Vorherrschaft bestimmt längst globale Machtspiele. Wer strategische Ressourcen...