Politik

In der Arktis entsteht ein neues Schlachtfeld

Die USA führen in der Arktis eine ganze Reihe von aggressiven Manövern durch, seit Russland dort verstärkt militärische Infrastruktur aufbaut. Die Zusammenstöße häufen sich, und eine Eskalation wäre brandgefährlich.
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25.04.2021 08:00
Lesezeit: 3 min
In der Arktis entsteht ein neues Schlachtfeld
Am 26. März durchbrachen drei russische Atom-U-Boote während einer militärischen Übungen zeitgleich das meterdicke arktische Eis. Das sei erstmals in der Geschichte der russischen Marine gelungen, sagte deren Oberbefehlshaber Jewmenow bei einem Treffen mit Kremlchef Putin. (Foto: dpa/Russian Defense Ministry Press Service) Foto: Uncredited

Die Arktis ist für alle angrenzenden Staaten von strategischer Bedeutung und das nicht nur aus militärischer Sicht. Dort werden gewaltige Mengen an Öl und Gas vermutet. Wegen der wertvollen Bodenschätze gibt es immer wieder territoriale Streitigkeiten. Doch seit Ende März, als drei atomar betriebene U-Boote der russischen Marine bei einer Übung meterdickes Eis durchbrachen, hat sich der Konflikt in der Arktis verschärft.

«Russland renoviert Flugplätze und Radaranlagen aus der Sowjet-Ära, baut neue Häfen und Such- und Rettungszentren», zitierte der US-Sender CNN Pentagon-Sprecher Thomas Campbell. Zudem baue Russland seine Flotte von nuklear und konventionell betriebenen Eisbrechern aus und stärke die Fähigkeiten zur Abwehr von Angriffen und zur Gebietsverteidigung über wichtige Teile der Arktis.

Zwar stimmt es, dass Russland die Arktis ausbaut und aufrüstet. Doch die Warnungen deswegen scheinen übertrieben. Denn die russischen Aktivitäten finden sämtlich auf russischem Hoheitsgebiet statt - anders als große Teile der US-Aktivitäten überall auf der Welt und teils bis an die russischen Grenzen. Die USA haben weltweit rund 200.000 Soldaten in über 800 Militärbasen stationiert.

Selbst unter dem letzten Präsidenten Donald Trump, der immer wieder wegen seiner verschiedenen Truppenabzugspläne in der Kritik stand, eröffneten die USA neue Stützpunkte in Afghanistan, Deutschland, Estland, Island, Israel, Lettland, Litauen, Luxemburg, Niger, Norwegen, Palau, den Philippinen, Polen, Rumänien, Saudi-Arabien, der Slowakei, Somalia, Syrien und Tunesien, Ungarn und Zypern, wie USA Today berichtet.

Auch die USA wollen ihre militärischen Fähigkeiten in der Arktis ausbauen. Es entsteht hier eine neue Bedrohung für den Frieden - zusätzlich zu den bereits existierenden Konfliktherden der Welt, darunter zuletzt auch wieder verstärkt die Ukraine, "die sich zusehends in ein für die internationale Gemeinschaft hochexplosives Pulverfass verwandelt", wie DWN-Autor Ernst Wolff schreibt.

In der Arktis haben die USA zuletzt Stärke gezeigt, indem sie strategische Bomber der US Air Force über der Barentssee haben fliegen lassen. Diese sind im norwegischen Ørland stationiert. Der Nato-Luftwaffenstützpunkt beherbergt F-35A Lightning II Joint Strike Fighter, F-16 Kampfflugzeuge, B-1B strategischen Bomber, Westland Sea King Such- und Rettungshubschraubern und E-3A Sentry AWACS-Aufklärungsflugzeuge.

Die Arktis hat eine größere Bedeutung erlangt, seit die globale Erwärmung zu einer umfangreichen Eisschmelze und zur Öffnung von neuen Seewegen geführt hat, darunter die Nördliche Seeroute. Diese Schifffahrtsroute verläuft laut russischem Gesetz östlich von Novaya Zemlya, entlang der russischen Küste von der Karasee, entlang Sibirien, bis zur Beringstraße. Teile sind nur zwei Monate im Jahr eisfrei.

