Finanzen

EZB-Direktorin hält Furcht vor zu hoher Inflation für unbegründet

EZB-Direktorin Isabel Schnabel hält trotz Chancen für kräftigere Wachstumsraten im Euro-Raum nach der Pandemie die derzeitigen Inflationssorgen für nicht gerechtfertigt. Doch viele Ökonomen rechnen damit, dass die Preise in der zweiten Jahreshälfte weiter anziehen werden.
03.07.2021 19:30
Aktualisiert: 03.07.2021 19:30
Lesezeit: 1 min
EZB-Direktorin hält Furcht vor zu hoher Inflation für unbegründet
Isabel Schnabel ist Direktorin der EZB. (Foto: dpa) Foto: Michael Kappeler

EZB-Direktorin Isabel Schnabel hält trotz Chancen für kräftigere Wachstumsraten im Euro-Raum nach der Pandemie die derzeitigen Inflationssorgen für nicht gerechtfertigt. "Selbst in diesem Umfeld sind Befürchtungen einer zu hohen Inflation unbegründet", sagte das Mitglied des sechsköpfigen Führungsteams der Europäischen Zentralbank (EZB) am Samstag laut Redetext auf einer Veranstaltung. Auch im günstigsten Szenario werde die Teuerung in den nächsten Jahren sehr wahrscheinlich klar unter den Niveaus bleiben, die die Preisstabilität in den 70er und 80er Jahren bedrohten.

Mehr zum Thema: Bernegger analysiert: Droht uns die Inflation?

In ihrer Rede wies die deutsche Ökonomin aber darauf hin, dass der wachsende Anteil der Geimpften in der Bevölkerung die wirtschaftliche Erholung unterstützt. Daher gebe es Chancen, dass die Inflation im Euro-Raum wieder näher an die mittelfristige Zielmarke der Notenbank heranrücke, sagte sie. Die Überwindung der Pandemie liefert Schnabel zufolge zum ersten Mal seit vielen Jahren Grund für vorsichtigen Optimismus, dass die Wirtschaft die geringen Wachstums- und Inflationsraten des vergangenen Jahrzehnts hinter sich lassen könnte. Dafür sei aber anhaltende fiskalische und geldpolitische Unterstützung nötig, merkte sie an.

Mehr zum Thema: Bernegger analysiert: Die Inflation ist da - und sie wird schlimmer werden, Teil 2

Die EZB strebt knapp unter zwei Prozent Inflation im Euro-Raum an, hat dieses Ziel aber in den vergangenen Jahren zumeist verfehlt. Im Juni lag die Inflation in der 19-Ländergemeinschaft bei 1,9 Prozent, nach 2,0 Prozent im Mai. Viele Ökonomen rechnen damit, dass die Preise in der zweiten Jahreshälfte weiter anziehen werden. Die Volkswirte der EZB erwarten laut ihren jüngsten Prognosen für das laufende Jahr eine Teuerungsrate von durchschnittlich 1,9 Prozent. Aus ihrer Sicht ist der Anstieg der Lebenshaltungskosten, der zuletzt vor allem energiepreisgetrieben war, aber nicht nachhaltig. Für 2022 sehen ihre Projektionen wieder eine geringere Inflation von 1,5 Prozent vor. Für 2023 wird sogar nur noch 1,4 Prozent Teuerung erwartet.

Die „FAZ“ berichtet: „Die ersten Ökonomen erwarten für Deutschland noch in diesem Jahr monatliche Inflationsraten von mehr als 4 Prozent. Das geht aus einer kleinen Umfrage der F.A.Z. unter Bank-Volkswirten hervor. ,Im November dürfte die Inflation in Deutschland mit 4,2 Prozent ihren Höhepunkt erreichen‘, sagt Michael Holstein, Chefvolkswirt der DZ Bank. ,Im vierten Quartal könnte die 4-Prozent-Marke ganz kurz überschritten werden‘, meint auch Carsten Brzeski, Ökonom der niederländischen Bank ING. Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank, rechnet immerhin mit 3,5 Prozent, Ulrich Kater von der Dekabank mit 3,4 Prozent, Stefan Schneider von der Deutschen Bank mit 4 Prozent.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Unternehmen
Unternehmen Ford E-Transit Courier im Test: Der Elektro-Spezialist für die Stadt
29.08.2026

Der Ford E-Transit Courier ist konsequent auf städtische Lieferdienste zugeschnitten. Er bietet ausreichend Reichweite für den...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volkswagen unter Druck: Wie umfangreich muss der Konzern sparen?
29.08.2026

Hohe Kosten, Überkapazitäten und ein unerbittlicher Wettbewerb setzen Volkswagen massiv unter Druck. Mehrere Werke fürchten um ihre...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Engpass bei Diesel: Warum Autofahrer einen teuren Winter fürchten müssen
29.08.2026

Die Straße von Hormus bleibt ein Nadelöhr für den weltweiten Ölhandel. Trumps neue Sanktionen sollen den Iran wirtschaftlich treffen,...

DWN
Technologie
Technologie Neue KI-Offensive könnte Bäckereien Millionen sparen
29.08.2026

Die Bäckereikette Bodenhoff will mit einem neuen KI-Werkzeug Abfall reduzieren und Mehrverkäufe sichern. Es soll die Planung der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deindustrialisierung schreitet voran: Deutschlands Industrie verliert weiter Arbeitsplätze
29.08.2026

Laut Daten des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) verliert Deutschland derzeit monatlich durchschnittlich rund 15.000...

DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld: Hamburg Direct Bank hebt Aktionszins für Tagesgeldkonto an
29.08.2026

Ein höherer Aktionszins und eine verlängerte Garantie machen das Tagesgeld der Hamburg Direct Bank noch interessanter. Weil Experten eine...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Warsh verspricht Kampf gegen die Inflation; S&P 500 und Chipwerte geben nach
28.08.2026

Wie die jüngsten Signale der US-Notenbank und überraschende Einzelmeldungen die Wall Street in Bewegung versetzen.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt 2.000 Fälle pro Tag: Wie das Legal-KI JUPUS aus Köln von der Kanzleikrise profitiert
28.08.2026

Weil Anwaltskanzleien keine Fachkräfte finden, boomt das Legal Tech von René Fergen. Das Unternehmen lässt eine KI die...