Politik

Aktive Militärs gegen Macron: In Frankreich droht ein gewaltsamer Umsturz

In Frankreich haben aktive Militärs einen offenen Brief gegen die Macron-Regierung veröffentlicht. Der Brief wurde bisher fast 250.000 Mal unterzeichnet. Das ist der zweite Brandbrief binnen weniger Wochen.
11.05.2021 22:12
Aktualisiert: 11.05.2021 22:12
Lesezeit: 3 min
Aktive Militärs gegen Macron: In Frankreich droht ein gewaltsamer Umsturz
Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, nimmt nach einer nächtlichen Verhandlungssitzung an einem Runden Tisch beim Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs teil. (Foto: dpa)

In Frankreich kommen aus Kreisen ehemaliger und aktiver Militärs seit mehreren Wochen beunruhigende Signale. Am 27. April 2021 teilte die Nachrichtenagentur dpa zunächst mit: „In Frankreich ist eine Debatte über einen offenen Brief von mehreren pensionierten Militärs entbrannt. Darin warnen die Generäle im Ruhestand vor einem ,Zerfall‘ Frankreichs, einem drohenden ,Bürgerkrieg‘ und letztlich einem ,Eingreifen unserer aktiven Kameraden in einer gefährlichen Mission zum Schutz unserer zivilisatorischen Werte‘. Die Unterzeichner fordern den Präsidenten und die Regierung auf, die Nation unter anderem vor dem ,Islamismus und den Horden aus den Vorstädten‘ zu verteidigen. Der Text war in der vergangenen Woche in der rechtsgerichteten Wochenzeitung ,Valeurs Actuelles‘ erschienen. Während die Regierung und Linke den Text verurteilen, bekommen die Militärs von rechter Seite Unterstützung.“

Der Brief lässt tief blicken. Zunächst ist festzuhalten, dass weite Teile des französischen Militärs sehr unzufrieden sind mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Die Nutzung der Wortkombination „Horden aus den Vorstädten“ liefert einen Hinweis darauf, dass es sich bei den Unterzeichnern des Briefs um Personen handelt, die Menschen aus den aktuellen De-Facto-Kolonien Frankreichs nicht sonderlich mögen, obwohl diese Länder seit Jahrzehnten von Frankreich massiv ausgebeutet werden. Die Zustände in den Vorstädten Frankreichs müssten international aus der Menschenrechts-Perspektive bewertet werden, wogegen sich Frankreich vehement wehrt.

Am 11. Mai 2021 veröffentlichten diesmal „aktive Militärangehörige aller Dienstgrade“ einen offenen Brief, der es ebenfalls in sich hat. Dieser zweite offene Brief wurde ebenfalls von der Zeitung „Valeurs Actuelles“ veröffentlicht:

„Fast alle von uns haben die Operation Sentinelle mitbekommen. Wir sahen mit eigenen Augen die verlassenen Vorstädte, die Unterkünfte, die dortige Kriminalität. Wir sind den Instrumentalisierungsversuchen mehrerer Religionsgemeinschaften ausgesetzt, für die Frankreich nichts bedeutet - nichts als ein Objekt des Sarkasmus, der Verachtung und sogar des Hasses (…) Sie könnten argumentieren, dass es nicht Aufgabe des Militärs ist, solches zu sagen. Aber im Gegenteil: Weil wir die Situation unpolitisch einschätzen, geben wir ein professionelles Statement ab. Denn wir haben diesen Rückgang in vielen Krisenländern gesehen. Sie geht dem Zusammenbruch voraus. Sie kündigt Chaos und Gewalt an (…), dieses Chaos und diese Gewalt wird nicht von einer ,militärischen Putsch‘ kommen, sondern von einem zivilen Aufstand (…) Wir sehen, wie der Hass auf Frankreich und seine Geschichte zur Norm wird. Das ist Feigheit, Betrug, Perversion: Das ist nicht unsere Vision von der Hierarchie (…) Ja, wenn ein Bürgerkrieg ausbricht, wird die Armee die Ordnung auf ihrem eigenen Boden aufrechterhalten, weil sie dazu aufgefordert wird.“

