Politik

UN fordert „nachhaltiges“ Städtewachstum beim Corona-Wiederaufbau

Städte sind laut Bericht beispielsweise für 70 Prozent allen klimaschädlichen CO2-Ausstoßes und zwei Drittel des weltweiten Energiebedarfs verantwortlich. CO2-Sparziele, klimafreundliche Verkehrsplanung und nachhaltiger Wohnungsbau sollen künftig auf der Tagesordnung stehen.
03.07.2021 11:47
Lesezeit: 1 min
UN fordert „nachhaltiges“ Städtewachstum beim Corona-Wiederaufbau
Antonio Guterres, UN-Generalsekretär, äußert sich beim Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs im Gebäude des Europäischen Rates. (Foto: dpa) Foto: John Thys

Die nachhaltige Entwicklung von Städten ist aus Sicht von UN-Experten ein Schlüssel zur Bewältigung der Folgen der Coronavirus-Pandemie. 95 Prozent aller bestätigten Corona-Infektionen weltweit stammten aus dem urbanen Raum, teilte die UN mit.

Ein erstmals seit vier Jahren erschienener Bericht des Weltsiedlungsgipfels (UN-Habitat) kommt zu dem Schluss, dass Städte entscheidend zu wirtschaftlichem Aufschwung, Umweltschutz und Abbau sozialer Ungleichheit beitragen können - so sie denn von der Politik entsprechend gestaltet werden.

Derzeit leben laut UN weltweit etwa 56 Prozent aller Menschen in Städten - 2035 sollen es fast 63 Prozent sein. In Ländern mit hohem Einkommen soll der Anteil der Städter von derzeit rund 81 Prozent auf 85 Prozent steigen. Am schnellsten wachsen dabei nicht die 33 sogenannten Megacities, Metropolregionen von mehr als 10 Millionen Einwohnern, sondern Städte mit weniger als einer Million Einwohner.

„Der Bericht von 2016 drückte eine sehr schwierige Nachricht aus: Urbanisierung war nicht nachhaltig und schaffte Ungleichheiten und viele negative Auswirkungen“, sagte UN-Experte Eduardo Moreno bei der Vorstellung des Berichts in Genf. „Es ist nicht so, dass sich die Situation verändert hat. Im Gegenteil, die Pandemie hat vieles verschärft.“

Dort, wo am meisten Probleme entstünden, könnten sie auch am wirkungsvollsten angegangen werden, meinen die Experten nun. „Urbanisierung kann für den Kampf gegen Armut, Ungleichheit, Arbeitslosigkeit, Klimawandel und andere dringende globale Herausforderungen zunutze gemacht werden“, erklärte die Direktorin von UN-Habitat, Maimunah Mohd Sharif.

Städte sind laut Bericht beispielsweise für 70 Prozent allen klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausstoßes (CO2) und zwei Drittel des weltweiten Energiebedarfs verantwortlich. CO2-Sparziele, klimafreundliche Verkehrsplanung und Wohnungsbau könnten also deutliche Unterschiede erzielen. Effiziente Verkehrsmittel, die Wegzeiten verkürzten und für weniger Stau sorgten, erhöhten wiederum die Produktivität und damit die wirtschaftliche Wertschöpfung.

Aus der Erfahrung der Corona-Pandemie lasse sich ableiten, dass auch Gesundheit künftig eine Rolle bei der Stadtplanung spielen soll, heißt es weiter. Der entscheidende Faktor bei der Ausbreitung der Pandemie in Städten sei laut Epidemiologen nicht Bevölkerungsdichte, sondern Überfüllung. „Andererseits hat die Pandemie Städte zu Innovationen angespornt, etwa Straßen für Autos zu schließen und sie für Menschen zu öffnen, um mehr Platz zum Gehen, Radfahren und Essen zu erlauben.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen KI-Infrastruktur: Der Hype um künstliche Intelligenz hat neue Gewinner
07.07.2026

Nvidia ist der Star des KI-Booms, doch im Schatten der Chipgiganten entsteht eine zweite Gewinnerwelle. Rechenzentren brauchen Strom,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: AMD-Aktien steigen kräftig, während Tech-Sektor Wall Street beflügelt
06.07.2026

Ein spektakulärer Wochenauftakt an den US-Märkten sorgt für Aufsehen – erfahren Sie, welche Entwicklungen die Kurse jetzt antreiben.

DWN
Finanzen
Finanzen Fiskalischer Spitzenreiter: Wie Deutschland seinen Bürgern am meisten abknöpft
06.07.2026

Eine Analyse zur Steuerbelastung in Europa zeigt für das Jahr 2026 eine bittere Wahrheit für deutsche Steuerzahler: Die Bundesrepublik...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuererhöhungen 2027: Steuer auf Spirituosen steigt um 20 Prozent - Zuckersteuer kommt auch
06.07.2026

Hochprozentige alkoholische Getränke sollen zum 1. Januar 2027 höher besteuert werden. "Was krank macht, wird teurer" - Finanzminister...

DWN
Politik
Politik Haushalt 2027: Klingbeil plant 200 Milliarden Euro neue Schulden für Deutschland
06.07.2026

Mehr Milliarden vor allem für Verteidigung, höhere Schulden - das prägt den Haushaltsentwurf von Finanzminister Klingbeil für...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Inflation: Warum der KI-Boom Ihr Erspartes entwerten könnte
06.07.2026

Künstliche Intelligenz soll die Wirtschaft produktiver machen, Prozesse beschleunigen und Wohlstand schaffen. Doch bevor dieser Effekt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische ChatGPT-Alternative: Warum ein 79-jähriger Unternehmer Big Tech herausfordert
06.07.2026

Ein dänischer Unternehmer und ein selbst ernannter KI-Guru wollen zeigen, dass Europa nicht länger auf amerikanische Tech-Giganten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Billiganbieter: Temu, Shein und Co. steigern Marktanteil auf Rekordwert
06.07.2026

Die Verbraucher in Deutschland geben online immer mehr Geld bei Shoppingplattformen wie Temu oder Shein aus. Während die asiatischen...