Deutschland

Nach Unwetter im Westen: Talsperren unter Druck, Häuser stürzen ein

Infolge der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands sind mindestens 81 Menschen gestorben, Talsperren laufen über und drohen zu brechen, Häuser stürzen ein.
16.07.2021 09:38
Lesezeit: 2 min

Nach der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands steigt die Zahl der Toten. Medienangaben zufolge starben mindestens 81 Menschen, mehr als 1000 galten am Freitag als vermisst. Allerdings erschweren nach wie vor gestörte Telefonverbindungen einen genauen Überblick über die Lage in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, wo die Unwetterschwerpunkte liegen. Gefahr geht zudem von den Talsperren in der Region aus, die überlaufen oder zu brechen drohen. "Die Lage ist nach wie vor dramatisch", sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer in Trier. Bundesinnenminister Horst Seehofer kündigte umfangreiche Finanzhilfen des Bundes an, die innerhalb weniger Tage vorbereitet werden sollen.

"Die Lage ist überhaupt noch nicht entspannt", sagte Dreyer. Die Zahl der Toten steige weiter. Aktuell seien allein in Rheinland-Pfalz über 50 Menschen ums Leben gekommen. "Dass so viele Menschen sterben bei dieser Katastrophe, das ist wirklich ganz furchtbar." Die Rettung der Menschen aus ihren Häusern und Wohnungen sei zudem schwierig, da der Zugang kaum möglich ist. "Das alles ist eine große, große Herausforderung für unsere Einsatzkräfte, die rund um die Uhr arbeiten", betonte die SPD-Politikerin.

TALSPERREN UNTER DRUCK

Seit Mitternacht läuft die Rurtalsperre über, die die Rur in der Region Aachen und dem Kreis Düren aufstaut. Damit drohen weitere Orte wie Düren und Jülich überschwemmt zu werden. Der Wasserverband Eifel-Rur meldete, dass sich die Zuflüsse zu den Talsperren reduziert hätten und der prognostizierte Überlauf der Rurtalsperre Schwammenauel mit "einer geringen Dynamik" begonnen habe. Gleichzeitig läuft der Überlauf über die Hochwasserentlastung weiter, um den Druck auf die Talsperre zu verringern. Derweil droht die Steinbachtalsperre bei Euskirchen zu brechen. Bereits seit Donnerstag ist in dem Bereich die A61 gesperrt.

HÄUSER STÜRZEN EIN - FUNDAMENTE UNTERSPÜLT

In Erfstadt südlich von Köln stürzten am Morgen Gebäude zusammen, wie die Bezirksregierung mitteilte. Aus dem Ortsteil Blessem würden massive und schnell fortschreitende Unterspülungen von Häusern und Bauwerken mit Teil- oder Totaleinstürzen gemeldet. Nur teilweise könnten die Menschen mit Booten gerettet werden. Erschwerend komme ein nicht abstellbarer Gasaustritt hinzu, der den Einsatz gefährde. Der Betrieb von Krankenhäusern sei nicht mehr möglich, mehrere Pflegeheime seien geräumt worden.

Im Kreis Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz galten am Freitagmorgen noch mehr als 1300 Menschen als vermisst. Der Mobilfunk war teilweise lahmgelegt, was ein genaues Bild der Lage erschwerte. Über 1000 Rettungs- und Hilfskräfte waren nach Angaben der Kreisverwaltung im Dauereinsatz. Aufgrund der komplexen Schadenslage sei eine abschließende Beurteilung der Situation immer noch nicht möglich. Weitere Einsatzkräfte, unter anderem Sanitäts- und Transporteinheiten sowie Kräfte der Bundeswehr, seien nachgefordert worden.

Die Bundesregierung will innerhalb weniger Tage umfangreiche Finanzhilfen für die Hochwasser-Geschädigten vorbereiten. "Das Konzept dafür entwickelt mein Haus gerade noch mit der Bundeskanzlerin und Bundesfinanzminister Olaf Scholz", sagte Innenminister Seehofer (CSU). "Es soll möglichst schon am Mittwoch ins Kabinett." Details wolle er nicht nennen, bevor es ein klares Bild vom Ausmaß der Schäden gebe. "Aber Sie können davon ausgehen, dass es ein großes Paket sein wird", sagte Seehofer. Beim sogenannten Jahrhunderthochwasser von Elbe und Donau, das 2013 acht Bundesländer betraf, hatte die Bundesregierung einen Fluthilfefonds über acht Milliarden Euro aufgelegt.

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