Wirtschaft

IEA wirft Klima-Mantra über Bord, fordert von OPEC „Aufdrehen der Pipelines“

Wenige Wochen, nachdem ihre Ökonomen einen sofortigen Stopp aller Investitionen im Öl- und Gassektor forderten, macht die Internationale Energieagentur eine radikale 180 Grad-Kehrtwende.
15.06.2021 12:11
Aktualisiert: 15.06.2021 12:11
Lesezeit: 2 min

Die Internationale Energieagentur IEA hat die im Format Opec+ versammelten Staaten dazu aufgerufen, die Ölförderung kräftig auszuweiten, um eine deutlich gestiegene Nachfrage bedienen zu können.

In ihrem aktuellen Monatsbericht schreibt die in Paris ansässige Organisation, dass die weltweite Nachfrage nach Erdöl und Erdölprodukten im Jahr 2022 das Niveau vor Ausbruch der Corona-Pandemie erreichen werde. Angesichts der steigenden Nachfrage müsse „Opec+ die Leitungen öffnen, um die Weltölmärkte adäquat zu versorgen“, zitiert Oilprice aus dem Bericht. Rund 1,4 Millionen Barrel (Faß zu 159 Litern) Rohöl pro Tag zusätzlich zum jetzigen Produktionsniveau seien bis 2022 notwendig.

Im Krisenjahr 2020 war der durchschnittliche weltweite Ölbedarf pro Tag um 8,6 Millionen Barrel verglichen mit dem Jahr 2019 gesunken. Die IEA rechnet für das laufenden Jahr mit einer Nachfragezunahme von 5,4 Millionen Barrel, gefolgt von einer Zunahme von über 3 Millionen Barrel im Jahr 2022.

Die Stellungnahme ist bemerkenswert, weil Ökonomen der IEA erst vor wenigen Wochen den sofortigen Stopp aller Investitionen im Öl- und Gassektor forderten, um das Ziel einer „Klimaneutralität“ bis zu Jahr 2050 erreichen zu können. Der Vorstoß hatte damals für Kopfschütteln in der Branche gesorgt, weil die Weltwirtschaft nach wie vor in hohem Maße auf Erdöl und Erdgas angewiesen ist und ein Invetitionsstopp aus Sicht der Förderländer und Konzerne zu akuten Lieferengpässen führen könnte.

Mit der Forderung an die Opec-Länder, die „Leitungen“ angesichts der steigenden Nachfrage zu „öffnen“, erkennt die Organisation letztendlich die Realität eines noch auf viele Jahre angelegten hohen Bedarf an Öl, Gas und dessen Derivaten für das Funktionieren der Weltwirtschaft an.

Oilprice kommentiert: „Indem sie Druck auf die Opec+-Länder ausübt, spielt die IEA mit dem Feuer. Die Forderung, die Leitungen aufzudrehen, wird von manchen Produzenten als grünes Licht für signifikante Förderausweitungen verstanden werden. Saudi-Arabien, Russland und die Vereinigten Arabischen Emirate werden nicht tatenlos zusehen, wenn andere mehr fördern und verkaufen. Es könnte zu einer Wende am Markt kommen: das zusätzliche Öl drückt die Preise und facht damit die Nachfrage noch weiter an. In den Augen einiger IEA-Ökonomen sowie der Klima-Organisationen und aktivistischen Fonds wäre das ein Weltuntergangsszenario mit Blick auf das Pariser Klimaschutzabkommen.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neue EU-Regeln und wie sie den europäischen Online-Unterhaltungsmarkt verändern

Die europäische Glücksspielbranche steht vor einer der größten Umbruchphasen ihrer Geschichte. Neue gesetzliche Regelungen innerhalb...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Start-up selvendo: Wenn künstliche Intelligenz Unternehmensnachfolger für den Mittelstand sucht
22.05.2026

Rund 250.000 Unternehmen stehen in den kommenden Jahren vor dem Aus, weil sich kein Nachfolger findet. Das Start-up selvendo vermittelt...

DWN
Finanzen
Finanzen Trade Republic attackiert Europas Banken mit sechs Prozent Zinsen
22.05.2026

Sechs Prozent Zinsen, Brad Pitt im Werbespot und ein deutscher Anbieter, der in Polen plötzlich klassische Banken herausfordert. Trade...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft im Alarmzustand: Fünf Daten zerlegen den Aufschwung
22.05.2026

Deutschland steht wirtschaftlich schlechter da, als das schwache Wachstum vermuten lässt. Industrie, Konsum, Inflation und Arbeitsmarkt...

DWN
Technologie
Technologie Strategische Aufrüstung: Hessen baut Drohnenzentrum für militärische Erprobung in Kassel
22.05.2026

Das Land Hessen und die TU Darmstadt forcieren den Aufbau eines spezialisierten Drohnenzentrums am Kassel Airport, das noch in diesem Jahr...

DWN
Politik
Politik Apotheke statt Arztpraxis? Bundestag beschließt weitreichende Reform der Patientenversorgung
22.05.2026

Das deutsche Gesundheitssystem steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Durch neue Gesetzespläne von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU)...

DWN
Panorama
Panorama Tanken vor Pfingsten günstiger – Dieselpreis fällt auf Tiefstand seit März
22.05.2026

Pünktlich vor dem langen Pfingstwochenende können Autofahrer in Deutschland etwas aufatmen: Die Spritpreise sind zuletzt spürbar...

DWN
Politik
Politik Bürokratieabbau im Sozialsystem: Kindergeld soll ab 2027 automatisch ausgezahlt werden
22.05.2026

Familien in Deutschland sollen künftig deutlich weniger Bürokratie beim Kindergeld haben. Nach den Plänen der Bundesregierung soll die...

DWN
Politik
Politik Strategie oder Belohnung? Trump schickt 5.000 zusätzliche Soldaten nach Polen
22.05.2026

Während die USA ihre Truppenpräsenz in Deutschland reduzieren, kündigt US-Präsident Donald Trump überraschend eine massive Aufstockung...