Deutschland

„Wir werden Sie vermissen“: Geopolitiker Münkler bezeichnet Merkel als politischen „Glücksfall“

Der deutsche Geopolitiker Herfried Münkler bezeichnet Kanzlerin Angela Merkel als einen „politischen Glücksfall“ für Deutschland. Denn ihre Fähigkeiten hätten mit der Art der Herausforderungen unserer Zeit zusammengepasst. „Und daran werden sich die Deutschen wohl noch lange erinnern. Wir werden sie vermissen“, meint er.
29.05.2021 15:19
Aktualisiert: 29.05.2021 15:19
Lesezeit: 1 min
„Wir werden Sie vermissen“: Geopolitiker Münkler bezeichnet Merkel als politischen „Glücksfall“
Herfried Münkler, Professor für Politikwissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität und Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. (Foto: dpa) Foto: Soeren Stache

Der Geopolitiker Herfried Münkler, mit dem die Deutschen Wirtschaftsnachrichten zuvor ein geopolitisches Interview geführt hatten, hat auf der Webseite von „Focus Online“ einen Beitrag unter der Überschrift „Werden sie vermissen! Jeder kommende Kanzler wird schwächer sein als Angela Merkel“ veröffentlicht.

„Mit dem Ende der Ära Merkel wird auch eine mehr als siebzigjährige Epoche bundesdeutscher Politikgeschichte zu Ende gehen. Schon deswegen wird so mancher in ein paar Jahren nostalgisch an Angela Merkel zurückdenken (…) Die Ära der ,Kanzlerdemokratie‘, wie man die alten politischen Konstellationen genannt hat, geht zu Ende – und das wird für viele Bürger nicht nur ungewohnt sein, sondern nach einiger Zeit auch mit Missbehagen registriert werden“, so Münkler.

Im Zusammenhang mit dem Führungsstil der Kanzlerin schreibt der Politikwissenschaftler: „So ist es Angela Merkel gelungen, die CDU, ihre Machtbasis, in einer strategisch unumgehbaren Position zu halten, also sicherzustellen, dass eine Regierungsbildung ohne oder gar gegen sie nicht möglich war. Die Folge dieser Machtstrategie war nicht nur eine programmatische Aufweichung der CDU, sondern auch, dass Merkel nie wirklich ,von vorne‘ führen konnte.“

Merkel habe einen eigenen Führungsstil gehabt, der relativ gut zu den Herausforderungen gepasst habe, mit denen sie zu tun hatte. „Nicht zuletzt das erklärt die lange Dauer ihrer Kanzlerschaft. Die vier großen Krisen, mit denen sie konfrontiert war – Eurokrise, Migrationskrise, Brexit und Corona-Pandemie –, waren alle durch ein hohes Maß an Ungewissheit gekennzeichnet. Abwarten und Beobachten, bevor die Entscheidung fällt, also eine Strategie der Fehlervermeidung, war unter diesen Umständen vermutlich das geschickteste, was man tun konnte“, so Münkler.

Angela Merkels Fähigkeiten hätten mit der Art der Herausforderungen unserer Zeit zusammengepasst. Dies sei ein „politischer Glücksfall“ gewesen. „Und daran werden sich die Deutschen wohl noch lange erinnern“, meint Münkler.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie iFLYTEK AINOTE Air 2 bringt KI-gestützte Notizen in ein noch kompakteres E-Ink-Tablet

Für viele Menschen sind die besten Produktivitätstools diejenigen, die nicht versuchen, den gesamten Arbeitstag zu übernehmen. Sie...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mexiko: Dank niedriger Löhne sind sie wettbewerbsfähig
04.07.2026

Im vergangenen Jahr wurden dort 4,09 Millionen Fahrzeuge produziert, womit das Land weltweit den siebten Platz einnimmt. Die Branche...

DWN
Finanzen
Finanzen Blitzer, Fahrverbot, Unfallschäden: Die wichtigsten Verkehrsrechtsurteile für Autofahrer in Deutschland
04.07.2026

Einen Moment unaufmerksam, ein Blitzer – und wenig später liegt der Bescheid im Briefkasten. 2025 haben mehrere Gerichte entschieden,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mini JCW im Test: Kleiner Flitzer mit großem Preis
04.07.2026

Der Mini JCW fährt sich sportlich, direkt und auffällig wie kaum ein anderes Auto seiner Größe. Doch der Fahrspaß hat seinen Preis,...

DWN
Panorama
Panorama 250 Jahre USA: Warum viele nicht mehr an den amerikanischen Traum glauben
04.07.2026

Die Vereinigten Staaten blicken auf 250 Jahre Geschichte zurück. Doch während das Land sein Jubiläum begeht, wächst die Skepsis über...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unternehmen setzen auf KI: Wer braucht schon Horden von Managern?
04.07.2026

Unternehmen bauen weltweit mittlere Führungsebenen ab und setzen stärker auf KI, Daten und flachere Strukturen. Was das konkret für die...

DWN
Panorama
Panorama Sechs tote Mitarbeiter in Stade – Schwiegermutter von SPD-Migrationsbeauftragtem fuhr Fluchtwagen
03.07.2026

In einer Jugendeinrichtung im niedersächsischen Stade sind sechs Mitarbeiter erschossen wurden. Nun werfen sowohl die Recherchen zur...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Varso Tower: Zweite Glasscheibe fällt vom höchsten Gebäude der EU
03.07.2026

Erst fiel Glas auf eine Straße, jetzt beschädigte eine Scheibe ein Auto: Am Varso Tower in Warschau häufen sich Vorfälle an der...

DWN
Finanzen
Finanzen Ethisches Investieren: Der Vatikan predigt Moral und kauft Tech-Aktien
03.07.2026

Der Vatikan will Geld nach moralischen Kriterien anlegen und landet dabei ausgerechnet bei Meta, Nvidia, Apple, Amazon und Alphabet. Was...