Dieser zweite Brief fiel besonders heftig aus. Es ist davon auszugehen, dass sich unter aktiven französischen Militärs Personen befinden, die jene bürgerkriegsähnlichen Zustände provozieren könnten, vor denen sie selbst warnen. Aus den beiden Briefen geht hervor, dass die Zustände in den Vorstädten nur ein vorgeschobener Grund sind. Es geht den französischen Militärs offenbar darum, die Emmanuel Macron abzusetzen oder zum Rücktritt zu zwingen.

Einige Militärs dürften auch sehr unzufrieden über Macrons Nato-Kurs sein. Frankreichs Präsident hatte sich in mehreren wichtigen Fragen mit den USA angelegt. Bemerkenswert ist, dass in dem zweiten Brief behauptet wird, dass in Frankreich nicht in etwa ein Militärputsch, sondern ein Bürgeraufstand drohe. Der Distanzierung von einem möglichen Militärputsch ist kein Glauben zu schenken. Denn diese ist nur erfolgt, um zu verhindern, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die Verfasser des zweiten offenen Briefs einleitet.

In Frankreich wird es in den kommenden Monaten offenbar zu schweren Unruhen kommen. Die Unruhen werden teilweise im Zusammenhang mit der Corona-Politik und im Verlauf separater Unruhen ethnische Komponenten aufweisen. Die deutschen Behörden sollten auf der Hut sein, damit die wahrscheinlichen Unruhen nicht auf Deutschland überspringen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Technologie
Technologie Bekannter Allrounder: 80 Jahre Unimog - wichtiger denn je?
11.10.2026

Der Unimog ist ein Allrounder: Einst auf dem Acker zur Kartoffelernte, heute bei Kommunen, Feuerwehr oder dem Militär im Einsatz. Warum er...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Die Krise der deutschen Automobilindustrie: Wo geht die Reise hin?
11.10.2026

Die deutsche Automobilindustrie, das historische Rückgrat des nationalen Wohlstands, steckt in ihrer schwersten Krise seit Jahrzehnten....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Umgang mit Cookies: BGH verhandelt zu Cookie-Speicherung – darum geht's
10.10.2026

Der Bundesgerichtshof prüft, ob Unternehmen für das Speichern von Cookies auf fremden Internetseiten ohne Einwilligung haften müssen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Uber-Robotaxis in Deutschland: Erst Stellen streichen, dann Jobs versprechen
10.10.2026

Uber streicht Tausende Stellen und verspricht gleichzeitig neue Arbeitsplätze in Deutschland. Was widersprüchlich klingt, folgt einer...

DWN
Finanzen
Finanzen Revolut-Bank greift an: Dieser Fintech-Riese will Europas Banken überholen
10.10.2026

Die Revolut-Bank wächst in einem Tempo, von dem klassische Geldhäuser nur träumen können: fast 70 Millionen Kunden, Milliardenbewertung...

DWN
Technologie
Technologie KI-Prompts für Marketing und Vertrieb: 7 KI-Vorlagen für KMU und Selbstständige
10.10.2026

Fast jedes zweite kleine Unternehmen sieht noch keinen echten Nutzen in KI – dabei liegt der Unterschied oft nur im richtigen Prompt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dacia Sandero Stepway: Europas Bestseller hat ein Sicherheitsproblem
10.10.2026

Europas meistverkauftes Auto kommt nicht von Volkswagen, Toyota oder Peugeot, sondern von Dacia. Der Sandero Stepway punktet mit enormer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kingspan Group-Aktie unter Druck: EU greift nach geplatztem Deal durch
10.10.2026

Ein geplatzter Milliardendeal? Nein, ein gescheiterter Firmenkauf mit teuren Folgen. Weil der irische Baustoffkonzern Kingspan die...