Die in der Schweiz ansässige Handelsgruppe Arctic Bulk beschreibt die Nördliche Seeroute als "eine Schifffahrtsroute zwischen dem Atlantik und dem Pazifik entlang der russischen Küste Sibiriens und des Fernen Ostens, die fünf arktische Meere durchquert." Die gesamte Nördliche Seeroute liegt in arktischen Gewässern und innerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone Russlands.

Die gesamte Route auf der russischen Seite der Arktis zwischen dem Nordkap und der Beringstraße wird als Nordostpassage bezeichnet, analog zur Nordwestpassage auf der kanadischen Seite. Während die Nordostpassage alle ostarktischen Meere einschließt und den Atlantik und den Pazifik verbindet, schließt die Nordwestpassage die Barentssee nicht ein und erreicht daher nicht den Atlantik.

Russlands militärische Aktivitäten in der Arktis sind in Washington nicht unbeachtet geblieben. «Natürlich beobachten wir das sehr genau», sagte Pentagon-Sprecher John Kirby Anfang des Monats bei einer Pressekonferenz. Eine Reporterin hatte ihn gefragt, wie besorgt das Verteidigungsministerium angesichts von Berichten über Waffentests und Satellitenaufnahmen von neuen Stützpunkten Russlands sei.

«Niemand hat ein Interesse daran, dass die Arktis militarisiert wird», sagte Kirby. Die USA hätten nationale Sicherheitsinteressen in der Arktis - die Region sei entscheidend für die Landesverteidigung und «potenzieller strategischer Korridor» zwischen dem Indo-Pazifik, Europa und den Vereinigten Staaten, so der Pentagon-Sprecher.

Zuvor hatte auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg vor Russlands Bestrebungen in der Arktis gewarnt. "Das Schmelzen des Eises in der Arktis könnte zum Aufheizen der geopolitischen Spannungen zwischen verschiedenen Mächten in der Welt führen", sagte er am 22. März gegenüber DW. "Wir haben die verstärkte militärische Präsenz Russlands gesehen. Sie öffnen sowjetische Militäreinrichtungen in der Arktis."

Zwar sieht Stoltenberg auch China als eine Bedrohung an, aber die Hauptbedrohung im Norden sei Russland. Die Nato-Aktivitäten in der Region beschränken längst sich nicht auf die erwähnten Flüge strategischer Bomber. Im März führten US-Marines und Matrosen des Bataillons Marine Rotational Force-Europe 21.1 im Rahmen der Übung Arctic Littoral Strike in Nordnorwegen Manöver durch.

"Diese Übung demonstrierte die Fähigkeit des Bataillons, in aktiv umkämpften maritimen Räumen zu operieren, in diesem Fall in arktischen Küstenräumen, und gemeinsame Flottenoperationen zu unterstützen", zitiert die Webseite des US Marine Corps Oberstleutnant Ryan Gordinier, der Kommandeur des Bataillons Marine Rotational Force-Europe ist.

Eine weitere Konfrontation mit Russland wird die Übung Northern Edge in Alaska vom 3. bis 12. Mai darstellen, an der die Air Force, die Army, die Navy und das Marine Corps teilnehmen werden und bei der laut Air Force Times "zehntausend Soldaten in den hohen Norden kommen werden, um zu üben, wie das US-Militär reagieren könnte, wenn die schwelenden Spannungen in der Arktis einen Siedepunkt erreichen."

Wenn Washington die Provokationen gegenüber Russland zu weit treibt, wenn es etwa zu lokalen Schusswechseln kommt, dann kann es schnell zu einer Eskalation kommen. Denn dass Russland nicht bereit ist, militärische Provokationen einfach hinzunehmen, zeigten zuletzt die sich häufenden Vorfälle in der nördlichen Barentssee.

So fing am Montag ein russischer Kampfjet vom Typ MiG-31 US-amerikanische und norwegische Patrouillenflugzeuge über der Barentssee ab, wie das russische Verteidigungsministerium meldete. Das Pentagon bestätigte den Vorfall und erklärte: "Abfangaktivitäten sind nicht ungewöhnlich." Schon in der letzten Woche hatte eine MiG-31 nahe der russischen Halbinsel Kamtschatka ein US-Spionageflugzeug abgefangen.

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