Deutschland

Familienunternehmen: „Staatsgläubigkeit und Planungswirtschaft sind auf dem Vormarsch“

Die großen Familienunternehmer in Deutschland fordern einen wirtschaftspolitischen Neuanfang nach der Bundestagswahl.
11.06.2021 15:30
Aktualisiert: 11.06.2021 15:30
Lesezeit: 2 min
Familienunternehmen: „Staatsgläubigkeit und Planungswirtschaft sind auf dem Vormarsch“
Zwei Glasermeister bereiten 2005 im ehemaligen Sowjetischen Pavillon auf dem Alten Messegelände in Leipzig ein Glasfenster mit den alten sowjetischen Symbolen Hammer und Sichel für den Wiedereinbau in den Eingangsbereich vor. (Foto: dpa) Foto: Waltraud Grubitzsch

Große deutsche Familienunternehmen haben nach der Bundestagswahl im Herbst einen wirtschaftspolitischen Neuanfang gefordert. Die vergangenen zehn Jahre seien wirtschaftspolitisch ein "verlorenes Jahrzehnt" gewesen, kritisierte Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, am Freitag: "Staatsgläubigkeit und Planungswirtschaft" seien auf dem Vormarsch.

Die Bundesregierung müsse sich entscheiden, ob sie unternehmerische Kräfte ermutigen und damit die Voraussetzung schaffen wolle, dass die Unternehmen die digitale und die klimapolitische Transformation bewältigten.

Zum Auftakt eines "Tags des deutschen Familienunternehmens" sagte Kirchdörfer außerdem, Gedankenspiele über eine Vermögensteuer bremsten die Investitionsbereitschaft. Steuererhöhungen träfen drei Millionen Familienunternehmen, die in der Pandemie die Wirtschaft am Laufen gehalten hätten. Zuletzt hatten sich SPD-Kandidat Olaf Scholz, die Grüne Annalena Baerbock sowie die Linkspartei für eine Vermögenssteuer ausgesprochen, ohne jedoch Details der Planungen zu verraten.

Bei der Veranstaltung am Freitag wurden auch die Kanzlerkandidaten von Union und SPD, Armin Laschet und Olaf Scholz, erwartet.

Thema Klimaschutz überlagert Wirtschaftspolitik

Die Familienunternehmer sowie mehrere Ökonomen hatten mit Blick auf das Thema Klimaschutz Ende Februar schon einmal vor "Planwirtschaft" gewarnt. Kirchdörfer sagte damals bei einer virtuellen Veranstaltung, nur mit privatwirtschaftlicher Initiative werde der Umbau zu einer klimafreundlichen Gesellschaft gelingen. Innovation entstehe in Unternehmen und Instituten, nicht in Beamtenstuben. Die Politik sollte deswegen einen stärkeren Fokus auf verlässliche Rahmenbedingungen legen. Der richtige Weg wäre eine konsequente Bepreisung von CO2-Emissionen.

Ifo-Präsident Clemens Fuest machte deutlich, Konjunktur-, Finanzmarkt- und Wettbewerbspolitik dürften nicht mit umweltpolitischen Zielen überfrachtet werden. Wenn alle Bereiche dem Klimaschutz untergeordnet würden, dann fördere dies staatliche Planwirtschaft, Kleinteiligkeit und Fehlsteuerung. In der Konjunkturpolitik seien Instrumente gefragt, die schnell, zielgenau und zeitlich begrenzt wirkten. In der Umwelt- und Klimapolitik gehe es dagegen um dauerhafte und langfristige Veränderungen.

Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft Kiel, kritisierte etwa Kaufprämien für Elektroautos und Mehrwertsteuersenkungen auf Bahnfahrten. Es müsse dem Markt überlassen werden, die jeweils besten Technologien zur Emissionsminderung voranzutreiben. Anlass der Aussagen war ein neues Jahresheft des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen 21 Millionen Rentner: Gesetzliche Rente steigt 2027 um mehr als vier Prozent?
04.11.2026

Eine Erhöhung von mehr als vier Prozent steht voraussichtlich für Deutschlands Rentner an. Von 2028 an müssen sich Arbeitnehmer und...

DWN
Politik
Politik Neue Angriffe auf Iran: Europas Rechnung ist bereits um 127 Milliarden Euro höher
04.11.2026

Die geschlossene Straße von Hormus wird für Europa immer teurer. Nach Angaben von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen haben...

DWN
Politik
Politik Wachsende Defizite: Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Pleiten
04.11.2026

Die Finanzlöcher deutscher Krankenhäuser werden immer tiefer: Eine Welle von Klinik-Insolvenzen wird erwartet. Um gegenzusteuern, wollen...

DWN
Politik
Politik Auch ohne Zuckersteuer: Industrie produziert weniger Zuckergetränke
04.11.2026

Weniger zuckerhaltige Cola und Limonade, mehr Light-Getränke: Die Produktion verschiebt sich. Was die Zahlen über den Durst der Menschen...

DWN
Politik
Politik Schweden bestätigt Taurus-Lieferung: Marschflugkörper erreicht mehr als 500 Kilometer
04.11.2026

Schweden hat erstmals bestätigt, bereits Taurus-Marschflugkörper erhalten zu haben. Die Waffe kann Ziele in mehr als 500 Kilometern...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Erholung bei Chip-Aktien stützt Nasdaq – Anleger warten auf Midterm-Ergebnisse
03.11.2026

Blick auf die Wall Street: Welche Dynamiken jetzt bei Tech-Riesen und Leitindizes die Richtung vorgeben.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schaeffler-Aktie rutscht ab: Werke und Jobs werden Opfer der Sparmaßnahmen
03.11.2026

Die Krise in der deutschen Industrie setzt sich fort: Der fränkische Autozulieferer Schaeffler will vier deutsche Standorte schließen und...

DWN
Politik
Politik Analyse: Trumps Korruption und Kleptokratie haben ihn eingeholt
03.11.2026

Kurz vor den Zwischenwahlen rückt ein Thema überraschend an die Spitze der Sorgen amerikanischer Wähler: Korruption. Donald Trumps...