Deutschland

Trotz Skepsis der Impfkommission: Spahn will Kinder impfen lassen

Die von der Bundesregierung angestrebte Impfung von Schülern vor Beginn des neuen Schuljahres trifft auf den Widerstand der Ständigen Impfkommission. Doch Bundesgesundheitsminister Spahn will Impfungen für Kinder dennoch ermöglichen.
26.05.2021 10:34
Aktualisiert: 26.05.2021 10:34
Lesezeit: 2 min

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn setzt weiterhin auf Corona-Schutzimpfungen für ältere Kinder und Jugendliche, auch wenn die Ständige Impfkommission (Stiko) dafür keine allgemeine Empfehlung aussprechen sollte. Die Stiko gebe eine Empfehlung, sagte der CDU-Politiker in der Sendung "Frühstart" bei RTL/ntv. "Im Lichte dieser Empfehlung können dann die Eltern mit ihren Kindern, den Ärztinnen und Ärzten die konkreten Entscheidungen treffen, ob jemand geimpft wird oder nicht." Dies sei eine individuelle Entscheidung.

Der Hersteller Biontech/Pfizer hat eine Zulassung seines Präparats ab zwölf Jahren bei der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) beantragt. Mit einer Entscheidung wird noch bis Ende Mai gerechnet. Die Stiko behält sich aber eigene Klärungen für eine mögliche Impfempfehlung vor. Ihr Mitglied Rüdiger von Kries erwartet derzeit nicht, dass es eine allgemeine Impf-Empfehlung für alle Kinder geben wird.

Spahn sagte: "Der Impfstoff wäre dann, wenn die Europäische Arzneimittelagentur das macht, ein zugelassener Impfstoff auch für diese Altersgruppe." Schon vor Beginn der Sommerferien solle den ersten Kinder und Jugendlichen dann ein Impfangebot gemacht werden, erklärte er. "Wenn die Zulassung da ist, werden wir dann nach und nach - nicht allen auf einmal - Kindern und Jugendlichen über zwölf Jahren ein Angebot machen, sich impfen zu lassen."

Eine Impfung als Voraussetzung zur Teilnahme am Präsenzunterricht lehnte der Gesundheitsminister jedoch ab: "Ich sehe nicht, dass wir eine verpflichtende Impfung haben werden für den Schulbesuch."

Mehr zum Thema: Spahn: Kinder werden wohl ab August Impfangebote erhalten

Die von der Bundesregierung angestrebte Impfung gegen Corona von Schülern vor Beginn des neuen Schuljahres trifft auf den Widerstand der Ständigen Impfkommission (Stiko). Die Stiko tendiert gegenwärtig dazu, nach der noch für Mai erwarteten EU-Zulassung des Vakzins von BioNTech/Pfizer keine allgemeine Impfempfehlung für Zwölf- bis 15-Jährige auszusprechen, berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch).

Vielmehr werde es wahrscheinlich nur eine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche dieser Altersgruppe mit bestimmten chronischen Erkrankungen geben, hieß es unter Bezugnahme auf mit der Angelegenheit vertraute Personen weiter. Grund sei unter anderem eine unbefriedigende Datenlage, um die Folgen einer Corona-Erkrankung für diese Altersgruppe und mögliche Risiken durch eine Impfung miteinander abwägen zu können.

Auch die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Bärbel Bas, rechnet mit einem derartigen Vorgehen. "Ich gehe davon aus, dass die Stiko eine Liste von Krankheiten erstellen wird, bei denen sie die Impfung für Kinder empfiehlt", sagte die Gesundheitspolitikerin dem RND. Kinder mit diesen Krankheiten müssten dann zuerst geimpft werden, das müsse trotz der Aufhebung der Priorisierung sichergestellt sein.

"Nach Aufhebung der Priorisierung und nach der Zulassung eines Impfstoffes können Eltern ihre Kinder unabhängig von diesen Risikofaktoren impfen lassen", so Bas. Die Impfungen der Kinder und Jugendlichen sollten ihrer Ansicht nach kein Kriterium für Schulöffnungen sein. "Es ging ja immer auch darum, die Übertragung auf Eltern und insbesondere Großeltern zu verhindern. Wenn nach den Sommerferien alle ein Impfangebot bekommen haben, dann fällt diese Begründung weg."

Mehr zum Thema: Lieber Herr Spahn, beenden Sie endlich Ihre politische Karriere?

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