Deutschland

Will er etwas verheimlichen? Scheuer lehnt Kooperation mit Maut-Ermittlungsbeauftragtem ab

Neue Aufregung bei der Aufarbeitung der gescheiterten Pkw-Maut: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat eine Zusammenarbeit mit einem vom Untersuchungsausschuss des Bundestags eingesetzten Ermittlungsbeauftragten abgelehnt. Die Opposition warf Scheuer vor, er wolle etwas verheimlichen.
06.04.2021 15:31
Lesezeit: 1 min

Neue Aufregung bei der Aufarbeitung der gescheiterten Pkw-Maut: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat eine Zusammenarbeit mit einem vom Untersuchungsausschuss des Bundestags eingesetzten Ermittlungsbeauftragten abgelehnt. Das geht aus einem Schreiben von Scheuers Anwalt hervor, das der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag vorlag. Die Opposition warf Scheuer vor, er wolle etwas verheimlichen.

Bei der Zusammenarbeit ging es um eine Sichtung von E-Mail-Postfächern Scheuers, die ihm als Bundestagsabgeordneter zur Verfügung stehen, durch den Ermittlungsbeauftragten Jerzy Montag. Montag schrieb nun an den Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses, er sehe keine Möglichkeit mehr, als Ermittlungsbeauftragter tätig zu sein.

In dem Schreiben von Scheuers Anwalt wird auf eine bereits erfolgte Herausgabe von Korrespondenz aus dem Abgeordnetenpostfach an den Untersuchungsausschusses verwiesen. Scheuer stimme dem mit einer Sichtung einhergehenden «umfänglichen Eingriff in seine verfassungsrechtlich garantieren Rechte als Bundesabgeordneter» nicht zu.

Aus der Opposition kam heftige Kritik: «Herr Scheuer mauert in Sachen E-Mails weiterhin mit allen Mitteln, scheinbar hat er etwas zu verbergen», sagte der FDP-Verkehrspolitiker Oliver Luksic. «Er hat kein Recht, dem Ermittlungsbeauftragten generell die Zusammenarbeit zu verweigern. Ein solches Verhalten ist eines Ministers unwürdig, er bricht damit auch sein eigenes Wort.» Luksic brachte eine Sondersitzung des Untersuchungsausschusses ins Spiel.

Der Grünen-Abgeordnete Oliver Krischer sagte: «Nur wer etwas zu verheimlichen hat, arbeitet nicht mit dem Ermittlungsbeauftragten zusammen.» Er gehe davon aus, dass der Minister die «unschönen Dinge» zur Pkw-Maut über seine Abgeordnetenadresse geregelt habe, und dass er da niemanden reingucken lassen wolle.

Das deutsche Modell für eine Pkw-Maut scheiterte im Sommer 2019 vor dem Europäischen Gerichtshof. Die Opposition wirft Scheuer unter anderem vor, Verträge abgeschlossen zu haben, bevor Rechtssicherheit bestand. Die vorgesehenen Betreiber fordern 560 Millionen Euro Schadenersatz, nachdem der Bund die Verträge direkt nach dem Urteil gekündigt hatte. Scheuer weist die Vorwürfe zurück.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Politik
Politik Russland erhöht Militärausgaben um 27 Prozent. Putin: Krieg mit Europa wäre kurz
30.09.2026

Medwedew spricht von Angriffen auf deutsche Fabriken. Russland beschlagnahmt deutsches Vermögen. Russische Fluggeräte sorgen an der...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs aktuell: Rally verliert an Schwung vor US-Inflationsdaten
30.09.2026

Der Bitcoin-Kurs hält sich am Mittwochmorgen über 83.000 US-Dollar, doch unter der Oberfläche verliert die jüngste Rally an Kraft....

DWN
Unternehmen
Unternehmen 1627 gegründet: Traditionsbrauerei Wolters wird geschlossen
30.09.2026

Das Brauerei-Sterben geht weiter: Die Wolters-Brauerei in Braunschweig schließt die Tore. Für die Produktionsstätte mit 90 Mitarbeitern...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Steigende Kerosin-Kosten: Lufthansa-Chef erwartet noch höhere Ticketpreise
30.09.2026

Nicht nur den Autofahrern machen die gestiegenen Ölpreise an den Tankstellen zu schaffen. Auch die Lufthansa muss mehr Geld für Kerosin...

DWN
Politik
Politik Bildungsnotstand: Protestwelle an Frankreichs Schulen weitet sich aus
30.09.2026

Fehlende Mittel, zu wenig Lehrkräfte, heruntergekommene Gebäude: An mehr als 300 Gymnasien in Frankreich gibt es Proteste gegen schlechte...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell stabil: Starker Dollar begrenzt die Gegenbewegung
30.09.2026

Nach dem heftigen Ausverkauf zu Wochenbeginn sucht Gold einen Boden. Die Erholung vom Dienstag trägt am Mittwochmorgen nur noch begrenzt,...

DWN
Politik
Politik Nach Migrantenansturm auf Ceuta: Frontex soll schnelle Eingreiftruppe bekommen
30.09.2026

Migrationskrise: Mehr als 70.000 Migranten kamen innerhalb kürzester Zeit nach Ceuta und hatten eine diplomatische Krise mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Proteinboom: Warum Lebensmittelkonzerne jetzt Millionen investieren
30.09.2026

Protein galt lange als Thema für Fitnessstudios und Spezialregale. Inzwischen verändert der Boom ganze Supermärkte und zwingt...